Inhaltsstoff Vitamin B12 (Cyancobalamin)

Vitamin B12 (Cyancobalamin)
Wissenschaftlicher Name:
Von Philomena Schäfer

Kurz erklärt!

Vitamin B12 ist als Kofaktor mehrerer Enzyme besonders wichtig für uns. Das wasserlösliche Vitamin spielt eine große Rolle für unser Immunsystem, das Nervensystem, die roten Blutkörperchen und den Energiestoffwechsel. Entdeckt wurde es durch die Ärzte Minot und Murphy, die für ihre Arbeit 1934 zusammen mit Whipple den Nobelpreis für Medizin erhielten, nachdem Whipple herausgefunden hatte, dass die Fütterung mit roter Leber bösartige Blutarmut bei Hunden heilen konnte.
Im folgenden Text klären wir, was genau das Vitamin ist, welche Aufgabe es in unserem Körper hat, wie hoch der Tagesbedarf ist, welche Blutwerte normal sind und wie der Bedarf aussieht.

1. Was ist Vitamin B12?

Cobalamin ist intensiv rot gefärbt – so intensiv, dass es sogar Infusionslösungen noch kräftig rosa färben kann – ein richtiges Gute-Laune-Vitamin!
Es ist an vielen Stoffwechselprozessen beteiligt. Namensgebend ist ein zentrales Kobalt-Ion. Cobalamine sind damit die bisher einzigen bekannten kobalthaltigen Naturstoffe und werden auch Vitamin-B12-Gruppe genannt. Adenosylcobalamin, umgangssprachlich Vitamin B12 genannt, ist als Kofaktor (Coenzym) Teil mehrerer Enzyme und damit besonders wichtig für uns. Das wasserlösliche Vitamin ist eine chemische Verbindung, die in allen Lebewesen vorkommt.
Es zählt zur Vitamingruppe B, in der neben Cobalamin sieben weitere wasserlösliche Vitamine zusammengefasst werden. Das Wort Vitamin wurde von Casimir Funk vorgeschlagen – als Verbindung der Bezeichnung für stickstoffhaltige Verbindungen (Amine) und dem Wort Vita (Leben). Die Nummerierung der B-Vitamine ist nicht durchgängig, da einige Substanzen, von denen zunächst angenommen wurde, es handele sich um Vitamine, keinen Vitamincharakter haben. Cobalamin ist häufig in Nahrungsergänzungsmitteln für Vitamin B enthalten.

Weder Mensch noch Tier oder Pflanze können Cobalamin herstellen – dieses Privileg haben allein Mikroorganismen – v.a. Bakterien. Als Darmbewohner könnten sie ihre Wirte und damit auch uns Menschen eigentlich mit dem lebenswichtigen Vitamin versorgen. Leider leben sie jedoch bei den meisten Tieren und auch bei uns nur im Dickdarm – dem letzten Teil des langen Verdauungstraktes. Der Aufnahmeort für das Vitamin liegt aber schon weiter oben im Dünndarm, sodass wir diese Quelle nicht nutzen können und auf die Zufuhr angewiesen sind. Nur tierische Produkte enthalten relativ viel Cobalamin. Allerdings braucht es zur Aufnahme den so genannten Intrinsicfactor aus dem Magen. 
Die chemische Verbindung das erste Mal zu isolieren, gelang dem amerikanischen Biochemiker Folkers sowie dem britischen Chemiker Smith 1948 unabhängig voneinander. Sie nannten die rot-kristalline Verbindung Vitamin B12. Im selben Jahr wiesen Forscher*innen B12 dann in Milchpulver, Rindfleischextrakt und Flüssigkulturen verschiedener Bakteriengattungen nach. 1955 schaffte es die Biochemikerin Hodgkin die Molekülstruktur von Cyanocobalamin aufzuklären.

