Von Bärbel Tschech

Naturmedizinischer Wirkstoff Wacholder

Juniperus communis

Familie: Zypressengewächse (Cupressaceae)

Der Wacholder ist ein Symbol für die enge Verwobenheit von Mystik, Aberglaube, Brauchtum, Erfahrungswissen und moderner Heilpflanze.

Wo wächst Wacholder und wie sieht er aus?

Juniperus communis ist ein Zypressengewächs. Er ist also eng verwandt mit den Zypressen und Scheinzypressen, aber auch mit dem Mammutbaum und den Lebensbäumen (Thuja). Von den weltweit rund 70 Arten der Gattung Juniperus kommen nur 2 Wacholder-Arten in Mitteleuropa vor: der Gemeine Wacholder und der giftige Sadebaum (Juniperus sabina), der auch als Stink-Wacholder bezeichnet wird. Nach der Eibe ist Juniperus communis die Pflanzen-Art, die in unseren Breiten am ältesten werden kann.

Beim Gemeinen Wacholder handelt es sich um einen aufrecht oder auch kriechend wachsenden Strauch bzw. kleinen Baum. Seine Blätter sind als recht unangenehm spitze Nadeln ausgebildet. Sie dienen ihm als Fraßschutz und Trockenheitsanpassung. Dadurch ist er bestens gerüstet für seinen bevorzugten Standort: Schafweiden.

Diese Juniperus-Art bildet meist eine schmale, kegelförmige Krone. Durch den Einfluss von Wind und Schnee sind die Büsche oder kleinen Bäume oft sehr eigenwillig geformt. Mit ausreichend viel Fantasie kann man darin tierische oder menschliche Gestalten erkennen, was in früheren Zeiten wohl auch zu vielen mystischen Deutungen geführt hat. Üblicherweise ist unser Juniperus zweihäusig. Das heißt: Es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Die Männchen erkennt man an den gelblichen Blüten, die zwischen April und Juni ihre Pollen bilden. Die Weibchen bilden sogenannte Blütenzapfen.

Der Gemeine Wacholder ist nicht nur in Europa weit verbreitet, sondern überall auf der nördlichen Halbkugel, also auch in Nordamerika, Nord- und Westasien. Man findet ihn auf trockenen Rasen, lichten Wäldern und an felsigen Hängen. In den Alpen kommt er bis auf 2300 m Höhe vor. Der Wacholder ist bei uns die namensgebende Pflanzen-Art der sogenannten Wacholderheiden. Das sind Kulturlandschaften, die durch Schaf-Weidewirtschaft entstanden sind. Da die Schafweide als Biotop immer mehr verschwindet, ist auch der Wacholder selbst gefährdet und steht deshalb unter Naturschutz. Wacholderheiden sind typisch für die Schwäbische Alb, aber auch für die Heidelandschaften im Norden Deutschlands, beispielsweise die Lüneburger Heide.

Was bedeutet der Name und warum findet man Wacholder so oft auf Friedhöfen?

Das hängt einerseits natürlich damit zusammen, dass der immergrüne Strauch auch im Winterhalbjahr attraktiv aussieht. Andererseits steckt dahinter sicherlich auch volkstümlicher Aberglauben.

Der Wacholder wurde in unseren Breiten früher hochgeschätzt. Das kommt beispielsweise in diesem alten Spruch zum Ausdruck: „Vor dem Holunder soll man den Hut abnehmen, vor einem Wacholder aber muss man in die Knie gehen!“

Er galt als Dämonenschutz, war aber auch ein beliebtes Heilmittel –insbesondere für typische Alterskrankheiten. Ganz allgemein galten Pflanzen, die immergrün den Winter überdauern, als hilfreich gegen Altersbeschwerden. Schließlich steht der Winter ja auch für das Alter und Sterben.

