Von Thomas Kammler

Der Huflattich: spannende, aber diskussionswürdige Heilpflanze

Huflattich

Ein U-förmiges, an ein Hufeisen erinnerndes Blatt und eine Blüte, die sich bereits vor dem Austrieb der Blätter zeigt, sind charakteristisch für den Huflattich. Der Huflattich oder auch Gemeine Huflattich (botanischer Name Tussilago farfara) ist eine der ältesten bekannten Heilpflanzen und wurde schon im antiken Griechenland bei Husten eingesetzt. Von seiner Wirkung als Hustenmittel stammt auch der Bestandteil Tussilago des lateinischen Namens, vom lateinischen „tussis“ für Husten – kein Wunder, denn die Pflanze mit der leuchtend gelben Blüte lindert Hustenreiz und wirkt schleimlösend. Insbesondere die Blätter (Farfarae folium) aber auch die Blüte enthalten ätherisches Öl, Schleimstoffe sowie andere Wirkstoffe, beispielsweise Bitterstoffe oder Gerbstoffe.

Verbreitung und Aussehen

Heimisch ist die Pflanze mit den gelben Blüten in Europa, Asien und Afrika. In Nordamerika wachsen sie mittlerweile auch, sind hier aber eingeschleppt und verbreiten sich als Neophyt. Der Huflattich zeigt sich mit der farbenfrohen Blüte schon sehr früh im Jahr und blüht bereits, je nach Standort im Februar bis April. Die jungen Blätter folgen später. Aus der leuchtend gelben Blüte entstehen später, wie beim Löwenzahn, kleine Schirmchen, mit denen die Pflanze ihren Samen mittels des Windes ausbreitet. Ebenfalls werden die Samen von Ameisen weitergetragen. Auch unterhalb der Erde ist der Huflattich eine spannende Pflanze: Aus dem Wurzelstock entsprießen unterirdische Ausläufer der Wurzel, die bis zu 2 Meter lang werden können.

Standort: anspruchsloses Kraut mit starkem Ausbreitungsdrang

Diese Korbblütler bevorzugen trocken-warme, sonnige Standorte mit durchlässigen Böden - kommen aber ebenso gut mit anderen Voraussetzungen klar. Angeblich sollen sie sogar in der Lage sein, auf reiner Braunkohle zu wachsen (so zumindest nachzulesen bei G. Madaus „Lehrbuch der biologischen Heilmittel“ von 1938).

Trotz des deutschen Namens ist der Huflattich kein Lattich

Ein echter „Lattich“ ist Tussilago farfara nicht, denn er gehört botanisch gesehen nicht zu den Lattichen (Latuca) – anders als z.B. der Gartensalat (Lactuca sativa L.) - sondern bildet die eigene Gattung Tussilago, der genau diese einzige Pflanzenart, Tussilago farfara, angehört. Außerdem gehört er zu den Korbblütlern. Spannend ist auch der volkstümliche Name "Wanderers Klopapier": Wenn unterwegs mal kein Toilettenpapier zur Hand war, behalf man sich in früheren Zeiten der großen Blätter.

Huflattich-Tee aus den getrockneten Blüten und getrockneten Blättern? Ja, aber...

Wichtig zu wissen: Auch wenn die Heilpflanze Huflattich über einen hohen Gehalt an Inhaltsstoffen verfügt, die bei akuten Katarrhen oder auch bei Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt werden können und Tussilago prinzipiell zu den essbaren Wildpflanzen gehört, ist Vorsicht geboten: Die Pflanze kann giftige Pyrrolizidin-Alkaloide enthalten, die die Leber schädigen können, wenn sie in geringen Mengen über längere Zeit oder in größeren Mengen aufgenommen werden. In der Schwangerschaft oder beim Vorliegen einer Leberschädigung sollte man wegen der Belastung mit diesen Pyrrolizidinalkaloiden auf jeden Fall Abstand von diesem Wildkraut nehmen.

Medizinisch anerkannte Anwendung?

Die Kommission E, die beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte für die Bewertung pflanzlicher Drogen zuständig ist, bescheinigt eine Anwendbarkeit bei akuten Katarrhen der Luftwege mit Husten und Heiserkeit sowie bei akuten, leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut. Allerdings wird auch hier explizit vor den Gefahren gewarnt: Die Monographie der Pflanze enthält einen Warnhinweis bezüglich er angesprochenen Pyrrolizidin-Alkaloide.

Verwechslungen mit anderen Pflanzen

Gelegentlich kommt es zu Verwechslungen mit der Pestwurz, einem weiteren Korbblütler. Auch wenn sich die Blüte der Weißen Pestwurz (Petasites albus) deutlich von der des Huflattichs unterscheidet, weist das Blatt doch deutliche Gemeinsamkeiten auf. Das Blatt des Huflattichs ist in der Regel kleiner und verfügt, im Gegensatz zum Blatt der Weißen Pestwurz, über schwarze Blattrandzähne. 

Sicher ist sicher

Wer sicher gehen will, verwendet Huflattich aus der Apotheke oder dem Reformhaus. Hier werden gezüchtete Sorten verwendet, die frei von Pyrrolizidinalkaloiden sind, dennoch die gleiche Wirkung erzielen können. Zudem gibt es ja auch Heilpflanzenalternativen wie den Spitzwegerich, Eibisch, Malve und einige andere mehr, die mit ihren enthaltenen Schleimstoffen ebenfalls erfolgreich Husten und leichte Entzündungen lindern können.

Quellen:
DAZ, „Hepatotoxisch und karzinogen. Pyrrolizidinalkaloide in Arznei- und Lebensmitteln sorgen für Probleme“, www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2017/daz-31-2017/hepatotoxisch-und-karzinogen, abgerufen am 20.04.2022

DerStandard, „Vorsicht bei Huflattich als Hustenstiller“, www.derstandard.de/story/2000098459323/vorsicht-bei-huflattich-als-hustenstiller, abgerufen am 20.04.2022

Bundesinstitut für Risikobewertung, „Fragen und Antworten zu Pyrrolizidinalkaloiden in Lebensmitteln“, www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zu_pyrrolizidinalkaloiden_in_lebensmitteln-187302.html, abgerufen am 20.04.2022

BUND, www.bund.net/bund-tipps/detail-tipps/tip/unser-tipp-im-februar-der-huflattich/, abgerufen am 20.04.2022

PTAheute, „Huflattich – schleimhaltiger Hustenvertreiber“, www.ptaheute.de/serien/heimische-heilpflanzen/huflattich-schleimhaltiger-hustenvertreiber, abgerufen am 20.04.2022

Paracelsus-Magazin, „Unsere Heilpflanze: Huflattich – Tussilago farfara“, www.paracelsus.de/magazin/ausgabe/201803/unsere-heilpflanze-huflattich-tussilago-farfara, abgerufen am 20.04.2022

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