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Sonnentau (Drosera rotundifolia) - Eine Hustenpflanze stellt sich vor

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Seine Ernährungsweise ist ungewöhnlich und das nicht ohne Grund: Drosera rotundifolia, der rundblättrige Sonnentau ernährt sich nämlich hauptsächlich – von Tieren! Er gehört zu den sog. Insektivoren, fleischfressenden Pflanzen, die mithilfe spezieller Blätter Fliegen oder Mücken fangen und diese verdauen, indem sie das Insekt enzymatisch aufspalten.

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Da Sonnentau auf kargen Böden wächst, braucht er den Insektenfang, um darüber seinen zusätzlichen Mineralstoff- und Stickstoffbedarf zu decken, den er über die Wurzeln nicht bekommen kann. Der Name Drosera bezieht sich übrigens auf eine andere Eigenschaft der Pflanze. Er leitet sich vom griechischen drósos - Tautropfen ab und spielt auf dasselbe Phänomen an wie auch der deutsche Name Sonnentau: die Blätter scheiden kleine Tröpfchen aus, die in der Sonne wie Tautropfen glänzen. Früher hielt man sie für echten Tau, bis Forscher herausfanden, dass die Pflanze diese Tröpfchen selber produziert und in ihnen jene Enzyme enthalten sind, mit denen Drosera die gefangenen Insekten verdaut.

Sonnentau ist in Europa und Amerika heimisch, wird bis zu 20 Zentimetern hoch und wächst bevorzugt auf feuchtem Sand, in Sümpfen und im Hochmoor. Seine Blätter sind kreisrund und besitzen etwa 200 zur Blattspreite senkrecht stehende Tentakeln für den Insektenfang, aus denen Drosera den besagten klebrigen "Tau" abscheidet. Die Pflanze blüht von Juni bis August mit Trauben von weißen Blüten. Das außergewöhnliche Gewächs steht in Europa unter strengem Naturschutz und darf nicht gepflückt werden, weshalb man für die Arzneizubereitung Drosera-Arten aus Madagaskar und anderen Anbaugebieten bezieht.

Drosera ist ein wichtiges Hustenmittel der Homöopathie. Seine Entdeckung verdanken wir den Schafen: Bereits im Mittelalter hatte man mehrfach beobachtet, dass Schafe, die zu viel Drosera gefressen hatten, einen schlimmen Husten entwickelten und sich regelrecht zu Tode husteten. Sie hatten unfreiwillig eine Art homöopathischer Arzneimittelprüfung durchgemacht, also Symptome entwickelt, die sich als Folge einer Überdosierung einstellen. Homöopathisch potenziert bewirkt der Sonnentau aber genau das Gegenteil: Ganz im Sinne des homöopathischen Grundsatzes, "Ähnliches mit Ähnlichem" zu heilen, ist potenzierte Drosera ein erstrangiges homöopathisches Heilmittel bei Krampf- oder Kitzelhusten und damit bei Krankheitsbildern wie Asthma, Keuchhusten, Bronchitis und Kehlkopfentzündung. Krampfartiger Husten mit heftigen Anfällen kann mit homöopathischen Tiefpotenzen von Drosera (D1 oder D2) gut behandelt werden. Das Mittel ist vor allem dann angesagt, wenn Bronchien und Kehle sehr trocken sind, der Husten bellend wird und unproduktiv ist, weil die Schleimhäute kaum Schleim produzieren. Drosera bewirkt eine verbesserte Durchblutung der Bronchialschleimhäute und unterstützt darüber die Sekretion der Schleimdrüsen. So reduziert sie das Trockenheitsgefühl und lindert den Reizhusten. Das gelingt auch beim Krampfhusten auf nervöser Basis und beim nächtlichen Reizhusten, der sich mit Vorliebe dann zu verschlimmern pflegt, wenn man zu Bett geht. Ein Kitzelhusten beim flachen Liegen ist typisch für eine Kehlkopfentzündung und kann mit Drosera-Präparaten positiv beeinflusst werden.

Drosera rotundifolia ist heute zentraler Bestandteil vieler komplexhomöopathischer Arzneimittel für die Behandlung von Asthma, Krampf- und Reizhusten. In niedrigen Potenzen ist der homöopathisch eingesetzte Sonnentau nebenwirkungsfrei und für den geplagten Hustenpatienten eine große Wohltat.

Bleiben Sie gesund!

Ihr PASCOE-Team

Literatur:
Ursel Bühring: Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde. Grundlagen - Anwendung - Therapie. Haug Verlag, Stuttgart 2011
Der neue Clarke. Eine Enzyklopädie für den homöopathischen Praktiker. Band 2, Dr. Grohmann Verlag für homöopathische Literatur, Bielefeld 2001
Gerhard Madaus: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Band 6. Mediamed Verlag, Ravensburg 1989
Karls Stauffer: Klinische Homöopathische Arzneimittellehre. Johannes Sonntag Verlagsbuchhandlung, Regensburg 1955
Hildebert Wagner, Markus Wiesenauer: Phytotherapie - Phytopharmaka und pflanzliche Homöopathika. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2003