Auf der anderen Seite spielte Juniperus als Pestschutz eine Rolle. In diesem Zusammenhang entstand wohl auch sein Name Wacholder. Dieser geht auf das althochdeutsche „wechalter” zurück. Das Wort wird einerseits abgeleitet von dem Wort für „wickeln“ und bezieht sich damit auf die Nutzung der Zweige von Juniperus zum Flechten. Andererseits hat es aber auch Bezug zu dem mittelhochdeutschen Wort Quecholder. Das wiederum bedeutet so viel wie lebendig, lebensfrisch, immergrün.

Man sah Juniperus also als Wach-Halter und Lebendig-Macher an. Das bezog sich einerseits auf seine heilsame Wirkung, andererseits aber auch auf seine mystische Bedeutung: Unsere Vorfahren glaubten, dass sich die Seelen der Verstorbenen in dem Baum verbergen können. Unter besonders guten Umständen könnten sie dann auch wieder ins Leben zurückkehren. Deshalb pflanzte man den Wacholder aufs Grab.

Sind Wacholderbeeren Beeren oder Zapfen?

Umgangssprachlich sind die Früchte von Juniperus communis als Wacholderbeeren bekannt. Botanisch gesehen handelt es sich aber nicht um Beeren, sondern um beerenförmige Zapfen. Die weiblichen Blüten-Stände sind dreischuppig. Nach der Befruchtung verwachsen diese Samenschuppen und werden fleischig. Es dauert 3 Jahre, bis sich die fertigen „Beeren-Zapfen“ vollständig entwickelt haben, also reif sind. Deshalb findet man an einem Strauch meist drei verschiedene Stadien der Wacholderbeeren. Die einjährigen sind noch grün, erst die dreijährigen dann richtig schwarzbraun, bläulich bereift. Diese bläuliche Bereifung ist eine Wachsschicht, die man abreiben kann.

Was hat es auf sich mit Wacholderdrosseln, Wacholderschnaps, Machandel, Gin und Kranewitt?

Die Verbreitung der in den Wacholderbeeren enthaltenen Samen erfolgt durch Vögel – allen voran durch die Wacholderdrossel, die deshalb diesen Namen trägt. Früher wurde sie Krammetvogel genannt. Davon hat sich dann wohl Kranewitt abgeleitet.

Als Kranewitt wurde der Gemeine Wacholder in Süddeutschland bezeichnet. „Esst Kranewitt und Bibernell, dann sterbts nit so schnell.“ So hieß es dort in der Pestzeit. Mit etwas Fantasie kann man aus dem „Gesang“ der Wacholderdrossel auch durchaus diese Worte heraushören. Probieren Sie es mal aus! 

So unterschiedlich wie Juniperus in den einzelnen Regionen verwendet wurde, so unterschiedlich sind auch die Bezeichnungen, die man dem Strauch gegeben hat. Im Niederdeutschen hieß der Wacholder Machandelbaum. Von 1776 bis 1945 gab es auch eine Schnapssorte, die als Machandel bezeichnet wurde. Regina Scheer schuf mit ihrem Mecklenburg-Roman „Machandel“ diesem schönen Namen ein literarisches Denkmal.

Das ätherische Wacholder-Öl, das in den Beeren besonders hoch konzentriert ist, hat ein sehr intensives Aroma und wirkt darüber hinaus krampflösend und möglicherweise auch anregend auf den Verdauungstrakt. Dadurch ist es geradezu prädestiniert für einen guten (Verdauungs-)Schnaps. Dieser ist seit dem 17. Jahrhundert als Genever bekannt. Später wurde dann der Gin der wohl bekannteste Wacholderschnaps. Allerdings ist dieser heute selten ein reiner Wacholderschnaps, sondern kann – je nach Hersteller - rund 120 verschiedene Zutaten haben.

Der Wacholder als Gewürz und Heilpflanze

Wir kennen und schätzen die reifen, getrockneten Wacholderbeeren in erster Linie als Gewürz – beispielsweise für Sauerkraut oder Wildgerichte. Sie haben ein angenehmes Aroma und machen die Speisen besser verdaulich. Doch der Wacholder kann weit mehr. Leider spielt er als Arzneipflanze gar nicht mehr eine so große Rolle wie früher, obwohl sich viele Wirkungen, die ihm traditionell zugesprochen wurden, inzwischen auch wissenschaftlich bestätigen lassen.