2. Wie wirkt Vitamin B12 im Körper?

Das Vitamin ist an verschiedenen Stoffwechselvorgängen beteiligt. B12 nimmt als Coenzym an zwei enzymatischen Reaktionen in unserem Körper teil: der Methionin-Synthase und der Methylmalonyl-CoA-Mutase. Es spielt eine Rolle beim Abbau bestimmter Fettsäuren und bei der Blutbildung, da es Folsäure in seine aktive Form überführt. So trägt es dazu bei, dass rote Blutkörperchen normal gebildet werden. Das Vitamin hilft dabei, die Myelinscheide auszubilden und trägt daher zur normalen Funktion des Nervensystems bei. 
Bei gesunden Erwachsenen wird ca. 2000-5000 µg des Vitamins in der Leber gespeichert. So kann eine Unterversorgung mehrere Jahre ausgeglichen werden. 
Das Vitamin ist im Stoffwechsel eng mit Folsäure verbunden. Beide Stoffe sind wichtig für den Methylierungszyklus und Kofaktoren der Methionin-Synthese. B12 spielt dabei eine große Rolle Folsäure zu reaktivieren, indem es diese wieder in ihre reaktive Form Tetrahydrofolat überführt. Eine Unterversorgung mit B12 führt dadurch auch zu einer Folsäure Unterversorgung.
Im Körper kann es auch als Gegengift bei einer Vergiftung durch Cyanide bzw. Blausäure wirken und wird in der Medizin entsprechend verwendet.

3. Wie hoch ist der Tagesbedarf?

Der Tagesbedarf liegt bei 4 µg für Erwachsene pro Tag. Bei Schwangeren und Stillenden ist er auf 4,5 µg erhöht. Damit ist der tägliche Bedarf wesentlich geringer als bei den meisten anderen Vitaminen. Der Bedarf kann meistens über tierische Lebensmittel oder Vitamin-B12-Präparate gedeckt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt die folgende Menge B12, um den Tagesbedarf zu decken:
 

AlterVitamin B12 µg/Tag
Säuglinge 
0 bis unter 4 Monate 0,5
4 bis unter 12 Monate 1,4
Kinder 
1 bis unter 4 Jahre1,5
4 bis unter 7 Jahre2,0
7 bis unter 10 Jahre2,5
10 bis unter 13 Jahre3,5
13 bis unter 15 Jahre4,0
Jugendliche und Erwachsene  
15 bis unter 65 Jahre4,0
65 Jahre und älter4,0
Schwangere4,5
Stillende5,5


Quelle: DGE

4. In welchen Lebensmitteln steckt Vitamin B12?

Eine Ernährung nur mit pflanzlichen Lebensmitteln kann den Bedarf an B12 nicht ausreichend decken, da es in pflanzlichen Lebensmitteln nur in Spuren enthalten ist. Auch Tiere können es nicht selber herstellen. Es wird von Mikroorganismen, vor allem von Bakterien, produziert, die im Verdauungstrakt von Tieren oder auf der Oberfläche von Pflanzen leben. Fast alle tierischen Lebensmittel enthalten das Vitamin. Der Vitamin-B-Gehalt ist in tierischen Organismen, vor allem in Leber und Niere, hoch. Alles- und Fleischfresser decken ihren Bedarf durch Fleischkonsum, während Pflanzenfresser auf Bakterien angewiesen sind, die das Vitamin produzieren.
Unser B12-Bedarf kann durch Lebensmittel wie Fisch, Eier, Fleisch oder Milchprodukte gedeckt werden. Der Tagesbedarf lässt sich bspw. durch den Verzehr von Lebensmitteln wie 7 g Leber, 120 g Seelachs, 60 g Camembert, 1 Ei oder 150 ml Vollmilch erreichen. Eine Ernährung mit tierischen Lebensmitteln kann also den Bedarf meist decken.

