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Wacholder im Heilpflanzen-Portrait

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Juniperus communis: märchenhaft, schmackhaft, vielseitig und heilsam

Der Wacholder ist eine der interessantesten heimischen Pflanzen überhaupt: In ihm sind Mystik, Aberglauben, alte Bräuche, jahrtausendealtes Erfahrungswissen und die Eigenschaften einer modernen Heilpflanze eng verwoben. Eine echte Herbstpflanze ist Wacholder außerdem: Man pflanzt und beschneidet ihn am besten im Herbst und auch die bekannte Frucht, die Wacholderbeere, wird im Herbst geerntet. Genau genommen handelt es sich aber nicht um Beeren, sondern um Zapfen. Wie man an der Wuchs- und nadelförmigen Blätter-Form erkennen kann, gehört das Nadelgehölz Wacholder nämlich zur Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae).

 

 

 

Wo wächst Wacholder?

Heimisch und wild wachsend sind in Europa nur der Gemeine Wacholder (Juniperus communis) sowie der als Gift-Wacholder bekannte giftige Sadebaum (Juniperus sabina). Der Heide-Wacholder, auch Gemeiner Wacholder, um den es hier gehen soll, ist ein Strauch, der als Baum bis zu 12 Meter hoch und sagenhafte mehrere hundert Jahre alt werden kann. Obwohl man den Heidewacholder aus typischen Heidegebieten wie der Lüneburger Heide oder der Schwäbischen Alb kennt, gibt es auch anpassungsfähige Arten, die in Nordamerika (Juniperus arizonica in Arizona, Texas und Mexiko, Juniperus californica u.a. in Kalifornien), Asien (z. B. Juniperus chinensis L. in China, Japan oder Korea), in der Tundra aber auch in der Karibik gedeihen: Juniperus barbadensis L. zum Beispiel auf Kuba und der Insel St. Lucia oder Juniperus bermudiana L. auf den Bermuda-Inseln.

Einige der rund 70 Arten können auch im heimischen Garten wachsen. Bekannt ist hier beispielsweise Juniperus scopulorum, auch Raketenwacholder genannt, insbesondere die häufig gepflanzte Sorte „Blue Arrow“. Kleinwüchsige Zwerg-Wacholder-Arten lassen sich sogar in Kübel oder Topf anpflanzen. Auch zum Bonsai lässt sich der kleine Baum zuschneiden. Der Gemeine Wacholder ist übrigens zweihäusig getrenntgeschlechtig, das heißt, es gibt männliche Blüten und weibliche Blüten. 

Das Märchen vom Machandelbaum

Im Niederdeutschen wird der Wacholder auch als „Machandelbaum“ bezeichnet. Diesen Namen kennen die meisten sicherlich aus der der Geschichte "Von dem Machandelboom" mit der die Brüder Grimm dem Wacholder ein märchenhaftes Denkmal gesetzt haben. Ursprünglich handelte es sich um eine Volkserzählung, die Philipp Otto Runge (1777-1810, Maler der Frühromantik, bekannt auch durch „Vom Fischer und seiner Frau“) aufgezeichnet hat – richtig bekannt wurde sie dann aber erst durch die Aufnahme in die „Kinder- und Hausmärchen“ (No. 47) der Brüder Grimm.

Wacholder in der Mythologie

Wacholder wurde schon zu Ur-Zeiten als Räuchermittel verwendet – und zwar nicht nur, um geräuchertes Fleisch zu aromatisieren: Zu Pest-Zeiten räucherte man die Krankenzimmer damit aus, um eine Übertragung zu verhindern. In früheren Zeiten sollten seine Zweige über der Haustür außerdem Dämonen abwehren. Später galt er als Heilmittel für typische Alterskrankheiten: Pflanzen, die immergrün den Winter überdauern (Symbol für Alter und Sterben), würden auch den Menschen mit seinen Altersbeschwerden unterstützen.

Wacholder in der Küche

Seit langem nutzt man die aromatischen und verdauungsfördernden Wirkungen des Gemeinen Wacholder in der Küche, z. B. für Wildgerichte oder Kohl (z. B. in Sauerkraut), um nur zwei prominente Verwendungsmöglichkeiten zu nennen. Gerade bei schwerverdaulichen Speisen kann Wacholder gegen Verdauungsbeschwerden, Völlegefühl und Blähungen helfen. Die Wacholderbeere wird aber auch zur Gewinnung von verschiedenen Arten von Spirituosen verwendet. So dienen die Zapfen als Grundlage für Gin, Genever oder Steinhäger - allesamt Wacholderschnäpse.

Ist Wacholder giftig?

Im Gegensatz zum Sadebaum ist die Giftigkeit des Gemeinen Wacholders nur schwach ausgeprägt. Dennoch sollte man wissen, dass bei einer Überdosierung die Nieren gereizt werden. Zudem ist der wichtige Hinweis zu beachten, dass Wacholder-Beeren und pflanzliche Juniperus-Präparate in der Schwangerschaft nicht verzehrt bzw. eingenommen werden dürfen, da hiermit frühzeitig Wehen eingeleitet werden können.

Wacholder als Medizin

In der Pharmazie macht man sich vor allem seine harntreibende Wirkung zunutze:

  • Wacholderbeer-Öl wird aus den reifen beerenförmigen Zapfen gewonnen. Man verwendet es in Arzneimitteln zur Verdauungsförderung und Harntreibung aber auch in der äußerlichen Anwendung in Form von Badezusätzen und Einreibungen bei rheumatischen Erkrankungen. Hier macht man sich besonders das ätherische Wacholderöl zunutze.
  • Wacholder-Beeren finden Einsatz in Teemischungen und als Gewürz. Da die Zapfen in konzentrierter Form die Nieren reizen können, werden sie aber nicht mehr in hoch dosierter Form als harntreibende Arzneimittel angeboten.
  • In der Homöopathie werden die frischen, reifen Samenzapfen verwendet - bei Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, der Nieren und ableitenden Harnwege.