Von Bärbel Tschech, 28.04.2021

Blasenentzündung? Harnwegsinfekt? - natürlich gegen den Schmerz

Kurz erklärt!

Beschwerden beim Wasserlassen können ein deutlicher Hinweis auf eine Infektion der Harnwege oder eine Zystitis sein. Da daraus eine Nierenbeckenentzündung entstehen kann, wird häufig eine antibiotische Behandlung empfohlen. Begleitend und v.a. bei leichteren und immer wiederkehrenden Beschwerden sind Hausmittel wichtig und oft sehr wirksam.

Nieren, Harnwege, Blase: das Ausscheidungssystem

Die Nieren haben in unserem Körper die Funktion von Klärwerken: Sie filtern u.a. giftige Abbauprodukte des Zellstoffwechsels aus dem Blut und bereiten damit deren Ausscheidung mit dem Urin vor. 

Die ca. 5 Liter Blut unseres Körpers werden dafür Tag für Tag etwa 300-mal durch die Nieren gefiltert. Pro Minute sind das ungefähr 1,2 Liter. Dabei entstehen ca. 180 Liter Primärharn. Nach weiteren Filtervorgängen werden daraus ca. 1,5 Liter, die als Urin über die ableitenden Harnwege ausgeschieden werden. Damit haben die Nieren neben der Ausscheidungsfunktion auch wichtige Funktionen für den Wasser-, Säure-Basen- und Elektrolyt-Haushalt.

Die ableitenden Harnwege sind dafür verantwortlich, den von den Nieren gebildeten Harn und mit ihm viele Stoffwechsel-Endprodukte abzutransportieren, zwischenzuspeichern und auszuscheiden. Zusammen mit den ableitenden Harnwegen bilden die Nieren das Harn-Ausscheidungssystem.

Zu den ableitenden Harnwegen gehören:

  • Nierenbecken (Pelvis renalis) – es liegt im inneren Hohlraum der Niere
  • Harnleiter (Ureter) – sie leiten den Urin aus der Niere in die Harnblase
  • Harnblase (Vesica urinaria) – sie dient der Speicherung des Harns
  • Harnröhre (Urethra) – sie dient der Harnausscheidung

Was bedeutet der Begriff Uro-Genitaltrakt?

Der Wortbestandteil „Uro“ geht auf den griechischen Begriff „ouron“ für Harn zurück. Wegen der engen Nachbarschaft zwischen Geschlechts- und Harnwegssystem spricht man vom Uro-Genitaltrakt. Beschwerden und Entzündungen in diesem Bereich beeinflussen sich oft gegenseitig. Sie sind deshalb ein Fall für den Urologen oder bei Frauen auch für einen Besuch in der gynäkologischen Praxis, also beim Frauenarzt bzw. der Frauenärztin.

Harnwegsinfekt oder Zystitis?

Als Harnwegsinfektion bezeichnet man Entzündungen, die durch Erreger (meist Bakterien, wie Escherichia coli) ausgelöst werden und Teile der ableitenden Harnwege betreffen.

In den meisten Fällen entstehen Harnwegsinfektionen durch eine so genannte aufsteigende Infektion, die durch Bakterien verursacht wird. Das bedeutet, dass zunächst die unteren Harnwege von dieser Entzündung betroffen sind, also die Harnröhre. Die Infektion kann dann nach oben, in Richtung Harnblase, dann Harnleiter und zuletzt bis ins Nierenbecken aufsteigen. Deshalb sind Blasenentzündungen die häufigsten Infekte der Harnwege. Wenn die Infektion jedoch weiter aufsteigt und die Harnleiter erreicht hat, kann sie sogar eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) auslösen.

Das ist zum Glück selten, weil dadurch die Nieren gefährdet wären. Wenn aus dem Infekt eine Pyelonephritis zu werden droht, muss ein Arzt bzw. eine Ärztin aufgesucht werden. In den meisten Fällen wird ein Antibiotikum verschrieben, um die Nieren zu schützen.

Unter unkomplizierten Blasenentzündungen leiden hingegen viele Menschen. Fachleute sprechen von Zystitis oder Cystitis, denn griechisch kystis bedeutet Blase. Manche Menschen – insbesondere Frauen – neigen sogar sehr zu immer wiederkehrenden, teilweise sehr schmerzhaften Harnwegsinfekten.

Wie entstehen Blasenentzündungen?

