Naturmedizinischer Wirkstoff Kirschlorbeer

Laurocerasus (Prunus laurocerasus)

Wer etwas über den Kirschlorbeer wissen möchte, interessiert sich in aller Regel für den immergrünen Zierstrauch. Mit seinen dunkelgrünen Blättern und wegen seiner Robustheit gehört der Kirschlorbeer zu den verbreitetsten Heckenpflanzen. Man findet den beliebten Zierstrauch inzwischen in fast jedem Garten, der von einer grünen Hecke umgeben ist.

In diesem Artikel erfahren Sie aber nicht nur das Wichtigste über diesen Zierstrauch, sondern auch Interessantes über die Heilpflanze. Diese ist allerdings weniger unter dem Namen Kirschlorbeer bekannt als vielmehr unter dem wissenschaftlichen Namen Prunus laurocerasus bzw. einfach nur Laurocerasus.

Was hat der Kirschlorbeer mit dem Echten Lorbeer zu tun?

Botanisch gesehen nicht viel, denn die beiden Sträucher sind sich zwar auf den ersten Blick ziemlich ähnlich, aber sie sind überhaupt nicht verwandt miteinander. 

Der Echte Lorbeer (Laurus nobilis), den wir auch als Gewürzlorbeer kennen, gehört in die Familie der Lorbeergewächse (Lauraceae). Der Zierstrauch Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) ist dagegen ein Rosengewächs (Familie Rosaceae).  

Der deutsche Name Kirschlorbeer kommt daher, dass die Blätter den Lorbeerblättern so ähnlich, die Früchte aber ähnlich denen der Traubenkirsche sind. Der lateinische Beiname laurocerasus hat wohl die gleiche Bedeutung, denn Laurus ist ja der Lorbeer und cerasus steht für den Kirschbaum.

Blausäure: typisch für Prunus-Arten

Zur gleichen Gattung wie der Kirschlorbeer, also zu den Prunus-Arten gehören so beliebte Obstgehölze wie Aprikose, Kirsche, Mandel und Schlehe. Typisch für die Pflanzengattung Prunus ist das Vorkommen von Blausäure-abspaltenden Verbindungen wie Amygdalin und Prunasin – insbesondere in den Kernen. Der bittere Geschmack deutet darauf hin. Besonders hoch ist die Konzentration dieser giftigen Substanzen in Bittermandeln und Aprikosenkernen. Prunasin kommt aber auch in den Blättern von Prunus laurocerasus vor. Deshalb handelt es sich bei diesem Zierstrauch um eine Giftpflanze.

Kann man Kirschlorbeerblätter nutzen?

Ja, denn wie so oft sind Giftstoffe auch Wirkstoffe. Es kommt immer auf die Dosis und die angestrebte Wirkung an! Wegen der Blausäure-abspaltenden Wirkstoffe nutzte man die Pflanze früher als Heilpflanze. Mehr dazu können Sie im letzten Kapitel dieses Artikels lesen. 

Seit einigen Jahren ist aber ein weiterer spannender Effekt dieser Inhaltsstoffe bekannt geworden: Forscher nutzen die Pflanze zum Aufweichen bzw. Geschmeidig-Machen organischer Materialien. Wenn man trockene und damit sehr spröde Gewebe oder beispielsweise tote Insekten luftdicht verschlossen auf Blättern von Kirschlorbeer lagert, werden sie wieder geschmeidig und lassen sich präparieren.

Wie sieht der Kirschlorbeer aus?

Bei der ursprünglichen Lorbeerkirsche handelt es sich um einen Strauch, der üblicherweise 2 bis 3 Meter hoch ist, aber auch zu einem bis zu 7 Meter hohen Baum wachsen kann. Er trägt immergrüne, relativ große und glänzende Blätter. Sie werden bis zu 15 cm lang, sind elliptisch geformt und den Lorbeerblättern, die wir als Gewürz verwenden, ähnlich. Die Blüten der Pflanze sind weiß und in vielblütigen aufrechten Trauben angeordnet. Die Früchte sind schwarzpurpurn, kaum einen Zentimeter im Durchmesser und hängen in Trauben. Die Blütezeit des Zierstrauches ist von April bis Mai. Die Früchte reifen zwischen August und September.

Die Lorbeerkirsche als Zierstrauch und Heckenpflanze

Seit einigen Jahrzehnten gehört der Kirschlorbeer zu den beliebtesten Ziersträuchern in unserer Gegend. Das liegt daran, dass er einige sehr geschätzte Eigenschaften für einen Garten mitbringt. Er ist das ganze Jahr über grün, zeichnet sich durch eine gute Winterhärte aus, ist sehr anspruchslos und wächst auch auf eher ungünstigen Standorten, man muss ihn nicht viel pflegen, kann ihn gut schneiden. Lorbeerkirschen wachsen solitär ebenso gut wie in einer Hecke. Ihre Anspruchslosigkeit, Wuchsfreudigkeit und Winterhärte führten dazu, dass die Pflanze inzwischen in manchen Gegenden als problematischer Neophyt eingestuft wird. Als Neophyt bezeichnet man Pflanzen, die sich in Regionen ausbreiten, in denen sie eigentlich nicht heimisch sind. Der Kirschlorbeer breitet sich zunehmend im Unterholz unserer Wälder aus und verdrängt hier die natürliche Vegetation.

