Von Thomas Kammler

Erkältung durch Kälte - Mythos oder Wahrheit?

Erkältung durch Kälte - Mythos oder Wahrheit?

Warum kommt es bei einer niedrigen Außen-temperatur im Herbst und Winter häufiger zum Auftreten von Erkältungs- und Grippe-Symptomen?

Die kalte Jahreszeit ist bekanntermaßen bei vielen Menschen unter anderem geprägt von Erkältungskrankheiten mit Symptomen wie Husten, Schnupfen, Gliederschmerzen, Fieber, Schüttelfrost oder laufender Nase. Aber kann man sich dies durch eisige Luft, Unterkühlung und Frieren einfangen?
Schon im antiken Rom vermutete man einen Zusammenhang zwischen Kälte und Erkältung (grippaler Infekt). Das legt zumindest das lateinische Wort für Erkältung nahe, nämlich „frigus“. Leicht erkennt man eine Parallele zu „frigidus“ als Bezeichnung für „kalt“. Auch bei unseren österreichischen Nachbarn* spricht man in diesem Zusammenhang von "Verkühlung". Aber wieviel Wahrheit steckt in der Vermutung, dass Symptome von Erkältungskrankheiten durch tiefe Temperaturen ausgelöst werden? Machen Kälte, Frösteln oder Frieren und Zugluft Menschen krank?

Der Zusammenhang von Kälte und Symptomen wie Husten, Schnupfen & Co.

Kälte hat durchaus etwas mit Erkältung zu tun – aber möglicherweise anders, als man lange Zeit vermutete. Kälte in geschlossenen Räumen oder besonders kaltes Wetter draußen führen nicht automatisch zu einer Erkältung oder einer Grippe  – eigentlich logisch, sonst würde es ja im Herbst und Winter aufgrund der kalten Luft überhaupt keine Gesunden mehr geben, weil alle erkältet sind und mit laufender Nase oder Fieber im Bett liegen würden. Einen Zusammenhang zwischen Erkrankungen wie grippalen Infekten oder Grippe auf der einen Seite und Kälte auf der anderen Seite gibt es aber trotzdem – und zwar vermutlich auf mehreren Wegen. Der erste entspricht dem lange vorherrschenden Erklärungsansatz der schnelleren Verbreitung der Erreger durch das enge Zusammensein von Menschen in geschlossenen Räumen. Durch Schmier- und Tröpfcheninfektionen werden Bakterien und Viren dann von Mensch zu Mensch weitergebenen. 

Im Winter wird zudem kräftig geheizt, was das Milieu für Krankheitserreger verbessert: Die warme, trockene Heizungsluft erhöht nicht nur die Keim-Anzahl, sondern trocknet unsere Schleimhäute aus, z.B. die Nasenschleimhäute. Ein trockener Nasen-Rachen-Raum schafft optimale Bedingungen für Erreger wie Viren (vor allem Rhinoviren) und Bakterien - und mit den verbesserten Bedingungen für Krankheitserreger geht im weiteren Verlauf ein höheres Infekt-Risiko einher.

Das bedeutet für die Gesundheit: Wenn jetzt auch noch das körpereigene Abwehrsystem schwächelt, können Erkrankungen wie grippale Infekte leichter hervorgerufen werden. Die Immunabwehr entscheidet also, ob wir krank werden oder nicht. Es lohnt sich daher, sie zu stärken, um die Körper-Abwehr fit zu machen, um Symptome wie Halsschmerzen, Husten, Schnupfen, verstopfte Nase oder Fieber bestenfalls zu vermeiden. Das gilt insbesondere für ältere Menschen und für kleine Kinder, weil deren Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt ist. Außerdem zeigt der Zusammenhang zwischen trockener Heizungsluft und höherem Erkältungsrisiko, wie wichtig ist es, in der Heizperiode für ausreichend feuchte Luft im Zimmer zu sorgen.

Kälte doch auch direkt verantwortlich? Studie aus 2022 wirft Fragen auf

Einen neuen Ansatz, wie Kälte das Immunsystem schwächen kann, beschreibt eine 2022 erschienene Studie. Während bisher die höhere Ansteckungswahrscheinlichkeit durch engen Kontakt untereinander im Vordergrund stand, wird hier eine neue Sichtweise vertreten, in der die Temperatur auf direktem Wege die Abwehrkräfte, insbesondere die in der Nase, beeinflusst. Der Mechanismus ist dabei wie folgt: Die Schleimhautzellen in der Nase bilden bei Kontakt mit Krankheitserregern wie Viren winzig kleine Bläschen. Diese sogenannten extrazellulären Vesikel (EVs) sind wichtig in der Bekämpfung der Erreger und in der Immunantwort, denn sie aktivieren andere an der Abwehrreaktion beteiligte Elemente des Immunsystems. Die Bildung dieser Vesikel ist allerdings von der Umgebungstemperatur abhängig, also kälteempfindlich.