Bei den Germanen genoss der Wacholder ein besonders hohes Ansehen: Er galt als Pest-Prophylaxe, harntreibendes, magenstärkendes und verdauungsförderndes Mittel. Man entzündete in der Pestzeit auf dem Dorfplatz ein Feuer. Mit einem glühenden Holz-Span räucherte man dann die Krankenzimmer aus. Diese Tradition des Reinigens durch Ausräuchern hat sich gehalten: In einigen Regionen Süddeutschlands werden die Ställe nach dem Viehtrieb nach wie vor zur Reinigung ausgeräuchert. Aus Gründen des Naturschutzes darf hierfür aber kein Baum mehr beschädigt werden.

Heute werden sowohl das Wacholderöl als auch die getrockneten Wacholderbeeren arzneilich verwendet. Das ätherische Öl wird durch Wasserdampfdestillation aus den reifen Beerenzapfen gewonnen. Die Anwendung erfolgt überwiegend äußerlich bei rheumatischen Beschwerden. Ätherisches Wacholderöl ist Bestandteil von vielen Badezusätzen und Einreibungen. Es gibt aber auch Weichgelatinekapseln, die das Öl enthalten.

Die reifen, getrockneten Wacholderbeeren sind besonders beliebt als Gewürz – beispielsweise für Sauerkraut oder Wildgerichte. Wie viele andere Gewürzkräuter, haben die Wacholderbeeren dabei neben dem aromatischen, auch einen wichtigen gesundheitlichen Aspekt. Sie machen die Speisen besser verdaulich und haben durch ihre krampflösende Wirkung einen positiven Einfluss auf Magen-Darm-Beschwerden im Zuge der Verdauung. Darüber hinaus sind die Beeren oft Bestandteil von Teemischungen, die als Verdauungstees zum Einsatz kommen.

Früher wurden die Beeren wegen ihres diuretischen, also harntreibenden Effektes auch häufig als Nierenmittel verwendet. Dafür kamen und kommen sie in vielfältiger Art zum Einsatz: als ganze Beeren, gequetscht oder gepulvert, als Abkochung, alkoholischer Extrakt oder in Form von weinigen Auszügen. Diese verschiedenen Darreichungsformen werden als Fertigarzneimittel angeboten. Sie sind aber auch in Form von Nierentees enthalten, die man in der Apotheke kaufen kann. Nierentees werden zur Durchspülungstherapie verwendet. Sie kommen aber auch – oft zusammen mit Lebertees – im Rahmen der so genannten Frühjahrskuren zum Einsatz.

Da Wacholderbeeren bei unsachgemäßem und vor allem langfristigem Gebrauch jedoch auch die Nieren reizen können, erfolgt der Einsatz heute sehr oft in ausreichend verdünnter Form – insbesondere in der Homöopathie.

Schwangere sollten Wacholder nicht verwenden.

Homöopathische Anwendung von Wacholder

der Harntreiber unterstützt bei:

  • dauerndem Harndrang
  • Harnausscheidungsstörungen
  • Schleimhautentzündungen der ableitenden Harnwege
  • Harnblasenentzündung

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Bitte beachten Sie: Alles, was die Gesundheit unterstützen kann, kann ihr auch schaden. Häufig ist das eine Frage der Dosis oder der Verträglichkeit mit anderen Arzneimitteln und möglicherweise bestehenden Grunderkrankungen. Dieses Wirkstoff-Porträt nennt nicht alle Eigenschaften, die bei der arzneilichen Anwendung beachtet werden müssen. Lassen Sie sich daher über mögliche Neben- und Wechselwirkungen von Ihrem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker beraten und lesen Sie die Packungsbeilagen von Arzneimitteln.