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Naturmedizinischer Wirkstoff Kamille

Chamomilla recutita

Familie: Korbblütengewächse (Asteraceae)

Karl Heinrich Wagerl bringt in seinem Buch „Heiteres Herbarium“ das Wichtigste, was über die Kamille zu sagen ist, sehr schön auf den Punkt:

Die Kraft, das Weh im Leib zu stillen
verlieh der Schöpfer den Kamillen.
Die blühn und warten unverzagt
auf jemand, den das Bauchweh plagt.
Der Mensch jedoch in seiner Pein
glaubt nicht an das, was allgemein
zu haben ist. Er schreit nach Pillen.
Verschont mich, sagt er, mit Kamillen, um Gotteswillen!

Das, was die Kamille seit der Antike für den Menschen leistet, übernehmen heute meist chemisch-synthetische Magenmittel. Wenn heute trotzdem jemand über die Wirksamkeit dieser berühmten, allgegenwärtigen, aber immer seltener werdenden Heilpflanze stolpert, ist er überrascht von dem, was sie zu verrichten vermag. Trotzdem kennt sie jeder. Wohl in fast jedem Haushalt finden sich ein paar Beutel Kamillentee für den Fall, dass der Magen mal grummelt. Die meisten erinnern sich bestimmt auch noch an den Duft und Geschmack von Kamillentee, den in Kindertagen Mama oder Oma genau zu diesem Zweck ans Bett gebracht haben. Vielleicht kennen Sie aus Ihrer Kindheit auch noch die Anwendung von Kamillenblüten als Zusatz zum Dampfbad, zum Gurgelwasser bei Entzündungen im Mund- und Rachenbereich, vielleicht sogar als Auflage bei Augen-, Haut- und Schleimhaut-Entzündungen. Bevor es für jedes Wehwehchen eine besondere Arznei gab, diente die Kamille als Multitalent und man brauchte nur bis zum nächsten Acker oder bunten Wegrand zu gehen, um die Kamillenblüten frisch pflücken zu können.

Die Namen und ihr Ursprung

Zwei wissenschaftliche Namen für die Kamille sind anerkannt: Matricaria recutita und Matricaria chamomilla. Oft findet man aber auch noch die Bezeichnung Chamomilla recutita.

Der Name Chamomilla entstand aus chamai (niedrig) und melon (Apfel) wegen des bodennahen Wachstums und des apfelartigen Geruchs der runden Blütenköpfchen. Davon wurde dann die bei uns gebräuchliche Bezeichnung Kamille abgeleitet.

Der wissenschaftliche Name Matricaria beinhaltet die lateinischen Begriffe mater und matrix. Mater bedeutet Mutter und Matrix steht hier für die Gebärmutter. Verantwortlich für diese Namensgebung ist die Tatsache, dass sowohl die Echte Kamille als auch das sehr ähnliche Mutterkraut als „Kraut der Mutter“ galten. Das Mutterkraut trägt heute den wissenschaftlichen Namen Tanacetum parthenium und war ursprünglich mit „Matricaria“ gemeint. Beide Heilpflanzen kamen volkstümlich sowohl bei Problemen während Schwangerschaft und Geburt als auch im Wochenbett und beim Kind zum Einsatz.

Heute weiß man, dass die getrockneten Kamillenblüten antientzündlich und krampflösend wirken. Deshalb kommen sie heute vor allem bei entzündlichen Erkrankungen des Magen-Darm-Bereichs zur Anwendung.

Botanik

Die Echte Kamille gehört zur Familie der Korbblütengewächse. Deshalb muss sie von Menschen gemieden werden, die mit allergischen Reaktionen auf Vertreter dieser botanischen Familie reagieren. Auch die Heilpflanzen Echinacea, Arnika und Löwenzahn gehören in diese Familie. Leider gibt es inzwischen relativ viele Menschen, die auf Korbblütler allergisch reagieren.

Die Kamille ist einjährig. Das bedeutet, dass die Pflanze den Winter nicht übersteht, aber ihre Samen dafür sorgen, dass sie auch im nächsten Jahr wieder am gleichen Ort wachsen kann. Dieser Ort – das waren noch vor wenigen Jahrzehnten insbesondere die Getreidefelder und Wegränder. Leider gehört die Kamille zu den Pflanzen, die durch den Einsatz von Herbiziden, also Unkrautvernichtungsmitteln, weitestgehend ausgerottet wurden. Dabei ist die Kamille eine der Pflanzen, die die Bezeichnung „Un“- Kraut am wenigsten verdienen. Sie ist nicht nur eine bedeutende Heilpflanze, sondern sie kann auch das Wachstum anderer Pflanzen positiv beeinflussen und wirkt gleichzeitig bodenverbessernd. Anders herum hat sie im Getreidefeld den höchsten Wirkstoffgehalt.

