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Nieren, Harnwege, Blase: das Ausscheidungssystem

Die Nieren bilden zusammen mit den ableitenden Harnwegen das Harn-Ausscheidungssystem. 

Zu den ableitenden Harnwegen gehören:

  • Nierenbecken (Pelvis renalis) – liegt im inneren Hohlraum der Niere
  • Harnleiter (Ureter) – leiten den Urin aus der Niere in die Harnblase
  • Harnblase (Vesica urinaria) – dient der Speicherung des Harns
  • Harnröhre (Urethra) – dient der Harnausscheidung

Während die Nieren durch Filtration den Urin bilden und der Regulation des Wasser-, Säure-Basen- und Elektrolyt-Haushaltes dienen, sind die ableitenden Harnwege dafür verantwortlich, den von den Nieren gebildeten Harn und mit ihm viele Stoffwechsel-Endprodukte abzutransportieren, zwischenzuspeichern und auszuscheiden.

Wegen der engen Nachbarschaft zwischen Geschlechts- und Harnwegssystem spricht man vom Uro-Genitaltrakt. Beschwerden in diesem Bereich beeinflussen sich oft gegenseitig. Sie sind deshalb ein Fall für den Urologen oder bei Frauen auch für den Gynäkologen, also den Frauenarzt.

Harnwegsinfekt oder Zystitis?

Als Harnwegsinfektion bezeichnet man Entzündungen, die durch Erreger (meist Bakterien) ausgelöst werden und Teile der ableitenden Harnwege betreffen. Da solche Infektionen meist über die unteren Harnwege, also die Harnröhre in Richtung Harnblase, dann Harnleiter und zuletzt Nierenbecken aufsteigen, sind Blasenentzündungen die häufigsten Infekte der Harnwege. Die Infektion kann aber auch noch weiter aufsteigen und die Harnleiter erreichen oder gar eine Nierenbeckenentzündung auslösen. Das ist zum Glück selten, weil dadurch die Niere gefährdet wäre. Unter Blasenentzündungen leiden hingegen viele Menschen – Fachleute sprechen von Zystitis oder Cystitis, denn griechisch kystis bedeutet Blase.

Wie entstehen Blasenentzündungen?

Frauen sind rund 30-mal öfter betroffen als Männer. Ursache dafür ist in erster Linie die kürzere Harnröhre der Frauen. Dadurch können Erreger leichter „aufsteigen“, denn Auslöser für Harnwegsinfekte sind meist Bakterien oder Pilze aus dem Darm. Diese gelangen wegen der anatomischen Nähe leicht vom After in den Uro-Genitaltrakt und über die Harnröhre und die Blase auch bis zu den Harnleitern. Womöglich können sie sogar bis ins Nierenbecken aufsteigen und dort eine Nierenbeckenentzündung auslösen.


Häufigste Ursache für das Verschleppen der Erreger ist eine fehlerhafte Hygiene oder der Geschlechtsverkehr. Sexuell aktive Frauen weisen häufiger Blasenentzündungen auf. Deshalb wird eine akute Blasenentzündung nach Geschlechtsverkehr auch Honeymoon-Zystitis genannt.

Anfällig für Harnwegsinfektionen und Blasenentzündungen sind auch ältere Männer. Aufgrund der häufig auftretenden Prostata-Vergrößerung (Prostatahyperplasie) kommt es zu Problemen beim Wasserlassen und Abflussbehinderungen des Urins. Der Rest-Urin ist ein idealer Nährboden für Keime.

Beschwerden bei Harnwegsinfekten

Typische Symptome von Harnwegsinfektionen sind:

  • ständiger Harndrang
  • Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen
  • eventuell krampfartige Schmerzen im Unterbauch
  • Blut im Urin, trüber Urin
  • In seltenen Fällen und bei starker Entzündung auch: Frösteln mit hohem Fieber, starken Schmerzen und Erbrechen

Nicht immer treten jedoch bei einer Infektion der Harnwege überhaupt Symptome auf. Es gibt Fälle, da sind Bakterien in den Harnwegen nachweisbar, aber sie machen keine Beschwerden. Dann spricht der Arzt von einer asymptomatischen Bakteriurie.

Wann muss ich mit einer Harnwegsinfektion zum Arzt?

Eine ärztliche Abklärung ist immer notwendig, wenn Blut im Urin ist, der Urin trüb ist, Fieber auftritt oder die Beschwerden sehr stark oder häufig wiederkehrend sind. Eventuell muss eine antibiotische Therapie eingeleitet werden. Das Hauptziel der Therapie mit Antibiotika ist zu verhindern, dass die Infektion weiter in Richtung Nierenbecken aufsteigt.

Was kann man vorbeugend tun?

  • Bei immer wiederkehrenden und chronischen Blasenentzündungen: Lassen Sie vom Arzt oder Heilpraktiker die Darmflora untersuchen. Zwischen der Vaginal- und der Darmflora besteht ein enger Zusammenhang und eine gesunde Darm- und Vaginalflora ist ein guter Schutz vor Infektionen.
  • Wenn Sie zu Harnwegsinfektionen neigen: Trinken Sie immer viel, sodass sich erst gar keine Erreger in den Harnwegen ansiedeln können.
  • Zum Schutz der Vaginalflora sollten Sie auf Unterwäsche aus Kunstfasern, Tampons und das ständige Nutzen von Slipeinlagen verzichten.
  • Beschwerden im Bereich der Harnwege können auch eine psychische Komponente haben. Das spiegelt sich z. B. in der Redewendung „Es geht mir an die Nieren“ wieder oder in der Bezeichnung „größte Träne des Körpers“ für die Blase. Gerade ständig wiederkehrende Harnwegsinfekte sind oft mit psychischer Belastung verbunden: Erlernen und praktizieren Sie Entspannungstechniken!
  • Achten Sie auf Körperhygiene:
    - Waschrichtung im Intimbereich: von vorne nach hinten!
    - Vermeiden Sie Parfümzusätze in Körperpflegemitteln im Intimbereich
    - Nutzen Sie atmungsaktive Unterwäsche aus Baumwolle
    - Bemühen Sie sich, innerhalb von 15 Minuten nach dem Sex Wasser zu lassen

Tipps und Hausmittel bei Harnwegsinfekten und Blasenentzündungen

  • Trinken Sie viel! - trotz der Schmerzen, insbesondere Wasser und Tee. Besonders gut eignet sich Blasentee.
    Mit der Flüssigkeit können auch Erreger ausgespült werden.

  • Sorgen Sie für viel Wärme:
    - Sitzbäder mit Zusatz von Ackerschachtelhalm.
    - heißen Heublumensack oder heißes Kirschkernkissen auf den Bauch.
    - Lendenbereich immer witterungsgerecht kleiden – lieber zu warm statt zu kühl.

  • Sorgen Sie für warme Füße und eine gute Durchblutung: ansteigende Fußbäder, Wechselfußbäder, Sauna, Wassertreten.
  • Meiden Sie viel Zucker, Salz und scharfe Gewürze.

Hilfe aus der Natur

Naturheilkundliche Maßnahmen haben sich als Begleit-Therapie gut bewährt. Auch dann, wenn Sie unter ständig wiederkehrenden Harnwegs-Infekten oder der so genannten Reizblase leiden.

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