Von Bärbel Tschech

Naturmedizinischer Wirkstoff Mönchspfeffer, Keuschlamm

Agnus castus (Vitex agnus-castus)

Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)

Bekannt ist dieser übermannshohe Strauch mit seinen meist bläulichen, kerzenförmigen Blütenständen v.a. unter den Namen Mönchspfeffer oder Keuschlamm. Die wissenschaftliche Bezeichnung der Pflanze lautet Vitex agnus castus. Da der große Naturforscher Carl von Linné der Pflanze ihren wissenschaftlichen Namen gab, hängt der vollständigen Bezeichnung noch ein L. an: Vitex agnus-castus L.

Wie sieht der Mönchspfeffer aus und wo kommt er natürlicherweise vor?

Der Mittelmeerraum ist seine natürliche Heimat. Besonders auf den griechischen Inseln und in der Türkei findet man ihn schon in Küstennähe. Allgemein bevorzugt der attraktive und ziemlich hohe Strauch Flussufer und Bachläufe. Er blüht im Hochsommer, wenn die Blütezeit der meisten Pflanzen aufgrund der Trockenheit schon wieder vorbei ist. Die Blütenstände des Mönchspfeffers sind als aufrechte bzw. überhängende violette Blütenrispen ausgebildet. Aus ihnen entwickeln sich die pfefferkorngroßen dunkelbraun-schwarzen Früchte. Sie erinnern stark an Pfefferkörner – sowohl im Aussehen als auch in Geruch und Geschmack. Die Blätter sind gefingert – ähnlich wie Kastanien- oder Cannabis-Blätter.

Den Namen auf der Spur

Wie bei vielen traditionellen Heilpflanzen deuten schon die Namen auf die Verwendung hin:

  • castus stammt vom lateinischen Wort für keusch ab
  • agnos wird vom griechischen a (weg, ohne) und gonos (Nachkommen) abgeleitet und deutet damit ebenso auf die anaphroditische Wirkung hin

Da agnus die lateinische Bezeichnung für das Lamm ist, erklärt sich der deutsche Name Keusch-Lamm.

Der Name Mönchspfeffer kommt wohl daher, dass die Früchte als Pfeffer-Ersatz in Klöstern beliebt waren, um den Mönchen das sexuell-abstinente Klosterleben zu erleichtern. Damit ihre anaphrodisierende Wirkung zum Tragen kommt, müssen sie pur und in größerer Menge genommen werden. Dann wirken sie sowohl beim Mann als auch bei der Frau dämpfend auf eine zu lebhafte Libido.

„Liebfrauenbettstroh“ ist eine veraltete Bezeichnung, die darauf hindeutet, dass junge Mädchen das Kraut von Vitex agnus-castus als Bettstroh verwendeten, um so ihre Jungfräulichkeit zu schützen.

Traditionelle und moderne Heilpflanze mit widersprüchlichen Wirkungen

In der Erfahrungsheilkunde haben sich die Keuschlammfrüchte in besonderem Maße als Anaphrodisiakum bewährt. Sie waren aber auch beliebt als wärmendes, kräftigendes, antientzündliches, fruchtbarkeitsförderndes und regulierendes Mittel für den weiblichen Zyklus. Auch bei Magen-Darm-Beschwerden und als Gewürz kamen sie zum Einsatz. Der Grund dafür waren die ätherischen Öle, die den Früchten einen pfefferartigen Geruch und möglicherweise auch einen verdauungsfördernden Effekt verliehen.

Heute wissen wir, dass bestimmte Inhaltsstoffe in den reifen, getrockneten Früchten der Heilpflanze vor allem das Hormonsystem auf vielfältige, ausgleichend-regulierende Weise beeinflussen. Deshalb verwendet man heute zur Herstellung von pflanzlichen Arzneimitteln mit Mönchspfeffer einen Extrakt aus den Früchten. Wie bei allen pflanzlichen Arzneimitteln sind verschiedene Wirkstoffe aus der Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe an der Gesamtwirkung beteiligt. Keuschlammfrüchte-Trockenextrakt enthält viele Inhaltsstoffe - unter anderem die Monoterpen-Glycoside (Iridoide) Aucubin und Agnusid, lipophile Flavonoide (Casticin, Isovitexin, Orientin), ätherische Öle (Cineol, Pinen), den Bitterstoff Castin und fettes Öl.

Besonders hervorzuheben ist die Wirkung auf den Hormonhaushalt. Der Wirkmechanismus ist jedoch noch nicht vollständig geklärt. Man nimmt an, dass der Mönchspfeffer-Extrakt auf die Hypophyse wirkt. Das ist eine zentrale Schaltstelle für das Hormonsystem in unserem Gehirn. Der Extrakt scheint den Botenstoff Dopamin zu beeinflussen und auf diesem Weg auch das Hormon Prolaktin. Prolaktin wiederum wirkt sich auf weitere Hormone und Botenstoffe aus – sowohl beim Mann als auch bei der Frau.

Ob die Prolaktin-Freisetzung stimuliert oder gehemmt wird – das ist anscheinend eine Frage der Dosierung. Das wiederum erklärt, warum Mönchspfeffer-Extrakte so widersprüchliche Wirkungen bzw. Nebenwirkungen haben können und weshalb es empfehlenswert ist, nur auf sichere Fertigarzneimittel mit Dosierungsempfehlung zurückzugreifen.

