Rheuma und Ernährung

Von Helga Wiesmann
erstellt

Kurz erklärt!

Unter den Begriff „Rheuma“ versammeln sich verschiedene Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, die chronisch verlaufen und zum Teil sehr unterschiedlich sind. Gemeinsam sind schubweise Schmerzen und Funktionsstörungen des Bewegungsapparates. Bei allen lohnt es sich, einen Blick auf die Ernährung zu werfen.

Kann man mit der Ernährung Rheuma beeinflussen?

Kurz gesagt: ja.
Die medikamentöse Behandlung von Rheuma erfolgt je nach Art und Schwere der Krankheit zum Beispiel mit entzündungshemmenden Arzneimitteln, die Sulfasalazin oder Cortison enthalten. Teilweise auch mit Medikamenten aus den Gruppen der Immunsuppressiva und Zytostatika. 
Aber auch ein gesunder Lebenswandel und sorgfältig ausgewählte Nahrung können sich positiv auf Schmerzen, Müdigkeit und Erschöpfung auswirken. Es ist dabei nicht nötig, eine strikte Diät zu halten oder einem bestimmten Ernährungsansatz zu folgen. 
Eine klar definierte Rheuma Ernährung gibt es nicht. Oft berichten aber Vegetarier und auch vegan lebende Menschen, dass es ihren Gelenken deutlich besser geht, seit sie ihre Ernährung umgestellt haben. 
Dreh- und Angelpunkt ist die in Fleisch enthaltene und pro-entzündlich wirkende Arachidonsäure. Auf Fleisch muss man zwar nicht komplett verzichten, man sollte den Verzehr jedoch deutlich reduzieren.  Vorwiegend braucht der Körper ausreichend Obst und Gemüse.
Orientierung für die Wahl der Lebensmittel bieten zwei Stichworte, die im Grunde das gleiche meinen: 

Krankheiten des rheumatischen Formenkreises sind in der Regel mit chronischer Entzündung verbunden, die starke Schmerzen verursacht. Die westliche Ernährungsform mit viel Fleisch und Wurst, Milchprodukten, Fast-Food und immer mehr veränderten Lebensmitteln, kann rheumatische Beschwerden im Körper verstärken.   
In diesem Sinne: Auf die Ernährung Augenmerk zu legen, ist in der Regel ein großer Beitrag zu mehr Beschwerdefreiheit und Gesundheit. Bei einer antientzündlichen Ernährung vermeidet man all die Lebensmittel, die Entzündungen auslösen können (z. B. Zucker, Weißmehle, gesättigte Fettsäuren) und nimmt bevorzugt pflanzliche, also basische Lebensmittel, die reich an Antioxidantien sind, sowie ungesättigte Fettsäuren zu sich.

Was sollte man bei Rheuma nicht essen?

Auf den ersten Blick sind Erkrankungen wie Arthrose, Gicht und Rheumatoide Arthritis sehr unterschiedlich. Doch bei diesen und allen anderen entzündlich rheumatischen Erkrankungen gibt es einen gemeinsamen Nenner, was die Ernährung betrifft:
die Arachidonsäure. Das ist eine Omega-6-Fettsäure, die in tierischer Nahrung enthalten ist: in Fleisch und Wurst, Eiern, Milch und Käse. Aus ihr werden Botenstoffe gebildet, die Entzündungen anregen. Die Menge an tierischen Lebensmitteln und damit verbunden die Aufnahme von Omega-6-Fettsäuren sollte sehr eingeschränkt werden:

Um die Krankheit nicht weiter anzutreiben, sollte pro Tag nicht mehr als 50 mg Arachidonsäure aufgenommen werden. Was das bedeutet, wird bei diesen Gehalten klarer:

Faustformel: Je weniger entzündungsfördernde Arachidonsäure, desto weniger Entzündung.

Rheuma und Kaffee – geht das?

Laut einer Studie über den Zusammenhang von Kaffee und rheumatischen Erkrankungen, die über 15 Jahre an 18.981 Personen durchgeführt wurde, ergibt sich ein doppelt so hohes Risiko für die Entwicklung Rheumatoider Arthritis für diejenigen Studienteilnehmer, die vier Tassen Kaffee oder mehr pro Tag tranken.
Insgesamt war das Ergebnis dieser Studie in Bezug auf Koffein nicht eindeutig. 
Starker Konsum von Kaffee, Rauchen, Übergewicht und zu hohe Cholesterinwerte stehen aber im Verdacht, Risikofaktoren für die Entstehung Rheumatoider Arthritis zu sein.
Die Dosis scheint auch beim Koffein das Gift zu machen. Wer mit einer Tasse Kaffee am Tag glücklich und zufrieden ist und ansonsten anti-entzündlich lebt, wird das wahrscheinlich auch vertragen.

Welche Lebensmittel sind anzuraten?

Betroffene mit einer rheumatischen Erkrankung wie Rheumatoider Arthritis, Gicht oder Arthrose profitieren von einer vollwertigen Ernährung, die auf Fertignahrung verzichtet. Gemüse, Salate, Obst, Nüsse, Saaten in Kombination mit Kartoffeln, Vollkornreis oder -nudeln sind die Lebensmittel der Wahl. 