Frauen sind rund 30-mal öfter betroffen als Männer. Ursache dafür ist in erster Linie die kürzere Harnröhre der Frauen. Dadurch können Bakterien leichter „aufsteigen“, denn Auslöser für Harnwegsinfekte sind meist Bakterien wie Escherichia coli oder Pilze aus dem Darm. Diese gelangen wegen der anatomischen Nähe leicht vom After in den Uro-Genitaltrakt und über die Harnröhre und die Blase auch bis zu den Harnleitern. Womöglich können die Bakterien sogar bis ins Nierenbecken aufsteigen und dort eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) auslösen.

Häufigste Ursache für das Verschleppen der Erreger ist eine fehlerhafte Hygiene oder der Geschlechtsverkehr. Aber es gibt auch andere Ursachen für Entzündungen der Harnwege. Dazu gehören u.a. angeborene Harnblasen-Funktionsstörungen, chronische Entzündungen im Magen-Darm-Trakt, Schmerzmittel-Missbrauch und eine Prostata-Vergrößerung. Auch eine Schwangerschaft kann das Auftreten von Blasenentzündungen begünstigen.

Was bedeutet Honeymoon-Zystitis?

Sexuell aktive Frauen weisen häufiger Blasenentzündungen auf. Das liegt daran, dass Bakterien, die sich im feuchten (Scheiden-)Milieu wohl fühlen, im Zuge des Geschlechtsverkehrs noch leichter durch die Harnröhre aufsteigen können. Deshalb wird eine akute Blasenentzündung, die nach dem Geschlechtsverkehr auftritt, auch Honeymoon-Zystitis genannt.

Warum sind auch ältere Männer von Harnwegsinfektionen betroffen?

Anfällig für Harnwegsinfektionen und Blasenentzündungen sind nicht nur Frauen, sondern auch ältere Männer. Aufgrund der häufig auftretenden Prostata-Vergrößerung (Prostatahyperplasie) kommt es zu Problemen beim Wasserlassen und Abflussbehinderungen des Urins. Der Rest-Urin, der dadurch oft länger in der Blase bzw. Harnröhre verweilt, ist ein idealer Nährboden für Bakterien.

Beschwerden bei Harnwegsinfekten

Woher weiß man, dass man eine Blasenentzündung hat?

Typische Symptome von Harnwegsinfektionen sind:

  • häufiger Harndrang
  • brennende Schmerzen beim Wasserlassen
  • eventuell krampfartige Schmerzen im Unterbauch
  • Blut im Urin, trüber Urin
  • In seltenen Fällen und bei starker Entzündung auch: Frösteln mit hohem Fieber, starke Schmerzen, Erbrechen

Wenn Fieber und starke Schmerzen – insbesondere in der Nierengegend – auftreten, wird der Arzt bzw. die Ärztin meistens die Behandlung mit einem Antibiotikum verordnen. Insbesondere die Frauen, die häufig unter Harnwegsinfektionen bzw. unkomplizierten Blasenentzündungen leiden und die Symptome gut kennen, können natürlich auch erstmal mit Hausmitteln, pflanzlichen Präparaten und viel trinken versuchen, die Symptome zu lindern.

Nicht immer treten jedoch bei einer Infektion der Harnwege überhaupt Symptome auf. Es gibt Fälle, da sind Bakterien in den Harnwegen nachweisbar, aber sie machen keine Beschwerden. Dann sprechen Fachleute von einer asymptomatischen Bakteriurie.

Wie lange braucht eine Blasenentzündung zum Ausheilen?

Das hängt von vielen Faktoren ab: Art des Erregers, Schwere der Infektion, Alter, Stärke des Immunsystems und dem Einsatz von Arzneimitteln. Wird mit einem Antibiotikum behandelt, sollten die Symptome nach 1-3 Tagen abgeklungen sein. Unbehandelt muss man mit etwa 7 Tagen rechnen, wobei meistens die ersten 3 Tage besonders unangenehm sind.

Wann muss ich mit einer Harnwegsinfektion zum Arzt?

Eine ärztliche Abklärung und Therapie ist immer notwendig, wenn folgende Symptome auftreten:

  • Blut im Urin, trüber Urin
  • Fieber
  • sehr starke Beschwerden, sehr starke Schmerzen

Eventuell muss eine antibiotische Therapie eingeleitet werden. Das Hauptziel der Therapie mit einem Antibiotikum ist es, zu verhindern, dass die Infektion durch die Bakterien weiter in Richtung Nierenbecken aufsteigt.

