Von Bärbel Tschech

Naturmedizinischer Wirkstoff Hauhechel

Ononis spinosa

Familie: Schmetterlingsblütler (Faboideae)

Die Dornige Hauhechel ist ein heimischer kleiner Strauch, der schon in der Antike wegen seiner harntreibenden Wirkung geschätzt wurde. 

Wie sieht die Dornige Hauhechel aus und wo kommt sie vor?

Die Pflanze ist in fast ganz Europa verbreitet – mit Ausnahme des hohen Nordens und der Hochalpen. Man findet sie meist auf trockenen, mageren, kalkhaltigen Böden, an Wegrändern, aber auch in Moorwiesen. Botaniker sprechen bei dem kleinen dornigen Halbstrauch von einem Chamaephyten. Damit bezeichnen sie Pflanzen, deren Knospen knapp über der Erde liegen und so durch den Schnee im Winter vor allzu scharfen Frösten geschützt sind. Der restliche überirdische Teil der Pflanze stirbt meist während des Winters ab. Im Frühjahr wachsen die jungen Triebe bis in eine Höhe von 20 bis 60 cm.

Bemerkenswert sind die bis zu 60 cm langen kräftigen Pfahlwurzeln, die der Pflanze Halt geben unter so schwierigen Bedingungen wie auf Dünen, Magerrasen oder Gesteinsböden.

Gut erkennbar ist die Dornige Hauhechel an ihren rosafarbenen typischen Schmetterlings-Blüten, wie wir sie beispielsweise von Bohnen bzw. Erbsen kennen. Die Blüten stehen einzeln oder in lockeren, traubigen Blütenständen mit bis zu 3 Blüten und blühen von Juni bis September. Gut zu unterscheiden ist die Dornige Hauhechel (Ononis spinosa L.) von ihren Verwandten, der Gelben Hauhechel (Ononis natrix L.) durch die Blütenfarbe und von der Kriechenden Hauhechel (Ononis repens L.) durch die Wuchsform.

Was bedeuten die Namen?

Ononis wurde vermutlich von Onos abgeleitet. Das ist der griechische Begriff für Esel. Spinosa bedeutet dornig, stachelig. Letzteres deutet – ebenso wie der deutsche Name – auf die dornigen Zweige hin. Woher der Bezug zum Esel kommt, ist nicht eindeutig geklärt. Das könnte damit zusammenhängen, dass Weidevieh die dornigen und holzigen Sträucher eher meidet, wodurch gerade dieses „Eselskraut“ gut sichtbar und unangetastet stehen bleibt. Möglicherweise ist es aber auch ein Hinweis auf die Minderwertigkeit (Esel versus Pferd) von Ononis als Weidepflanze.

Besonders interessant ist der Ursprung des deutschen Namens Hauhechel. Man vermutet, dass auch das auf die Dornen zurückzuführen ist. Unsere Vorfahren sahen in den dornigen Zweigen eine Ähnlichkeit mit dem als Hechel bezeichneten Werkzeug, das man nutzte, um Flachs, also Leinen zu dreschen (hauen).

Aber es gibt noch weitere spannende Namen, wie z.B. Weiberkrieg, Weiberzorn oder Ochsenkraut für die Hauhechel. Diese Namen beziehen sich wohl auf die Wurzel, die den jätenden Frauen ebenso wie dem Pflug sehr zu schaffen machte.

Die Hauhechel als Heilpflanze

Die Verwendung von Ononis spinosa als harntreibendes Mittel hat eine sehr lange Tradition. Bereits der griechische Arzt Dioskurides erwähnte sie vor rund 2000 Jahren in seiner etwa 600 Heilpflanzen umfassenden Materia Medica.

Harntreibende Mittel werden insbesondere dann eingesetzt, wenn Entzündungen im Bereich der Nieren oder der ableitenden Harnwege auftreten oder eine Neigung zur Bildung von Nierengrieß besteht. Dann ist es wichtig, die Nieren gut zu durchspülen. Dabei kann die Dornige Hauhechel eine wertvolle Unterstützung sein.

Allerdings wurde immer wieder sehr widersprüchlich über die Erfolge in der Therapie mit Ononis berichtet. Der bekannte Phytotherapeut und Arzt Dr. med. R. Weiß berichtet in seinem berühmten „Lehrbuch der Phytotherapie“ darüber. Die Erstauflage erschien in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Darin erläutert Weiss anhand der Hauhechel eines der Hauptprobleme rund um die Phytotherapie, nämlich die Bedeutung des Anbaus und der Art der Extraktion der Wirkstoffe für die Wirksamkeit.

Der große Unterschied zwischen pflanzlichen und chemischen Wirkstoffen ist ja der, dass Pflanzenextrakte immer Vielstoffgemische sind, während andere Arzneimittel meist reine chemische Verbindungen sind. Bei Vielstoffgemischen kann man immer davon ausgehen, dass sich einzelne Wirkstoffe gegenseitig verstärken oder auch hemmen. Das ist der Hauptgrund dafür, dass die Wirkung von pflanzlichen Arzneimitteln in den meisten Fällen weniger klar und eindeutig ist, aber auch weniger stark nebenwirkungsbehaftet. Die Konsequenz: Man muss Extraktionsverfahren wählen, die die gewünschten Inhaltsstoffe besser isolieren als die ungewünschten. So sind manche, aber eben nicht alle Heilpflanzen geeignet, um als Teeaufguss ihre Wirkung zu zeigen. Bei anderen muss es beispielsweise ein alkoholischer Auszug sein oder ein Kaltaufguss.

Im Falle der Hauhechel ist es so, dass einer der Wirkstoffe, die in den Wurzeln besonders stark konzentriert sind, die angestrebte harntreibende Wirkung hat. Ein anderer Inhaltsstoff wirkt aber antagonistisch zu diesem und hemmt die Harnbildung (Diurese). Diese beiden Wirkstoffe haben nun unterschiedliche physikalische Eigenschaften: Der harntreibende Wirkstoff ist im Wasserdampf flüchtig. Dadurch geht er zumindest teilweise verloren, wenn man die Hauhechel wie einen Tee zubereitet, also mit kochendem Wasser übergießt. Die Pharmakologie spricht hier vom Herstellen eines Dekoktes (Abkochung). Dieser ist also bei Ononis spinosa weniger gut geeignet als ein kalter Aufguss (Infus), um die richtigen Wirkstoffe zu extrahieren.

Das erklärt, warum manche Kräuterkundige die Hauhechel früher so schätzten und andere keine Wirkung damit erzielen konnten. Heute wird die getrocknete Wurzel von Ononis spinosa als pflanzliches Arzneimittel eingesetzt. Die Homöopathie verwendet nicht die Wurzel, sondern die zur Blütezeit geernteten oberirdischen Teile.

Homöopathische Anwendung von Hauhechel

die Entwässernde unterstützt:

  • bei Wassereinlagerungen insbesondere durch Nierenfunktionsstörungen
  • Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege
  • Harnwegsentzündungen - auch mit Steinbildung

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Bitte beachten Sie: Alles, was die Gesundheit unterstützen kann, kann ihr auch schaden. Häufig ist das eine Frage der Dosis oder der Verträglichkeit mit anderen Arzneimitteln und möglicherweise bestehenden Grunderkrankungen. Dieses Wirkstoff-Porträt nennt nicht alle Eigenschaften, die bei der arzneilichen Anwendung beachtet werden müssen. Lassen Sie sich daher über mögliche Neben- und Wechselwirkungen von Ihrem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker beraten und lesen Sie die Packungsbeilagen von Arzneimitteln.