In der richtigen Dosierung angewandt, ist der Extrakt aus den Samen des Mönchspfeffers - sehr wertvoll in Zusammenhang mit unerfülltem Kinderwunsch und zur Behandlung von verschiedenen Menstruationsbeschwerden, wie dem prämenstruellen Syndrom (PMS) und Brust-Schmerzen in Zusammenhang mit dem Zyklus. Die Wirkstoffe scheinen eine ausgleichende und harmonisierende Wirkung auf den Hormonhaushalt zu haben.

Im Allgemeinen wird die Behandlung mit Mönchspfeffer-Präparaten sehr gut vertragen. Als Nebenwirkung kann eventuell Juckreiz auftreten.

Aber nicht alle Frauen dürfen Mönchspfeffer einnehmen. Schwangere, Stillende, junge Mädchen und Frauen mit hormonabhängigen Tumoren sollten darauf verzichten. Dass es in der Volksmedizin gerade für stillende Frauen zum Einsatz kam, lässt sich wohl auch mit der richtigen Dosierung begründen, die - je nach Wirkungsziel - notwendig ist bzw. unerwünschte Wirkungen haben kann.

Interessant ist, dass Mönchspfeffer noch eine ganz andere Wirkung zu haben scheint: Zecken und andere Blutsauger (Flöhe) können möglicherweise durch eine äußerliche Anwendung eines Mönchspfeffer-Extraktes vertrieben werden.

Behandlung mit Mönchspfeffer-Arzneimitteln

In Apotheken gibt es heute unterschiedliche Mönchspfeffer-Präparate. Die meisten dieser pflanzlichen Mittel enthalten diese interessante Heilpflanze als Einzelwirkstoff und werden meist als Mönchspfeffer-Kapseln, als Tablette oder in Form von Tropfen angeboten. Das ausgewiesene Anwendungsgebiet sind die innerliche Behandlung bei Beschwerden des prämenstruellen Syndroms, also PMS-Beschwerden und Rhythmusstörungen der Regelblutung. Es gibt aber auch fixe Kombinationen mit anderen Heilpflanzen.

Die Einnahme sollte immer über eine längere Zeit, also über mehrere Zyklen hinweg erfolgen, mindestens 3 Monate. Erst dann kann sich die Wirkung voll entfalten bzw. die individuelle Wirksamkeit beurteilt werden. Besprechen Sie das mit Ihrem Arzt.

Agnus castus in der Homöopathie

Unter der Bezeichnung Agnus castus wird der Mönchspfeffer, dessen vollständigen Namen Vitex agnus-castus kaum jemand kennt, auch in der Homöopathie als Arzneimittel eingesetzt. Je nach Potenz, Konzentration und nach Kombination mit anderen Wirkstoffen kann er sowohl den Mann als auch die Frau in unterschiedlicher Weise unterstützen. Im Vordergrund der Anwendung steht dabei die allgemeine, aber auch speziell die sexuelle Schwäche, also das ungewollte Keusch-Sein. Das homöopathische Arzneimittel Agnus castus kann aber auch bei anderen Symptomen ausgleichend wirken, die auf ein Ungleichgewicht der weiblichen Hormone zurückzuführen sind – beispielsweise bei depressiven Verstimmungen, prämenstruellen Beschwerden (PMS), Spannen in der Brust während der Menstruation und verschiedenen Beschwerden, die im Zusammenhang mit den Wechseljahren der Frau auftreten können.

In der Komplex-Homöopathie kombiniert man Agnus castus häufig mit anderen Einzelmitteln, die ebenfalls kräftigend auf den Organismus und die Durchblutung der Sexualorgane wirken und die Wirkung des Mönchspfeffers ergänzen und verstärken. Auch hier ist die Einnahme über einen längeren Zeitraum sinnvoll, da solche Komplexmittel das Ziel haben, die Eigenregulation des Hormonhaushaltes sanft anzuregen. Eine langfristige Anwendung ist auch unproblematisch, weil für Agnus castus als homöopathisches Mittel keine Nebenwirkungen bekannt sind. Lassen Sie sich trotzdem von Ihrem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker zur richtigen Anwendung beraten.

Homöopathische Anwendung von Mönchspfeffer, Keuschlamm

der Lustvolle unterstützt bei:

  • Schwäche
  • sexueller Unlust, Verstimmtheit
  • Unfruchtbarkeit
  • Schleimhaut-Absonderungen

Der sprechende Wirkstoffkompass

Erfahren Sie mehr zu Mönchspfeffer, Keuschlamm in einem kurzen Clip mit Arzt und Apotheker Dr. Peter Reinhard.

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Bitte beachten Sie: Alles, was die Gesundheit unterstützen kann, kann ihr auch schaden. Häufig ist das eine Frage der Dosis oder der Verträglichkeit mit anderen Arzneimitteln und möglicherweise bestehenden Grunderkrankungen. Dieses Wirkstoff-Porträt nennt nicht alle Eigenschaften, die bei der arzneilichen Anwendung beachtet werden müssen. Lassen Sie sich daher über mögliche Neben- und Wechselwirkungen von Ihrem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker beraten und lesen Sie die Packungsbeilagen von Arzneimitteln.