Von Bärbel Tschech |

Krampfadern

Kurz erklärt!

Krampfadern sind oberflächliche Venen, die blau-schimmernd, knotenförmig verdickt, geschlängelt oder verästelt direkt unter der Haut sichtbar sind. Wesentlich für die Entstehung sind die genetischen Anlagen. Konkret geht es dabei um eine Schwäche der Venenklappen, die oft mit einer Bindegewebsschwäche einhergeht. Zu den Risikofaktoren zählen Bewegungsmangel, fehlerhafte Ernährung, Rauchen, zunehmendes Alter, Schwangerschaft, Übergewicht, einschnürende Kleidung und langes Stehen.

Was sind Krampfadern?

Es handelt sich um oberflächliche geschlängelte Venen, die blau-schimmernd und knotenförmig verdickt direkt unter der Haut sichtbar sind. Man nennt sie auch Varizen. Das Krampfaderleiden wird als Varikosis bezeichnet.

Welche Formen gibt es? - Was bedeutet primäre Varikosis, was sekundäre?

Von primären Krampfadern spricht man, wenn sie aufgrund einer veranlagungsbedingten Venenschwäche auftreten. Meist sind weitere begünstigende Faktoren wie Übergewicht, Schwangerschaft, dauerhaft stehende Tätigkeiten im Alltag oder eine Rechtsherzinsuffizienz, also eine bestimmte Herzerkrankung, die Auslöser. 
Ursache für eine sekundäre Varikose ist meist eine tiefe Venenthrombose. Thrombosen sind Blutgerinnsel, die sich in den Blutgefäßen bilden und so den Blutfluss behindern. Wenn die Thrombose im tiefen Venensystem aufgetreten ist, kommt es zum Stau im umliegenden Gewebe, der sich auch auf die oberflächlichen Venen auswirkt.

Was sind die ersten Anzeichen?

Häufige, aber keineswegs verlässliche erste Anzeichen einer Varikose sind

  • sichtbar werdende, aber beschwerdefreie Venen unter der Hautoberfläche
  • schwere Beine, ein Müdigkeits- oder Spannungs-Gefühl in den Beinen nach langem Sitzen oder Stehen, das sich beim Hochlegen oder Bewegen bessert
  • nächtliche Fuß- oder Wadenkrämpfe

Stadien: Wie äußern sich Krampfadern? Welche Beschwerden hat man?

Venenerkrankungen und chronische Venenstauungen gehen oft mit Wassereinlagerungen, also Schwellungen in den Beinen einher. Meist sind diese zuerst im Bereich der Knöchel sichtbar und nehmen gegen Abend zu. Ursache für solche Ödeme ist, dass sich die Flüssigkeit, die nicht in ausreichendem Maße zurück in Richtung Herz fließen kann, staut und ins Gewebe gepresst wird. Da es aber auch andere Gründe für geschwollene Beine geben kann, müssen Ödeme und Venenerkrankungen ärztlich abgeklärt werden.
Weitere Symptome können hinzukommen bzw. den Wassereinlagerungen bereits vorausgehen: schwere Beine, Krämpfe in den Waden und Spannungsgefühl. Oft fühlen sich die Beine warm an und jucken gelegentlich.
Später können bräunliche Hautverfärbungen an den Unterschenkeln und Füßen auftreten oder auch Ekzem-artige Hautveränderungen, die so genannte Stauungsdermatitis. Die Haut kann im weiteren Verlauf sogar verhärten, medizinisch wird das als Induration bezeichnet. Oft erscheint die Haut dann sehr dünn und schimmert glänzend. 

Nach Marshal werden 4 Stadien unterschieden:

  • Stadium 1: keine Symptome
  • Stadium 2: Krämpfe, Schweregefühl, Missempfindungen (Parästhesien)
  • Stadium 3: Ödeme, Hautveränderungen
  • Stadium 4: offenes Bein (Ulcus cruris venosum)
     

Wie gefährlich sind Krampfadern?

Im fortgeschrittenen Stadium kann eine Varikose sogar zu einem „offenen Bein“ führen. Als offenes Bein bezeichnet man ein Geschwür (Ulcus cruris) am Unterschenkel bzw. im Knöchelbereich. 
Eine weitere mögliche Komplikation ist, dass sich die betroffenen Venen des oberflächlichen Venensystems entzünden können. Ärzte sprechen von einer Venenentzündung bzw. Thrombophlebitis oder Varikophlebitis.
Die größte Gefahr bei einer schweren venösen Stauung ist die Bildung von Blutgerinnseln, also Thromben. Die Folge kann eine tiefe Beinvenen-Thrombose sein mit vollständigem Verschluss der betroffenen tiefen Vene.
Löst sich solch ein Thrombus und gelangt über das Herz in den Lungenkreislauf, besteht die Gefahr einer lebensbedrohlichen Lungenembolie.
 