Wie kann man bei Blasenentzündungen vorbeugen?

Wie so oft, gilt auch bei Harnwegsinfektionen: Vorbeugen ist besser als Heilen. Das betrifft vor allem chronische und immer wiederkehrende Harnwegsinfektionen. Hier die wichtigsten Tipps und Hausmittel zur Vorbeugung:

  • Bei Frauen mit immer wiederkehrenden und chronischen Blasenentzündungen: Lassen Sie in Ihrer Arzt- oder Heilpraktiker-Praxis die Darmflora untersuchen. Zwischen der Vaginal- und der Darmflora besteht ein enger Zusammenhang und eine gesunde Darm- und Vaginalflora ist ein guter Schutz vor Infektionen.
  • Wenn Sie zu Harnwegsinfektionen neigen: Trinken Sie immer viel, sodass sich erst gar keine Bakterien in den Harnwegen ansiedeln können.
  • Zum Schutz der Vaginalflora sollten Sie auf Unterwäsche aus Kunstfasern, Tampons und das ständige Nutzen von Slipeinlagen verzichten.
  • Beschwerden im Bereich der Harnwege können auch eine psychische Komponente haben. Das spiegelt sich z. B. in der Redewendung „Es geht mir an die Nieren“ wider oder in der Bezeichnung „größte Träne des Körpers“ für die Blase. Gerade ständig wiederkehrende Harnwegsinfekte sind oft mit psychischer Belastung und Stress verbunden: Erlernen und praktizieren Sie Entspannungstechniken!
  • Achten Sie auf Körperhygiene:
    • Waschrichtung im Intimbereich: von vorne nach hinten
    • Vermeiden Sie Parfümzusätze in Körperpflegemitteln im Intimbereich
    • Nutzen Sie atmungsaktive Unterwäsche aus Baumwolle
    • Bemühen Sie sich, innerhalb von 15 Minuten nach dem Sex Wasser zu lassen
Viel trinken bei Blasenentzündung

Tipps und Hausmittel bei Harnwegsinfekten und Blasenentzündungen

Sorgen Sie für viel Flüssigkeit!

Trinken Sie viel! - trotz des Harndrangs und der Schmerzen! Trinken Sie insbesondere Wasser und Tee. Zu den besten Hausmitteln gehören harntreibende Blasentees.
Mit der Flüssigkeit können auch Erreger ausgespült werden.

Schnelle Hilfe bringt Wärme:

  • Machen Sie oft warme Sitzbäder – in möglichst heißem Wasser, eventuell mit Zusatz von Ackerschachtelhalm.
  • Legen Sie sich einen heißen Heublumensack oder ein heißes Kirschkernkissen auf den Bauch.
  • Kleiden Sie den Lendenbereich immer witterungsgerecht – lieber zu warm statt zu kühl.
     
  • Meiden Sie kalte Füße und sorgen Sie für eine gute Durchblutung: ansteigende Fußbäder, Wechselfußbäder, Sauna, Wassertreten.
  • Meiden Sie in der Zeit, wo Probleme mit dem Wasserlassen bestehen, viel Zucker, Salz und scharfe Gewürze.
     

Sorgen Sie für starke Abwehrkräfte!

  • Das Immunsystem braucht viele Vitamine (insbesondere Vitamin C!) und Spurenelemente, also eine vollwertige Ernährung.
  • Besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Heilpraktiker auch eine mögliche naturheilkundliche Behandlung!

Hilfe aus der Natur

Naturheilkundliche Behandlungen und Hausmittel haben sich als Begleit-Therapie gut bewährt. Auch dann, wenn Sie unter ständig wiederkehrenden Blasenentzündungen oder der so genannten Reizblase leiden.

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Bärbel Tschech

Mein Traum war es schon als Schulkind, mal Biologie zu studieren, um später „irgendwas mit Natur“ machen zu können. Dieser Traum wurde Wirklichkeit: Ich studierte Biologie in Greifswald und Ulm und habe danach in der Naturheilkunde mein berufliches Zuhause gefunden. Seit 2001 bin ich Teil des medizinisch-wissenschaftlichen Teams von Pascoe Naturmedizin. Als Fachreferentin bin ich v.a. für die wissenschaftliche Produktinformation verantwortlich, wobei die Themen Homöopathie und Lymphe meine Schwerpunkte sind.

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