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Naturmedizinischer Wirkstoff Spanische Fliege

Cantharis

Verwirrende Namen

Zuerst: Die Spanische Fliege ist nicht etwa eine Fliege, sondern ein Käfer. Sie gehört auch nicht zu der Käfergattung Cantharis. Das könnte man vermuten, denn als Cantharis ist dieser Käfer in der Naturheilkunde und Volksmedizin gut bekannt. Nein: Die Spanische Fliege, die als Cantharis bekannt ist, gehört der Käfergattung Lytta an und trägt den lateinischen Namen Lytta vesicatoria. 

Zoologische Merkmale

Die Käfer haben einen schlanken Körper und werden 1 bis 2 cm groß. Auffällig ist die metallisch-grüne Farbe – manchmal auch grünlichblau, kupferig oder goldig. Die Flügeldecken sind lederartig gerunzelt und fettglänzend. Sie mögen Wärme und fliegen besonders gern in Gegenden, wo Eschen, Flieder, Oliven und Liguster wachsen - in Süd- und Mitteleuropa. Sie kommen aber auch im gesamten Mittelmeerraum vor, besonders im Osten. In Österreich sind sie häufig, in Deutschland eher vereinzelt und nur zeitweise zu finden. Sie gehören in die Familie der Ölkäfer (Meloidae) und können bei Massenauftreten durchaus Schaden bei den Fraßpflanzen anrichten. 

Cantharidin – das Besondere an Cantharis

Die Körperflüssigkeit von Insekten wird als Hämolymphe bezeichnet. Sie ist ähnlich wie unsere Lymphe bzw. unser Blutplasma zusammengesetzt, enthält aber auch chemische Verbindungen, die ganz typisch für bestimmte Tierarten sind. Eine davon ist das Cantharidin, ein Monoterpen, welches charakteristisch für verschiedene Ölkäfer-Arten ist. Der Wirkstoff Cantharidin ist der Grund dafür, dass manche Ölkäfer auch als Blasenkäfer bezeichnet werden: Bei Hautkontakt mit diesem Reizgift kommt es zur Blasenbildung. 

Wofür brauchen die Tiere Cantharidin? 

Sie setzen diesen Stoff vor allem als Wehrsekret ein. Bei einer möglichen Bedrohung pressen sie einen Teil ihrer cantharidinhaltigen Hämolymphe an den Beingelenken heraus und versuchen so, den Angreifer abzuwehren. Da es sich um eine stark reizende Flüssigkeit handelt, sind sie damit oft erfolgreich. Aber bei manchen Tieren wirkt Cantharidin auch ganz anders – nämlich als Lockstoff, der die Männchen für paarungsbereite Weibchen attraktiv macht. Dazu gehören die Gnitzen, die selbst kein Cantharidin produzieren, aber cantharidinhaltige Käferarten aussaugen. Besonders ausgeklügelt ist die Strategie der Blumenkäfer. Hier dient das Cantharidin auch als Lockstoff: Die Paarungsbereitschaft der Weibchen hängt von der Menge des Cantharidins in den Vorratsbehältern der Männchen unter den Flügeln ab. Aber die Blumenkäfer-Männchen können es nicht selbst produzieren, deshalb fühlen sie sich von verendeten Ölkäfern angezogen und nutzen deren Vorräte. 

Wie nutzte der Mensch Cantharis bzw. Cantharidin?

Schon im Altertum war die Wirkung von diesem Gift bekannt. Einerseits nutzte man es zur Vollstreckung von Todesurteilen – ähnlich wie den Schierlingsbecher (siehe Conium maculatum, Gefleckter Schierling). Andererseits galt Cantharis seit jeher als Potenzmittel, das eine langanhaltende Erektion herbeiführen soll. Allerdings ist die Potenz an unerwünschten Wirkungen besonders hoch – immerhin liegt die tödliche Dosis bei 0,5 mg pro kg Körpergewicht. Vorher kommt es zu Vergiftungserscheinungen – insbesondere an Niere und Leber. 

Außerdem fand die Spanische Fliege Verwendung, um unliebsame Tätowierungen zu behandeln: Durch die Blasenbildung auf der Haut sollte das Tattoo verschwinden oder nach der Abheilung zumindest nicht mehr so sichtbar sein. Außerdem wurden die zu Pulver zermahlenen Käfer bei Harnwegserkrankungen eingesetzt. 

Die Spanische Fliege in der Naturheilkunde

Da das Mittel giftig ist und bei Einnahme zu Entzündungen, Nierenschäden und sogar zum Tod führen kann, wird es heute nur noch in der Homöopathie verwendet – also in homöopathischer Dosierung. Die Menge, die man auf diese Weise zu sich nimmt, ist so gering, dass sie nur noch eine Reizwirkung auf den Körper ausübt, aber keinerlei giftige Wirkung mehr hat.

In der Naturheilkunde hat sich aber auch die äußerliche Anwendung bewährt – in Form von Salben oder Pflastern. Bei Dellwarzen beispielsweise kommen Cantharis-Salben zum Einsatz. Cantharidenpflaster werden zur Hautreiztherapie angewandt. Dort, wo es auf die Haut aufgelegt wird, reizt es so stark, dass sich Blasen bilden, die mit Gewebeflüssigkeit gefüllt sind. Diese Eigenschaft wird von manchen naturheilkundlich tätigen Ärzten oder Heilpraktikern v.a. bei chronischen Beschwerden  genutzt, aber auch im Zuge von Ausleitungsverfahren.

Homöopathische Anwendung von Spanische Fliege

die Ent-Reizende unterstützt bei:

  • akuten Entzündungen der Harnorgane
  • Blasenreizung mit starkem Brennen
  • schmerzhaftem Harndrang
  • Nierensteinen, Sand und Grieß
  • Hautentzündungen

Bitte beachten Sie: Alles, was die Gesundheit unterstützen kann, kann ihr auch schaden. Häufig ist das eine Frage der Dosis oder der Verträglichkeit mit anderen Arzneimitteln und möglicherweise bestehenden Grunderkrankungen. Dieses Pflanzen-Porträt nennt nicht alle Eigenschaften, die bei der arzneilichen Anwendung beachtet werden müssen. Lassen Sie sich daher über mögliche Neben- und Wechselwirkungen von Ihrem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker beraten und lesen Sie die Packungsbeilagen.

Der sprechende Wirkstoffkompass

Erfahren Sie mehr zur Spanischen Fliege in einem kurzen Clip mit Arzt und Apotheker Dr. Peter Reinhard.