Was sind Besenreiser?

Bei den so genannten Besenreisern handelt es sich um ganz kleine, in der Haut gelegene Varizen, die auch bläulich aussehen. Entgegen der weit verbreiteten Annahme sind diese winzigen, oberflächlichen Venen nicht als Vorboten von ausgeprägten Varizen anzusehen. Besenreiser betreffen die kleineren Venen, sind also meist kleiner als 1 mm und treten besonders an der Rückseite des Oberschenkels auf. Medizinisch werden sie als Besenreiser-Varizen bezeichnet. Sie haben keine nachteilige Bedeutung, sind aber – gerade bei Frauen - häufig ein kosmetisches Problem. Bei älteren Patienten findet man Besenreiser besonders oft.

Was sind Besenreiser?

Ursachen: Was ist der Grund für Krampfadern?

Warum neigen manche Menschen zu Varizen und andere nicht? Wesentlich sind hier die genetischen Anlagen. Konkret geht es dabei um eine Schwäche der Venenklappen, die oft mit einer Bindegewebsschwäche gekoppelt ist.

Wie und wodurch entstehen Krampfadern?

Zum besseren Verständnis schauen wir uns nochmal unsere Blutgefäße an. Das Blut in den Arterien wird vom Herzen angetrieben (Puls) und bis in die weit entfernten Körperregionen gepumpt. Von hier fließt es über die Venen zurück zum Herzen. Die Fließrichtung in den Venen ist überwiegend - und vor allem in den Beinen - entgegen der Schwerkraft. Damit es dabei nicht ständig zum Rückstrom des Blutes in die Peripherie kommt, enthalten die Venen Klappen. 

Wenn die Venenklappen zu schwach ausgebildet sind, ist der Rückstrom des Blutes zum Herzen erschwert. Dadurch steigt der Druck in den Venen und auf die Venenklappen. Es kommt zum Stau und damit zu den Krampfadern.

Risikofaktoren: Wer ist betroffen? Welche Faktoren fördern die Entstehung von?

Frauen sind etwas öfter betroffen als Männer. Ältere Menschen neigen mehr dazu als Jüngere. Das hängt mit der nachlassenden Elastizität der Blutgefäße zusammen.
Ältere Menschen mit Bindegewebsschwäche und Schwangere sind besonders gefährdet. 
Weitere Faktoren fördern die Entstehung:

  • Bewegungsmangel 
  • hohes Körpergewicht (Adipositas)
  • einschnürende Kleidung
  • einseitige Ernährung, Mangel an bestimmten Vitalstoffen 
  • Rauchen
  • verschiedene Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems

Bewegungsmangel sowie langes Stehen und sitzende Tätigkeiten führen dazu, dass die Waden-Muskelpumpe zu wenig aktiviert wird. Das erschwert den Rückstrom des Blutes zum Herzen und fördert die Bildung von Varizen und Besenreisern.
Alter: Mit zunehmendem Alter verringert sich die Elastizität des Gewebes. Meist verstärkt sich zusätzlich auch noch der Bewegungsmangel.
Schwangerschaft: Sowohl die Hormone als auch der Druck durch das heranwachsende Baby beeinflussen das Venensystem so, dass der Rückstrom des Blutes erschwert wird und Krampfadern entstehen können. Diese bilden sich aber meist innerhalb weniger Wochen nach der Entbindung vollständig zurück.
Körpergewicht und Kleidung: Überflüssige Pfunde üben ebenso wie einschnürende Kleidung einen Druck auf die Venen aus.
Gesunde Ernährung: Ein Mangel an bestimmten Nährstoffen kann sich auf alle Körperfunktionen negativ auswirken. Deshalb ist eine gesunde, vielseitige und vollwertige Ernährung wichtig. Ballaststoff-Mangel scheint sich besonders nachteilig auszuwirken. 
Hitze: Starke Wärmeeinwirkung lässt die Gefäße weiter werden. Dadurch verlangsamt sich der Blutfluss und die Venenklappen werden zusätzlich belastet.
Rauchen: Rauchen wirkt sich ungünstig auf die Durchblutung aus.
Andere Erkrankungen können den Druck im Venensystem erhöhen und so zur Bildung beitragen:

  • tiefe Beinvenenthrombose
  • angeborene Einengung oder gar Verschluss der großen Bauchvene
  • Leberzirrhose
  • Herzschwäche (Rechtsherzinsuffizienz)

Warum sind nur die Beine betroffen?

