Von Thomas Kammler

Seitenstrangangina (Angina lateralis): Was ist das?

Seitenstrangangina - Ärztin untersucht Patientin

Mehr zu Ursachen, Symptomen und Behandlung der schmerzhaften Rachenentzündung

Erste Anzeichen sind Schluckbeschwerden und starke Halsschmerzen. Wenn hier ein professioneller medizinischer Blick z.B. durch Hals-Nasen-Ohren-Ärzte in den Mund geworfen wird, erkennt man einen angeschwollenen, geröteten Rachen. An der Oberfläche befinden sich oftmals streifenartige eitrige Beläge oder gelblich-weiße Eiterpunkte. Die hierbei entzündeten lymphatischen Seitenstränge der Rachenwand geben der Erkrankung ihren Namen: Seitenstrangangina.

Halsschmerz & Co.: Was sind Symptome einer Seitenstrang-Angina?

Als typische Symptome kennt man neben Halsschmerzen, die einseitig oder beidseitig auftreten können, einen trockenen Reizhusten und Ohrenschmerzen. Auch allgemeine grippeähnliche Symptome wie ein Gefühl der Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, allgemeines Unwohlsein oder Fieber können auftreten.

Weitere Symptome der auch Pharyngitis lateralis oder Angina lateralis bezeichneten Erkrankung, sind tastbare Lymphknotenschwellungen im Hals- und Kieferbereich, die auf dort befindliches entzündetes Lymphgewebe hindeuten. Wie die Bezeichnung Pharyngitis lateralis erkennen lässt, handelt es sich bei der Seitenstrangangina um eine Form der Rachenentzündung (Pharyngitis). Lateralis bedeutet hierbei: seitlich. Betroffen sind die seitlichen Lymphbahnen am Hals. Hierdurch entstehen auch die Ohrenschmerzen. Die entzündeten und geschwollenen Seitenstränge liegen in unmittelbarer Nähe der sogenannten Eustachischen Röhre, der Verbindung zwischen Ohr und Nasen-Rachen-Raum.

Was sind die Ursachen einer Seitenstrangangina?

Eine Seitenstrangangina tritt viel seltener auf als eine gewöhnliche akute Rachenentzündung. Sie ist oftmals die Folge einer bakteriellen Superinfektion. Das bedeutet, dass sich auf eine zunächst durch Viren bedingte Erkältung (grippaler Infekt) zusätzlich eine bakterielle Infektion aufsetzt. Dabei sind die Schleimhäute im Hals-Nasen-Rachenraum bereits durch den Virus-Befall geschwächt, was es bakteriellen Erregern wie Streptokokken aber auch Staphylokokken oder Pneumokokken erleichtert, sich im Rachen und den oberen Atemwegen anzusiedeln und weitere Entzündungen auszulösen.

 

Welche Rolle spielt das Lymphsystem?

Häufig sind Menschen von einer Seitenstrangangina betroffen, denen operativ die Mandeln entfernt wurden. Die Gaumenmandeln und Rachenmandeln sind Teil des lymphatischen Systems und spielen eine bedeutende Rolle für das Immunsystem, also die körpereigene Abwehr gegen Krankheitserreger wie Viren oder Bakterien. Nach einer sogenannten Tonsillektomie fehlt also ein Teil des lymphatischen Gewebes zur Immunabwehr. Deshalb steigt das Risiko, dass die Lymphbahnen (die Seitenstränge) bei einem Infekt stark anschwellen, sich entzünden und zu starken Halsschmerzen führen.  

Ein starkes Immunsystem braucht ein starkes Lymphsystem, daher ist es sinnvoll, sein Lymphsystem zu stärken, um es in seiner Arbeit zu unterstützen. Hier bieten sich beispielsweise Lymphtropfen und Lymphsalben an.

Ist eine Seitenstrangangina ansteckend?

Eindeutig ja. Die krankheitserregenden Bakterien können z. B. durch eine Tröpfcheninfektion auf andere Menschen übertragen werden, wenn der Patient beispielsweise hustet und sich die Bakterien durch den Sprühnebel in die Raumluft verteilen und eingeatmet werden.

Wie lange dauert eine Seitenstrangangina?

Das kann sehr unterschiedlich sein, je nachdem, wie stark das Immunsystem der Betroffenen ist und wie schnell beispielsweise Medikamente wie Antibiotika oder entzündungshemmende Arzneimittel eingesetzt werden. Tipp zur Antibiotika-Therapie: Die Behandlung mit einem Antibiotikum tötet nicht nur die krankmachenden Bakterien ab, sondern kann auch Auswirkungen auf die Darmflora haben. Es ist daher sinnvoll, bei einer Behandlung mit einem Antibiotikum zusätzlich die Darmflora mit probiotischen Bakterien zu unterstützen.

Welche Hausmittel helfen bei einer Seitenstrangangina?

Bewährte Hausmittel wie ein warmer Halswickel fördern die Durchblutung der Schleimhäute und können auch den unangenehmen Hustenreiz lindern sowie Schmerzen verringern. Wichtig ist es außerdem, viel zu trinken und sich mit viel Ruhe auszukurieren. Auf alkoholische Getränke sollte man idealerweise verzichten. Gleiches gilt für Rauchen, denn hierdurch kann sich eine chronische Seitenstrangangina entwickeln. Hiervon spricht man, wenn die Entzündung der hinteren Rachenwand länger als mehrere Wochen andauert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Natürlich muss man nicht mit jeder Erkältung in eine Praxis. Eine akute Rachenentzündung mit leichten Halsschmerzen bekommt man durchaus auch mit Hausmitteln in den Griff, insbesondere wenn man frühzeitig die typischen Anzeichen wie Kratzen im Hals als frühe Symptome eines viralen Infekts ernst nimmt. Spätestens bei Beschwerden wie starken Schmerzen, hohem Fieber und stark geschwollenen Lymphknoten sollte man eine Praxis aufsuchen, um gemeinsam mit dem Hausarzt, HNO-Arzt (Hals-Nasen-Ohrenarzt) oder Heilpraktiker die Ursache abzuklären und eine entsprechende Behandlung einzuleiten. Zudem kann man mit einem Besuch beim Arzt mögliche, wenn auch eher seltene Komplikationen wie einer Mittelohrentzündung, eine Entzündung der Nieren oder rheumatischem Fieber vermeiden. In seltenen Fällen können Keime sogar bis in die Blutbahn vordringen und eine gefährliche Blutvergiftung auslösen. 

Wo finde ich weitere Informationen zu Erkältung, Halsschmerzen oder Husten?

Im Gesundheitsbereich unter "Erkältung & Infekte" finden sich umfassende Informationen zu Erkältungskrankheiten und Beschwerden wie Halsschmerzen, Husten, Bronchitis, Mandelentzündung und vielem mehr. Ebenfalls finden Sie dort einen Informationsbereich zum Lymphsystem

Quellen:

Informationsportal Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e.V., https://www.hno-aerzte-im-netz.de/, "Rachenentzündung", online abgerufen am 14.12.2022MSD Manual für Patienten, "Rachenentzündung", https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/hals-,-nasen-und-ohrenerkrankungen/erkrankungen-von-mund-und-rachen/rachenentz%C3%BCndung , online abgerufen am 14.12.2022Öffentliches Gesundheitsportal Österreich: Rachenentzündung, online abgerufen am 14.12.2022

Pschyrembel, https://www.pschyrembel.de/Seitenstrangangina/K0KPQ, online abgerufen am 14.12.2022

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