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Interview

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Dr. Christina Ulm, Fachreferentin Medizinische Wissenschaft bei Pascoe Naturmedizin im Gespräch mit Edith Sasse, Apothekerin in der Apotheke Neue Mitte in Pohlheim. www.apotheke-neue-mitte-pohlheim.de

©iStockphoto.com

1. Frau Sasse, was macht für Sie eine gute Beratung in der Apotheke aus?
"An erster Stelle stehen für mich die Freundlichkeit und die nötige Kompetenz. Durch den persönlichen Kontakt können wir direkt auf Probleme und Wünsche eingehen und uns so individuell auf den Patienten einstellen. Eine fundierte Beratung ist wichtiger als der eigentliche Verkauf. Nicht nur für uns. Auch die Kunden wissen diesen Service zu schätzen und suchen das persönliche Gespräch in der Apotheke.

Eben weil es um Krankheiten bzw. Heilung geht, kann das persönliche Wort direkt nach dem Arztbesuch wie Balsam für die Seele wirken."

2. Gibt es Vorteile einer lokalen Apotheke gegenüber einer Versandapotheke
"Die persönliche Beratung durch den Apotheker oder die pharmazeutischen Angestellten ist nicht zu ersetzen. Zwar müssen jedem zugelassenen Medikament in Deutschland Packungsbeilagen mit den entsprechenden Pflichttexten zugefügt sein, jedoch ist es damit oft nicht getan: ca. 5% der Kunden, die in meine Apotheke kommen, haben generell Schwierigkeiten mit dem Lesen oder ältere Kunden können z.B. durch Augenkrankheiten, die kleine Schrift kaum entziffern. 

In diesen Fällen ist es unsere Aufgabe über Dosierung, Einnahmezeitpunkt und mögliche Wechselwirkungen zu informieren. Das kann eine anonyme Versandapotheke nicht leisten. Gerade die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder auch Nahrungsmitteln wird häufig unterschätzt.

Ein weiteres Problem sind gefälschte Medikamente. Die Gefahr, im Internet auf ein Plagiat zu stoßen, ist sehr groß, denn ein Laie kann den Unterschied häufig nicht erkennen."

3. Haben sich die Ansprüche und Erwartungen der Kunden durch das Internet verändert?
"Ja, tatsächlich. Es werden vermehrt Preise verglichen. Häufig kann eine kleine, lokale Apotheke nicht die Preise anbieten, wie ein Internetriese oder eine Kettenapotheke. Am Ende des Tages sind die Preise oder der vermeintliche "Mehrgewinn" durch die Bestellung im Internet aber gar nicht so groß. Eine Versandgebühr entfällt natürlich, wenn man seine Apotheke des Vertrauens aufsucht. Und der bereits angesprochene Service kann durch das Internet nicht geleistet werden. Verträgt man ein Medikament mal nicht, oder hat man im Nachgang noch eine Frage zu Wechsel - oder Nebenwirkungen genügt ein Anruf oder der Besuch in der Apotheke.

Wir können hier natürlich sehr viel individueller reagieren, als es eine Internetapotheke schafft. Gerade bei aufgetretenen (sichtbaren) Nebenwirkungen ist ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht durch Nichts zu ersetzen!"

4. Lässt sich eine gesteigerte Nachfrage nach naturheilkundlichen OTC-Präparaten feststellen?
"Unbedingt. In den letzten Jahren hat sich die Nachfrage enorm gesteigert. Die Kunden sind auf der Suche nach alternativen Möglichkeiten. Das Bewusstsein hat sich natürlich auch stark geändert. Durch die Zusatz- oder Hilfsstoffe in unseren Lebensmitteln sind Allergien oder sonstige Begleiterscheinungen drastisch gestiegen und daher möchte man bei Medikamenten auf die zusätzliche "Chemie" gerne verzichten.

Besonders schön finde ich hier natürlich auch die Zusammenarbeit mit Pascoe. Ich schätze das Familienunternehmen sehr und bin beeindruckt von der großen Produktpalette. Zusätzlich finde ich es schön, mit einem lokalen Partner zusammenzuarbeiten. Das stärkt die regionale Gemeinschaftlichkeit."

5. Hat sich das Berufsbild des Apothekers in den letzten Jahren verändert?
"Das Berufsbild hat sich sehr stark verändert! Hat der Apotheker früher noch als "Alchemist" im Hintergrund Rezepturen zusammen gemischt, tritt er heute deutlich mehr in Erscheinung und fungiert mehr als Betriebswirt, denn als reiner Wissenschaftler. Die Kunst ist hierbei jedoch, die Wissenschaft mit der Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen. Dennoch erfährt der Beruf mehr Honorierung als früher, wahrscheinlich auch durch die steigenden Ansprüche der Kunden. Auch Politik und Gesundheitswesen spielen eine große Rolle. Durch Kassen- und Rabattverträge sind wir gezwungen, uns ständig auf den neuesten Stand zu bringen. Und das ist bei 70 000 Medikamenten in Deutschland keine leichte Aufgabe."

Ich bedanke mich recht herzlich bei Frau Sasse für das interessante Gespräch.