Zwar betreffen Varizen meistens die Beinvenen, aber auch andere Körperregionen können betroffen sein.
Die bekanntesten Varizen sind wohl die Hämorrhoiden am After. 
Ist ein Verschluss der großen Bauchvene die eigentliche Ursache, können sich auch im Unterbauch Krampfadern entwickeln. 
Im Falle einer Leberzirrhose können sie sogar in der Schleimhaut der Speiseröhre auftreten.
Dass überwiegend die Beine betroffen sind, liegt einfach an der Schwerkraft.
Aus den Beinen muss das Blut in den Venen über eine besonders lange Strecke gegen die Schwerkraft zurück zum Herzen transportiert werden. Deshalb sind die Beine besonders anfällig für den Stau.

Therapie & Behandlung: Was tun bei Krampfadern?

Auch hier gilt: Vorbeugen ist leichter als Heilen! Beachten Sie die Tipps in den Kapiteln 5. und 6., damit das Krampfaderleiden möglichst gar nicht oder zumindest erst so spät, wie irgend möglich entstehen. Das gilt umso mehr, wenn Sie erblich vorbelastet sind, also das Krampfaderleiden in Ihrer Familie bereits gehäuft auftritt.

Heilungsaussichten: Werde ich Krampfadern wieder los?

Die gute Nachricht: Wenn Besenreiser oder Krampfadern im Zuge der Schwangerschaft entstanden sind, bilden sie sich meistens innerhalb weniger Wochen nach der Entbindung wieder zurück. Die weniger gute Nachricht: Da es sich ja um eine Venenschwäche handelt und diese anlagebedingt ist, wird man sie ansonsten nicht so leicht wieder los. Deshalb ist Vorbeugen, also Vermeiden der Risikofaktoren, aber auch frühzeitiges Erkennen und entsprechendes Behandeln sehr wichtig.

Warum und wann sollten Sie zum Arzt gehen?

Einerseits können die Beschwerden auch andere Ursachen haben. Andererseits können schwere Verläufe von venösen Abflussstörungen sogar lebensbedrohlich werden. Deshalb ist eine ärztliche Abklärung immer ratsam, wenn Sie unter den oben genannten Beschwerden leiden. 
Treten akut starke Schmerzen in einem Bein auf, müssen Sie unverzüglich Ihre Ärztin bzw. Ihren Arzt aufsuchen.

Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es?

Ziel der Behandlung ist, Spätschäden und mögliche Komplikationen zu verhindern. Auch kosmetische Gründe können Anlass sein, Besenreiser oder Krampfadern zu behandeln. Sowohl nicht-medikamentöse, als auch medikamentöse und operative Maßnahmen sind möglich.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen sind:

  • körperliche Bewegung, eventuell gezielte Bewegungstherapien
  • Hochlegen der Beine
  • kühles Abduschen der Beine, Kneipp-Verfahren
  • Kompressionstherapie: Kompressionsverband, Zinkleimverband, medizinische Kompressionsstrümpfe, pneumatische Kompression, Stützstrümpfe

Medikamentöse Behandlung

Es gibt keine Medikamente, um Besenreiser oder Varizen heilen oder gar beseitigen zu können. Einige können jedoch vorbeugen und lindern. Dazu gehören pflanzliche venentonisierende Mittel, die aktivierend auf die Venenwände wirken und pflanzliche Ödemprotektiva, die die Durchlässigkeit der Venenwände mindern.
Bei starken Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe können in Einzelfällen kurzzeitig spezielle entwässernde Medikamente (Diuretika) zum Einsatz kommen.
Die sollten aber unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden. Manchmal kommen auch Arzneimittel mit Heparin oder Hirudin zum Einsatz.

