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Naturmedizinischer Wirkstoff Zichorie

Cichorium intybus

Familie: Korbblütengewächse (Asteraceae)

Wie ihr Name schon verrät, ist die Wegwarte eine charakteristische Pflanze der Straßen- und Wegränder. Sie wird zwischen 20 Zentimetern und einem Meter hoch, ist verzweigt, aber ziemlich kahl. Auffällig sind die ca. 3 cm großen, wundervoll blauen, strahlenförmigen Blüten. Diese schließen sich jedoch um die Mittagszeit schon wieder. Deshalb fallen sie nur dem Wanderer oder Autofahrer auf, der vormittags unterwegs ist. Den alten Römern war die Wegwarte als Heil- und Salatpflanze ebenso bekannt wie der Heiligen Hildegard von Bingen.

Wegwarte als Nutzpflanze

Die Wegwarte, auch als Zichorie bekannt, ist der eigentliche Ursprung, sozusagen die Mutter, einiger unserer gesündesten Salate. Zwei Zuchtformen der Wegwarte kennt heute jeder: Radicchio und Chicorée. Ganz nahe verwandt ist auch die Endivie (Cichorium endivia). Gemeinsam ist diesen Salatpflanzen ihre Bitterkeit.

Schon seit Urzeiten wurde die Zichorie als Salatpflanze genutzt. Aus ihr entstand durch Züchtung zunächst die Wurzelzichorie. Denn nicht nur die Blätter, sondern auch die rübenartigen Wurzeln waren interessant für unsere Vorfahren: Geröstet verliehen sie dem teuren Bohnenkaffee mehr dunkle Farbe und Kräftigkeit (Bitterkeit). Ab Mitte des 18. Jahrhundert dienten sie sogar als eigenes Kaffee-Getränk. Als Land- oder Zichorien-Kaffee ist er auch immer noch beliebt. Gelagert wurden die Wurzeln dafür in dunklen Kellern.

Waren es die unsachgemäße Lagerung der Wurzelzichorien, Zufall oder Absicht? Jedenfalls entdeckte man Mitte des 19 Jahrhunderts, dass auch die dunkel gelagerten Wurzeln wieder austrieben und diese weißen Blättchen durchaus schmackhaft waren. So wurde bei der Züchtung und Verwendung nach und nach mehr Augenmerk auf die Blätter gelegt und aus der Wurzelzichorie entstand der Wintersalat Chicorée. Er besteht fast nur aus den weißen Blattrippen und wird im Dunkeln gezogen. Deshalb fehlt diesem, auch als Gemüse genutzten „Salat“ das Grün. Inzwischen dient er bei uns als wertvolles Nahrungsmittel – besonders in den Wintermonaten. Doch, was macht man heute mit den vielen Wurzeln vom Chicorée?

Inulin: Reservestoff für manche Pflanzen, Ballaststoff für uns

Die Chicorée-Wurzeln dienen der Gewinnung von Inulin. Inulin ist eine langkettige Zuckerverbindung (Polysaccharid), die aus einzelnen Fructose-Einheiten aufgebaut ist. Sie wird in den Wurzeln vieler Pflanzen als Speicherstoff gebildet. Andere Pflanzen, wie die Kartoffel, speichern dagegen Stärke.

Charakteristisch ist, dass Inulin im menschlichen Dünndarm nicht verdaut werden kann. Inulin ist demnach ein Ballaststoff. Da uns das Enzym fehlt, um die einzelnen Fructose-Einheiten aufzuspalten, ist Inulin auch für Fructose-intolerante Menschen und für Diabetiker geeignet.

Erst einige Bakterien im Dickdarm (Bifidobakterien) können Inulin verwerten und nutzen es als Energiequelle. Deshalb wird ein Teil des Inulins am Ende unseres Verdauungstraktes doch noch aufgeschlossen und von unseren hilfreichen Mitbewohnern genutzt. Dabei entstehen Gase, die bei empfindlichen Menschen zu Blähungen führen können. Das ist die Erklärung, warum manche Menschen Schwarzwurzeln oder Topinambur nicht so gut vertragen, denn diese sind auch sehr inulinreich.

In der individuell richtigen Menge ist Inulin jedoch ein für uns und unsere Darmbakterien wichtiger Ballaststoff.

Phytotherapeutische Anwendung von Zichorie

Zichorie (Zichorium intybus) – die Inulin-Wurzel

  • enthält viel Inulin (Ballaststoff)
  • ist Bestandteil vieler Magen-Darm-Teemischungen
  • wird auch als Kaffee-Ersatz verwendet