In der Woche darf es gerne zweimal fetten Fisch wie Lachs oder Makrele geben. Die im Fisch enthaltenen Omega-3-Fettsäuren sind hervorragende Entzündungshemmer. Es ist die Eicosapentaensäure (EPA), die auch aus Alpha-Linolensäure gebildet wird. Sie wiederum ist in Raps- und Olivenöl zu finden, aber auch Leinöl, Weizenkeim- und Walnussöl haben einen hohen Anteil an EPA und ungesättigten Fettsäuren. Mit Olivenöl und Rapsöl kann gebraten werden, die anderen pflanzlichen Öle eignen sich hervorragend zur Zubereitung von Salatdressings oder auch als kleine Zugabe über das Gemüse. Was die entzündungshemmenden Eigenschaften angeht, sind die Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl wirksamer, weil sie langkettiger und etwas anders zusammengesetzt sind. 

Auch sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe unterstützen eine gesunde Ernährung für Menschen mit Rheuma. Zum Beispiel Heidelbeeren, Erdbeeren, Granatapfel, Brombeeren und Himbeeren sind dafür gute Quellen. Aber auch Knoblauch und Zwiebeln, Curcuma  , Kümmel, Chili und Ingwer als Gewürze wirken gegen die Entzündung an. Natürlich verhindern Antioxidantien allein nicht das Entstehen einer Rheumatoiden Arthritis, aber von der entzündungshemmenden Wirkung können Patientinnen und Patienten sehr wohl profitieren. 

Welche Getränke sind förderlich?

Kräutertees können in jeder Form in Hülle und Fülle genossen werden. Vor allem Löwenzahntee unterstützt die Entgiftung der geschwollenen Gelenke. Kräutertees (nicht Früchtetees!) gehören zu den basischen Lebensmitteln und sind in jeder Geschmacksrichtung zu haben. 
Ein besonders empfehlenswertes Getränk für Rheumatiker ist grüner Tee. Im Labor konnte festgestellt werden, dass der im grünen Tee enthaltene Gerbstoff entzündungshemmend wirkt. In der Praxis berichten viele Betroffene, dass sich der regelmäßige Genuss von grünem Tee positiv auswirkt.
Viel trinken ist generell angesagt. Es sollten gut zwei Liter Flüssigkeit pro Tag sein. Am besten geeignet sind basische Mineralwasser ohne Kohlensäure. 

Antioxidantien, Vitamine und Mineralstoffe

Antioxidantien gehören zu den entzündungshemmenden Substanzen. Besonders wichtig sind hier Vitamin E, Vitamin C, Beta-Carotin und Selen. Vitamin C ist ein Schlüsselvitamin, denn es trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen. Zudem trägt es zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei und unterstützt eine normale Funktion des Immunsystems. 

Mineralien unterstützen die Regulierung des Säure-Basen-Haushaltes  . Wer auf eine pflanzenbasierte Ernährung setzt, ist zwar mit Mineralien in der Regel nicht schlecht aufgestellt, doch brauchen Betroffene oft ein gesundes Plus für einen ausgewogenen Säure-Basen-Haushalt. 

Bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen kann davon ausgegangen werden, dass ein erhöhter Bedarf an Antioxidantien, vor allem Vitamin C und A gegeben ist. Es sollten Omega-3-Fettsäuren zugeführt werden. Alle Nahrungsmittel, die reich an Arachidonsäure sind, sollten möglichst selten auf dem Speiseplan stehen.

Antientzündlich leben

Es ist eine gute Nachricht, dass bei Rheuma durch eine gesunde Ernährung und eine gezielte Auswahl der Lebensmittel mit Omega-3-Fettsäuren, sowie reichlich Obst und Gemüse, viel für den Körper getan werden kann. 
Doch die beste Ernährung nützt wenig, wenn am Mittagstisch Streit ist. 
Es gilt für viele Betroffene von Rheuma auch, eine Lebenshaltung zu entwickeln, die in einem geistig-seelischen Sinn anti-entzündlich ist. Stress, Mobbing, Leistungsdruck und nicht zuletzt ein zu hoher Anspruch an sich selbst wirken sich auch körperlich aus. Freundlichkeit, Humor und Großzügigkeit entspannen sowohl die Seele als auch den Körper. Bewegung, Natur und der Genuss von Stille bauen Stress ab. Das sollte im Leben von Rheumapatienten auf jeden Fall Platz haben. 
Betroffene mit rheumatischen Erkrankungen merken es auf allen Ebenen, wenn sie durch Ernährung, Stressbewältigung und einer guten Lebensbalance selbstwirksam etwas zur Linderung der Entzündung und der damit verbundenen Schmerzen beitragen. Manchmal kann dies sogar die medizinische Behandlung beeinflussen und die Medikamenteneinnahme reduzieren.

Heilpraktikerin und Texterin.  In meiner Praxis in Saarbrücken arbeite ich in den Schwerpunkten Darmgesundheit und komplementäre Onkologie. Ich habe viel Freude daran, mich mit komplexen Gesundheitsthemen auseinander zu setzen und lege Wert darauf, diese gut lesbar zu verfassen. Schon immer haben mich Gesundheit und die Pflanzen am meisten fasziniert: Der menschliche Körper mit seinen Wundern und dem Streben nach Gleichgewicht, sowie die Gewächse am Wegesrand: ihre Signaturen, Inhaltsstoffe und Wirkweisen. Als Naturheilkundlerin und Texterin zu arbeiten, und dies in der Arbeit für Pascoe zusammenzufügen, macht großen Spaß. Und das spüren hoffentlich auch Sie. Mehr erfahren

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