Durch Züchtung sind im vergangenen Jahrhundert viele verschiedene Sorten dieses Zierstrauches entstanden. Kleingärtner können aus einem breiten Angebot die Pflanzen auswählen, die am besten in ihren Garten bzw. ihre Hecke passen. Die Pflanzen der unterschiedlichen Sorten unterscheiden sich besonders nach Wuchshöhe, Wuchsbreite, Frosthärte, Intensität des Wachstums, Eignung für Hecken, Blattgröße und Farbe. Einen besonderen Namen bei der Züchtung von Kirschlorbeer Pflanzen hat sich Otto Luyken gemacht. Die nach ihm benannte Sorte Otto Luyken kam in seinem Todesjahr 1953 in den Handel.

Besonders beliebt für den Garten sind einerseits so starkwüchsige Sorten des Zierstrauches, wie Caucasica und Mischeana, andererseits aber auch so kleine Sorten wie Low’n Green. Großen Wert legen viele Gärtner auf besonders winterharte Pflanzen, wie den Kirschlorbeer Herbergii. In den letzten Jahren werden aber auch diejenigen mit dem auffällig bronzeroten Austrieb als Heckenpflanzen zunehmend beliebt, wie Etna oder Diana. 

Nicht immer überstehen die Pflanzen die Winter in unseren Breiten ohne Schaden. Das Problem sind allerdings weniger die tiefen Temperaturen selbst, als vielmehr der damit oft verbundene Wassermangel für die Pflanzen. Wenn nämlich der Boden nach einer langen Frostperiode gefroren ist und dann die Temperaturen langsam steigen und die Sonne scheint, werden die großen und immergrünen Blätter zum Nachteil. Sie verbrauchen Wasser, welches aber wegen des gefrorenen Bodens im Garten nicht geliefert werden kann. In aller Regel erfrieren die Pflanzen also nicht, sondern vertrocknen. Im Falle der Lorbeerkirsche sieht man das an den braunen Blättern. Im Frühjahr sollten Sie den Zierstrauch dann einfach großzügig schneiden. In aller Regel bilden sich dann in kurzer Zeit neue Triebe und die Hecke nimmt nur ganz selten sichtbaren Schaden.

Die Geschichte der Heilpflanze Laurocerasus

Ursprünglich ist der Kirschlorbeer in feucht-schattigen Wäldern des Südbalkan und Kleinasiens beheimatet. Von dort gelangte er im 16. Jahrhundert zunächst nach Frankreich, dann bürgerte er sich aber auch schnell in Großbritannien und Deutschland ein. 

Medizinisch wurde er seit dem 18. Jahrhundert verwendet. Dabei kam v.a. das Destillat der Blätter als ätherisches Öl, aber auch die getrockneten Blätter zu einem breiten Einsatz. Im Vordergrund der medizinischen Verwendung standen krampfartige Beschwerden und Schmerzen – von Magen-Darm über Husten, Nervenschmerzen und Herzanfällen bis hin zu epileptischen Anfällen. 

Aber das Kirschlorbeerwasser galt nicht nur als Heilmittel, bei den verschiedensten Erkrankungen, sondern wegen seines guten Aromas auch beispielsweise als Zusatz zu Brandy und zum Herstellen von Pudding. Eher zufällig wurde entdeckt, dass dadurch auch diverse Vergiftungserscheinungen auftraten. Verantwortlich dafür ist der relativ hohe Gehalt an Blausäure-abspaltenden Glykosiden. Fast alle Teile der immergrünen Pflanze sind giftig. Im Fruchtfleisch ist jedoch wenig von dem Gift enthalten, deshalb findet man in der Türkei inmitten der vielen Trockenfrüchte auch die getrockneten Kirschlorbeeren. In den Blättern und Samen sind allerdings bis zu 0,16 % der giftigen Blausäure-Verbindungen enthalten. Aus den Samen wird die Blausäure aber nur dann herausgelöst, wenn sie zerkaut werden. Unzerkaut scheiden wir die Samen einfach wieder aus. Zerkauen sollten wir sie aber keinesfalls und auch die Blätter dürfen nicht verzehrt werden. Ernstzunehmende Vergiftungserscheinungen treten allerdings eher selten auf. Trotzdem ist der Einsatz von Laurocerasus als Heilpflanze heute nicht mehr gebräuchlich. Die Wissenschaft spricht von obsolet.

Wir wissen heute, dass der Kirschlorbeer seine Heilwirkung nur dann sicher und gut entfalten kann, wenn er homöopathisch zur Arznei aufbereitet, also potenziert und damit stark verdünnt worden ist. Die Urtinktur wird hergestellt aus den frischen Blättern, die im August bis September gesammelt werden.

Homöopathische Anwendung von Kirschlorbeer

der Herz-Erwärmer unterstützt bei:

  • Atembeschwerden bei Herzerkrankungen
  • Herzklopfen
  • Kältegefühle

Der sprechende Wirkstoffkompass

Erfahren Sie mehr zum Kirschlorbeer in einem kurzen Clip mit Arzt und Apotheker Dr. Peter Reinhard.

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Bitte beachten Sie: Alles, was die Gesundheit unterstützen kann, kann ihr auch schaden. Häufig ist das eine Frage der Dosis oder der Verträglichkeit mit anderen Arzneimitteln und möglicherweise bestehenden Grunderkrankungen. Dieses Wirkstoff-Porträt nennt nicht alle Eigenschaften, die bei der arzneilichen Anwendung beachtet werden müssen. Lassen Sie sich daher über mögliche Neben- und Wechselwirkungen von Ihrem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker beraten und lesen Sie die Packungsbeilagen von Arzneimitteln.