Die Studie wurde mit Nasenzellen von gesunden Menschen durchgeführt. In den Experimenten wurden die Reaktion auf drei unterschiedliche Erkältungsviren außerhalb des Körpers gemessen („in vitro“). Bei Herabsenkung der Temperatur um 5 Grad Celsius sank nicht nur die Zahl der extrazellulären Vesikel, sondern die Vesikel zeigten sich auch weniger abwehrbereit gegenüber den Viren. Dieser Temperaturabfall ist vergleichbar mit sehr niedrigen Außentemperaturen, denen die Nase im Winter ausgesetzt ist. Die Ergebnisse der Studie lieferten interessante Anhaltspunkte und eine neue Sichtweise auf den Zusammenhang von Kälte und Erkältung. Inwieweit sie direkt im Menschen reproduziert werden können, müssen nachfolgende Studien mit menschlichen Probanden zeigen.

Wie beschrieben, könnte also die lokale Aktivität des körpereigenen Abwehrsystems bei niedrigen Temperaturen heruntergesetzt sein. Ist die Nase kalt, haben Krankheitserreger also vermutlich leichteres Spiel, über die Nasenschleimhaut eine virale Infektion auszulösen und sich schneller auszubreiten. Die Temperatur der Nase kann man also als erstes Anzeichen dafür verwenden, Maßnahmen zu ergreifen, um es z.B. einem Virus nicht so einfach zu machen.

Exkurs: Kalte Füße - Auslöser oder Symptom?

Was haben die berüchtigten "Eis-Füße" mit einer Erkältung zu tun? Häufig hört und liest man, dass kalte Füße der Auslöser für anschließenden Husten, Schnupfen und leichtes Fieber im Körper sind. Aber es ist auch andersherum möglich: Die eisigen Füße können eines der ersten Symptome einer Erkältung oder eines Infektes sein. Wenn man erkältet ist, werden durch die Infektion die Füße schlechter durchblutet und sind deshalb kalt.

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Tipps und Hausmittel für ein starkes Immunsystem

  • Ausreichend Wasser trinken! Der Körper des Menschen besteht zum überwiegenden Teil aus Wasser. Fehlt Flüssigkeit, trockenen die Schleimhäute der oberen Atemwege (Hals, Nase und Rachen) aus und so kann auch das Immunsystem nicht richtig arbeiten.
  • ausgewogene Ernährung, die reich an Vitalstoffen ist
  • Vitamine sind wichtig für das Immunsystem, so trägt Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei 
  • Guter Schlaf wirkt sich positiv auf die Abwehrkräfte des Körpers aus – vermeiden Sie also Schlafstörungen nicht nur in der kalten Jahreszeit.
  • Achten Sie auf einen gesunden Darm! Ein großer Teil des Immunsystems ist im Darm angesiedelt - die Gesundheit sitzt also im Darm.
  • Ab in die Sonne: Vitamin D ist wichtig für die Immunabwehr. 
  • Bewegung hält auch das Abwehrsystem auf Trab, daher rauf aufs Fahrrad, abends eine Stunde um den Block und wann immer möglich raus in die Natur, um frische Luft zu tanken.
  • Entspannen Sie sich! Stress wirkt sich negativ aus! Halten Sie sich warm.
  • Das Lymphsystem ist ein wichtiger Teil des Immunsystems. Stärken Sie es mit Wasseranwendungen wie Wechselduschen, sanften Bürstenmassagen oder natürlichen Wirkstoffen, die auf das Lymphsystem abzielen.

Weitere Informationen 

Mehr zu Erkältungsthemen wie Husten, Schnupfen, Grippe, Fieber, Bronchitis, Halsschmerzen oder Nasennebenhöhlenentzündungen (Sinusitis) finden Sie im Gesundheitsbereich "Erkältung & Infekte". 
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* Aufgrund der besseren Lesbarkeit wird im Text das generische Maskulinum verwendet. Gemeint sind jedoch immer alle Geschlechter.

Quellenangaben & weiterführende Literatur

Artikel

  • Huang, D. et al.: "Cold exposure impairs extracellular vesicle swarm–mediated nasal antiviral immunity" MECHANISMS OF ALLERGY/IMMUNOLOGY| VOLUME 151, ISSUE 2, P509-525.E8 1970*

Weblinks

*: Bei Literatur: Erscheinungsjahr; bei Webseiten: Datum des letzten Abrufs

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