5. Welcher Vitamin-B12-Blutwert ist normal?

Liegt ein Verdacht auf eine Vitamin-B12-Unterversorgung vor, kann der Vitamin-B12-Serumspiegel gemessen werden. Der Normalwert liegt zwischen 200 und 1000 ng/l. Dieser Test ist aber nicht so aussagekräftig, wie der Test zur Bestimmung des Holotranscobalamin (Holo-TC). Das Vitamin kann nur in der Verbindung mit dem Protein Transcobalamin vom Körper verwertet werden. Mit dem Holo-TC-Test lässt sich eine Unterversorgung zuverlässig und besonders früh nachweisen. Bei einem Holo-TC-Spiegel unter 50 pmol/l sollte eine Unterversorgung überprüft werden, bei einem Wert über 50 pmol/l ist eine Unterversorgung unwahrscheinlich. Auch erhöhte Methylmalonsäure-Werte können auf eine Unterversorgung hindeuten. Hier liegt der Normalwert bei 50-300 nmol/l. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt die Bestimmung mehrerer Marker aus dem Blutserum zur Bestimmung des Blutwertes.

6. Was passiert, wenn wir zu wenig B12 aufnehmen? - Vitamin-B12-Mangel

Eine Unterversorgung kann durch eine unzureichende Zufuhr über die Nahrung, bspw. durch den ausschließlichen Verzehr pflanzlicher Lebensmittel bei einer veganen Ernährung, oder durch einen erhöhten Bedarf, bspw. bei Alkoholismus, entstehen. Es kann auch eine mangelnde Aufnahmefähigkeit im Magen-Darm-Trakt vorliegen, durch welche das Vitamin nicht in den Körper aufgenommen werden kann.
Eine Unterversorgung betrifft v.a. das Blutbild und das Zentralnervensystem. Ein Vitamin-B12-Mangel sollte stets ärztlich abgeklärt werden. 
Magen-Schleimhaut-Entzündungen, aber auch andere Erkrankungen des Verdauungstraktes und die Einnahme von Arzneimitteln zum Magenschutz (Säure-Blocker), v.a. aber auch vegetarische Ernährung können zu einem Vitamin-B12-Mangel führen. Ein Vitamin-B12-Mangel sollte stets ärztlich abgeklärt und behandelt werden. Ein Mangel kann unterschiedliche Symptome nach sich ziehen.

7. Wer sollte das Vitamin einnehmen?

Eine Unterversorgung ist in Europa selten. Menschen mit rein pflanzlicher Ernährung sollten das Vitamin bspw. über Nahrungsergänzungsmittel supplementieren, da es nur über tierische Lebensmittel über die Nahrung aufgenommen werden kann. Dies kann bspw. durch Vitamin-B-12-Tabletten, Kapseln oder Tropfen erfolgen. Zur Supplementierung und therapeutischen Zwecken werden die biologisch inaktiven Formen Cyanocobalamin und Hydroxocobalamin eingesetzt. Diese Vorstufen werden im Körper dann zu den biologisch aktiven Coenzymen Adenosylcobalamin und Methylcobalamin umgewandelt.

8. Ist zu viel B12 schädlich?

Bei einer therapeutischen, intravenösen Überdosis kann es zu lokalen allergischen Beschwerden kommen. Allerdings konnten Untersuchungen zu sehr hohen oralen Einnahmedosen keine nachteiligen gesundheitlichen Effekte zeigen. Es gibt keinen Wert von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, der eine tägliche Höchstmenge festlegt. Das BfR hat jedoch für Nahrungsergänzungsmittel eine Einnahme von 25 μg pro Tag als Obergrenze empfohlen.

9. Vitamin B12 trägt bei zu:

  • einem normalen Energiestoffwechsel,
  • einer normalen Funktion des Nervensystems,
  • einem normalen Homocystein-Stoffwechsel,
  • einer normalen psychischen Funktion,
  • einer normalen Bildung roter Blutkörperchen,
  • einer normalen Funktion des Immunsystems,
  • einer Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung 
  • und hat eine Funktion bei der Zellteilung.

Aufbau-Vitamin ist besonders wichtig für:

  • Energie des Nervensystems
  • Gedächtnisleistung
  • Stimmung
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