Von Thomas Kammler

Blasenentzündung (Zystitis): Ist eine Blasenentzündung ansteckend?

Blasenentzuendung - Frau liegt mit Wärmflasche auf dem Bauch auf dem Sofa

Insbesondere viele Frauen kennen das Problem: Starke Schmerzen – nicht nur beim Wasserlassen und häufiger Harndrang - typische Symptome einer sogenannten Zystitis, einer Harnwegsinfektion, die besser bekannt ist als Blasenentzündung. Eine Entzündung der ableitenden Harnwege - also der Blase, Harnröhre, Harnleiter und Nierenbecken - ist in der überwiegenden Zahl der Fälle durch Bakterien als Erreger verursacht, zumeist Escherichia coli (kurz E. coli).

Vergleichbare Beschwerden können durch eine interstitielle Zystitis hervorgerufen werden. Es handelt sich um eine chronische Entzündung der Blasenschleimhaut, die nicht durch Bakterien ausgelöst wird. Auch die sogenannte Honeymoon-Zystitis und trockene Schleimhäute können zu Harndrang führen und schmerzhaft sein. Um sicherzustellen, dass es sich um eine bakterielle Ursache handelt, sollte der Urin auf Bakterien untersucht werden, um die unnötige Verabreichung von Antibiotika zu vermeiden.

Warum sind Frauen häufiger von einer Blasenentzündung betroffen als Männer?

Bei der überwiegenden Mehrzahl aller Blasenentzündungen sind Frauen von diesem Harnwegsinfekt betroffen, in sehr seltenen Fällen aber auch Männer. Dieses erhöhte Risiko einer Ansteckung und Infektion ist anatomisch bedingt, nämlich durch eine kurze Harnröhre: Die Harnröhre der Frau ist mit etwa 4 Zentimetern deutlich kürzer als beim Mann (20 bis 25 cm). Zudem besteht eine stärkere räumliche Nähe von Harnröhrenausgang und After, was die bakteriell bedingte Erkrankung wahrscheinlicher macht: Bakterien wie E. coli gehören zur menschlichen Darmflora. Eine korrekte Toiletten-Hygiene ist daher wichtig, um eine direkte Übertragung der Bakterien zu verhindern: Es hat sich bewährt, den Po nach dem Stuhlgang nicht von hinten nach vorn zu säubern, denn so gelangen die Erreger leichter Weg vom After in die Harnröhre und von dort aus in die Blase.

Blasenentzündung: Kann man sich auf einer öffentlichen Toilette anstecken?

Grundsätzlich ja, denn auf Toilettensitzen aber auch anderen Oberflächen (Türgriffe, Wasserhähne usw.) lauern Bakterien. Den direkten Körperkontakt zu vermeiden und gründliches Händewaschen ist daher der beste Weg, um eine Schmierinfektion mit Bakterien zu vermeiden und einer Ansteckung mit einer Blasenentzündung vorzubeugen.

Kann Geschlechtsverkehr eine Ursache für eine Infektion sein?

Tatsächlich ist Geschlechtsverkehr eine der möglichen Ursachen und letztlich sogar ein recht häufiger Grund für eine Ansteckung. Auslöser für die entzündete Blase sind auch hier meist die eigenen Darmbakterien, die bei auch bei geschütztem und auch bei seltenem Geschlechtsverkehr in die Harnwege der Frau gelangen können. Wenn der Mann bereits eine akute und potenziell ansteckende Blasenentzündung hat, sollte man ebenfalls auf Geschlechtsverkehr verzichten, um die Partnerin nicht anzustecken. 