Operative Methoden zur Krampfaderbehandlung

Einerseits gibt es die Möglichkeit der Verödung, auch Sklerosierung bzw. Sklerotherapie genannt. Hier wird das Gefäß mit Hilfe eines Verödungsmittels verschlossen.
Außerdem kommen Phlebektomie bzw. Venenstripping zum Einsatz. Phlebektomie ist die operative Entfernung. Dabei handelt es sich um einen minimal-invasiven Eingriff, der auch als Häkchenverfahren bezeichnet und meist ambulant durchgeführt wird. Auch das Venenstripping ist eine Möglichkeit, minimal-invasiv zu behandeln. Dabei kommt eine Sonde zum Einsatz, die von Phlebologen bzw. Gefäßchirurgen in die erweiterte Stammvene eingeführt wird.
Darüber hinaus haben sich in den letzten Jahren verschiedene Maßnahmen bewährt, wie die Radiofrequenztherapie, die Lasertherapie und die Nutzung von Fibrinkleber zum Verschluss der zu behandelnden Vene.

Vorbeugen und Krampfadern loswerden: Was kann man selbst tun?

Wenn Sie zu den Risikogruppen für ein Krampfaderleiden gehören, sollten Sie unbedingt vorbeugen. Die wichtigste Maßnahme ist Bewegung. Am besten sind Laufen (Walken), Schwimmen und Wandern, aber auch gezielte Venen-Gymnastik.

Tipps und Hausmittel: Was sollten Sie tun bzw. lieber lassen?

  • Beachten Sie die S-L-Faustregel: Stehen und Sitzen = Schlecht; Laufen und Liegen = lobenswert
    • Bewegen Sie sich viel: Radfahren, Spazierengehen, Schwimmen.
    • Ziehen Sie die Treppe dem Aufzug vor.
    • Lassen Sie am Tage öfter mal die Füße kreisen, treten Sie auf der Stelle und stellen Sie sich auf die Zehenspitzen.
  • Unterstützen Sie den venösen Abfluss in Richtung Herz
    • Erhöhen Sie das Fußende Ihres Betts um 8-10 cm.
    • Trockenbürsten: Massieren Sie Ihre Beine mit einer Bürste, einem Handschuh aus Hanf- oder Kokosseil, einem Stück Luffa (getrocknete Seegurke) oder einem sehr rauen Handtuch 5-8 Minuten lang. Achtung: Immer zum Herzen hin bürsten!
    • Tragen Sie Kompressionsstrümpfe – aber nur sehr gut sitzende. Am besten in der Apotheke oder im Sanitätshaus anpassen lassen. Einschnürungen sollten Sie unbedingt vermeiden.
  • Sorgen Sie dafür, dass kein Stau entsteht
    • Vermeiden Sie das Übereinanderschlagen Ihrer Beine beim Sitzen.
    • Achten Sie auf Ihre Kleidung: Vermeiden Sie einschnürende Wäsche, Gürtel, Hosen, Socken oder Strümpfe. 
    • Ihre Absätze sollten nicht höher als 5 cm sein.
       
  • Nutzen Sie die heilsame Kraft von Wasseranwendungen
    • Wasser- und Tautreten, aber nur mit warmen Füßen 
    • Kalte Beindusche: Brausen Sie immer von unten nach oben und von innen nach außen, nicht länger als 10 Sekunden pro Bein.
    • Kühlen Sie bei intensivem Hitzegefühl mit kühlem Wasser
  • Kräftigen Sie die Muskulatur von Po, Ober- und Unterschenkeln
    • Wippe im Ausfallschritt: Ausfallschritt schräg nach vorn machen, 15 x auf- und abwärts wippen, mit anderem Bein wiederholen
    • Waden-Venen-Pumpe: Rückenlage, Beine nach oben strecken, Zehen anziehen und austrecken, mindestens 15-mal wiederholen, eventuell mit Gummiband Wirkung verstärken
    • Machen Sie unsere Übungen „Venengesundheit: Immer in Bewegung bleiben!“ wann immer es geht: gleich morgens im Bett, bei der Arbeit, auf Reisen und abends auf dem Sofa.
       

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Bärbel Tschech

Mein Traum war es schon als Schulkind, mal Biologie zu studieren, um später „irgendwas mit Natur“ machen zu können. Dieser Traum wurde Wirklichkeit: Ich studierte Biologie in Greifswald und Ulm und habe danach in der Naturheilkunde mein berufliches Zuhause gefunden. Seit 2001 bin ich Teil des medizinisch-wissenschaftlichen Teams von Pascoe Naturmedizin. Als Fachreferentin bin ich v.a. für die wissenschaftliche Produktinformation verantwortlich, wobei die Themen Homöopathie und Lymphe meine Schwerpunkte sind.

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