Es gibt einige Doppelgängerinnen, mit denen man die Echte Kamille verwechseln kann. Die Strahlenlose Kamille beispielsweise – sie durftet ähnlich, ihren Blüten fehlen aber die weißen Strahlenblütenblätter. Sie hat nur die gelben Röhrenblüten. Oder die Hundskamille – sie ist wirklich sehr ähnlich, duftet aber weniger gut bzw. riecht sogar etwas unangenehm und ihre Blüten-Böden sind nicht hohl, wie bei der Echten Kamille.

Anwendung in der Heilkunde

Viele Einzelwirkstoffe sind an der Gesamt-Wirkung beteiligt. Eine besondere Rolle spielen dabei die ätherischen Öle, die bis zu 1,4 % ausmachen können und deshalb auch isoliert verwendet werden. Alkoholische Extrakte enthalten in Abhängigkeit von der Alkoholmenge bis zu 3 % Flavonoide und 0,3 % ätherische Öle. In einem Teeaufguss sind nur 0,02 % ätherische Öle enthalten. Daneben aber auch Schleimstoffe und Flavonoide.

Kamillenblüten wirken in erster Linie antientzündlich auf Haut und Schleimhäute. Deshalb kommen sie äußerlich als Auflagen oder Badezusatz zum Einsatz. Aber auch für die innerliche Anwendung ist Kamille exzellent geeignet: Hier dient sie als Spülung, Gurgellösung oder Zusatz zur Inhalation. Die wichtigsten Einsatzgebiete dafür sind Entzündungen in der Mundhöhle, des Zahnfleisches, im Anal- und Genitalbereich und in den Luftwegen

Darüber hinaus haben Kamillenblüten eine krampflösende Wirkung. Dadurch eignen sie sich hervorragend bei Magen-Darm-Problemen. Die Kombination aus krampflösender und entzündungshemmender Wirkung macht den Tee aus den getrockneten Blüten zu einem hervorragenden Mittel bei Magenschleimhaut-Entzündungen. Auch pflanzliche Fertigarzneimittel, die bei schmerzhaften Verdauungsproblemen zum Einsatz kommen, enthalten oft Kamille.

Im Rahmen der Phytotherapie kommen insbesondere diese Anwendungen zum Einsatz:

  • Ätherisches Kamillenblütenöl, auch als Bestandteil von Fertigarzneimitteln. Das ist geeignet beispielsweise zum Herstellen von Gurgellösungen und Auflagen
  • Flüssigextrakte, die u.a. zu pflanzlichen Arzneimitteln für Magen und Darm verarbeitet werden
  • getrocknete Blüten als Tee. Dafür übergießt man einen gehäuften Esslöffel getrockneter Kamillenblüten mit 150 ml kochendem Wasser und lässt den Sud ca. 5-10 Minuten ziehen, bevor man ihn durch ein Teesieb abgießt. Bei Magenschleimhautentzündungen sollte man 3-4-mal eine Tasse Kamillentee zwischen den Mahlzeiten trinken, am besten immer frisch zubereitet.
  • Gurgellösungen aus Kamillentee oder mit Kamillenblütenöl
  • Badezusatz. Dafür kommen idealerweise 50 Gramm Kamillenblüten auf 10 Liter Wasser.
  • Aufgüsse für Umschläge und Spülungen. Für die optimale Wirkung sollten die Aufgüsse 3- bis 10-%ig sein.
  • Zusatz für Inhalationen. Auch hierfür eigen sich sowohl die ätherischen Öle als auch Aufgüsse

In der Homöopathie kommt die Echte Kamille mit der Bezeichnung Chamomilla zum Einsatz.

Homöopathische Anwendung von Kamille

die Gleichmütige unterstützt insbesondere reizbare, ruhelose Menschen mit:

  • Magen- und Darmkrämpfen
  • heftigen Schmerzen
  • Ungeduld, Übellaunigkeit, Zorn

Phytotherapeutische Anwendung von Kamille

die Beruhigende

  • antientzündlich
  • wirkt beruhigend auf den Verdauungstrakt
  • entspannt verkrampfte Muskulatur im Magen-Darm-Trakt

 

 

Der sprechende Wirkstoffkompass

Erfahren Sie mehr zur Kamille in einem kurzen Clip mit Arzt und Apotheker Dr. Peter Reinhard.

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Bitte beachten Sie: Alles, was die Gesundheit unterstützen kann, kann ihr auch schaden. Häufig ist das eine Frage der Dosis oder der Verträglichkeit mit anderen Arzneimitteln und möglicherweise bestehenden Grunderkrankungen. Dieses Wirkstoff-Porträt nennt nicht alle Eigenschaften, die bei der arzneilichen Anwendung beachtet werden müssen. Lassen Sie sich daher über mögliche Neben- und Wechselwirkungen von Ihrem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker beraten und lesen Sie die Packungsbeilagen von Arzneimitteln.