Verschiedene Verlaufsformen 

In der Medizin wird zwischen einer unkomplizierten Blasenentzündung und einer komplizierten Zystitis unterschieden. Eine "einfache" Blasenentzündung lässt sich dabei zumeist gut mit Hausmitteln (Wärme, viel trinken, Immunsystem stärken) behandeln. Anders bei der ausgeprägten Zystitis: Hier verhindern Risikofaktoren einen unkomplizierten Verlauf und begünstigen wiederkehrende Blasenentzündungen. Solche Patientinnen und Patienten gehören in die Hände von Medizinern, z.B. einem Arzt bzw. einer Ärztin. Zu solchen Risikofaktoren gehört beispielsweise ein schlecht funktionierendes Immunsystem, das nicht in der Lage ist, adäquat auf Erreger wie Bakterien zu reagieren. Dies kann der Fall sein, wenn beispielsweise das Immunsystem durch die Einnahme von Medikamenten behindert wird oder eine allgemeine Immunschwäche vorliegt. Auch eine Verengung der Harnwege z.B. durch Harnsteine oder eine Harnröhrenverengung kann ein zusätzliches Risiko für eine Harnwegsinfektion darstellen. Gleiches gilt für einen sogenannten vesiko-ureteralen Reflux, bei dem Urin aus der Blase in den Harnleiter zurückfließt sowie Blasenfunktionsstörungen. Um Komplikationen wie einer Entzündung der Nierenbecken vorzubeugen, findet bei einer ausgeprägten Zystitis meist eine Behandlung mit Antibiotika durch eine Ärztin oder einen Arzt statt. Das Antibiotikum soll hier die Bakterien als Ursache der Infektion beseitigen und deren weitere Vermehrung in Blase und Harnröhre unterbinden.

Wann sollte man mit einer Harnwegsinfektion zum Arzt gehen?

Schwangere, Kinder, Menschen mit starkem Schmerz in der Harnröhre sowie Männer sollten grundsätzlich mit einem Harnwegsinfekt zum Arzt bzw. einer Ärztin gehen, um beispielsweise den Urin untersuchen zu lassen. Hier wird getestet, welche Erreger im Urin zu finden sind oder ob sich Blut im Urin finden lässt. Auch chronische Blasenentzündungen gehören in professionelle Hände. Wenn zum Harnwegsinfekt zusätzlich Diabetes vorliegt oder immun-suppressive Medikamente eingenommen werden gilt dasselbe. Für alle anderen kann als Faustformel herangezogen werden: Wenn Symptome wie Schmerzen beim Wasserlassen oder eingetrübter Urin länger als drei Tage andauern oder Fieber auftritt, ist ein Arztbesuch unumgänglich, um die Ursache für den Schmerz zu diagnostizieren. Hier reichen einfache Hausmittel als Behandlung nicht mehr aus, in der Regel wird eine Behandlung mit einem Antibiotikum eingeleitet. Hausmittel können trotzdem einen Beitrag dazu leisten, dass die Erkrankung erträglicher wird. Sinnvoll ist immer auch eine ganzheitliche Betrachtung, insbesondere bei wiederkehrenden Harnwegsinfektionen. Dies weist darauf hin, dass die körpereigene Abwehr nicht so funktioniert, wie sie sollte. Entsprechend sollte sie z.B. mit den relevanten Vitaminen und pflanzlichen Arzneimitteln sowie der Vermeidung bzw. dem Abbau von Stress und  emotionalen Spannungen unterstützt werden.

Wie lange ist man mit einer Harnwegsinfektion ansteckend?

Eine direkte Ansteckung ist sehr unwahrscheinlich. Theoretisch gesehen ist man so lange ansteckend für andere, wie die Symptome vorhanden sind. Zwischen der Infektion und dem eigentlichen Ausbrechen des Harnwegsinfekts kann ein Zeitraum von wenigen Stunden bis zu drei Tagen liegen - die sogenannte Inkubationszeit. Die Gefahr sich über normalen Kontakt mit anderen Menschen anzustecken ist jedoch absolut vernachlässigbar.

Wo finde ich weitere Informationen?

Im Anwendungsbereich Niere, Blase, Prostata finden Sie ausführliche Informationen, auch zu Harnwegsinfekten. Dort wird das Ausscheidungssystem genauer vorgestellt und Begriffe wie "Uro-Genitaltrakt" oder "Honeymoon-Zystitis" erklärt. Zudem werden häufig gestellte Fragen beantwortet, etwa warum auch ältere Männer betroffen sind oder wie man Blasenentzündungen vorbeugen kann. Darüber hinaus werden Tipps und bewährte Hausmittel vorgestellt und naturmedizinische Produkte.

Quellen: 
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), www.gesundheitsinformation.de/akute-blasenentzuendung.html, abgerufen am 21.11.2022

Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF), www.frauenaerzte-im-netz.de/erkrankungen/blasenentzuendung/was-ist-eine-blasenentzuendung/, abgerufen am 21.11.2022

Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK), www.gesundheit.gv.at/krankheiten/nieren-harnblase/harnwegsinfektion.html, abgerufen am 21.11.2022

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