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Die Schwarze Nieswurz - Eine Nierenpflanze stellt sich vor

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Sie ist bildschön und gleichzeitig mit Respekt zu behandeln: die Schwarze Nieswurz (Helleborus niger). Obschon giftig und daher nicht pur einzunehmen, ist die Nieswurz in arzneilicher Aufbereitung, in niedriger Dosierung und homöopathisch potenziert, eine der wirksamsten Heilpflanzen bei Erkrankungen der Nieren.

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Die wegen ihrer Blütezeit im Winter auch Schnee- oder Christrose genannte Pflanze war bereits im Altertum als Heilpflanze bekannt. Angeblich soll der Ziegenhirt Melampus die Töchter des Königs Proitos von Argos mit Helleborus niger vom Wahnsinn geheilt haben. Diese Anekdote muss man zu lesen verstehen: Als „Wahnsinn” wurden in der Antike auch Verwirrungszustände bezeichnet, die entstehen, wenn der Körper seine Stoffwechselgifte nicht mehr ausreichend über die Nieren ausleiten kann. Eine intakte Nierenfunktion ist der beste Schutz, um Säuren und harnpflichtige Abbauprodukte aus dem Blut mit Hilfe des Urins auszuscheiden und damit auch das Gehirn vor einer toxischen Überlastung zu schützen. Dies wussten bereits die Weisen des Altertums, wie der griechische Naturforscher Theophrastos von Eresos um 300 v. Chr. berichtet: Sie schätzten die Schwarze Nieswurz als lebensverlängerndes Mittel und zur Pflege der Geistesklarheit. Auch der Frankfurter Arzt Adamus Lonicerus schrieb im 16. Jahrhundert: „Wer die Wurtzel stets und mit Bescheidenheit braucht, der bekomt ein rein Blut: ferner reiniget sie also gebraucht, das Haupt und alle Glieder deß Haupts, behütet auch vor vielen Kranckheiten mehr.” Auch Lonicerus hatte erkannt, dass Übersäuerungszustände auf die Psyche schlagen können und empfahl in diesen Fällen wärmstens diese Pflanze: Sie „ist Menschen, so böse Gedancken haben, innerlich gebraucht, sehr bequem.”

Samuel Hahnemann, der Gründer der Homöopathie, beschrieb um 1800 die explizite Nierenwirkung dieser Pflanze, ihre „harntreibende Kraft in Wassersuchten”. Bis heute wird die Schwarze Nieswurz in der Homöopathie bei generalisierten Ödemen, akuter Nierenentzündung, Nierenschädigungen durch Scharlach, Nierenschwäche, Harnvergiftung und Blasenleiden eingesetzt. Auch bei Gicht, der Ablagerung von Harnsäurekristallen in Gelenken und Geweben, bewirkt Helleborus niger eine starke Entsäuerung und aufgrund dessen eine spürbare Schmerzreduzierung. Sog. kardiale Ödeme, also Wassereinlagerungen im Körper aufgrund von Herzschwäche, werden durch die Gabe der Schwarzen Nieswurz ebenfalls gebessert.

Die etwa dreißig Zentimeter hohe Pflanze erhielt ihren Namen von ihrem schwarzen Wurzelstock. Ihre weißen Blüten öffnen sich erst gegen Weihnachten. So schön sie anzuschauen ist, so unangenehm riecht sie. Nicht nur weil sie unter Naturschutz steht, sondern auch wegen einiger giftiger Inhaltsstoffe sollte man sie nicht pflücken oder im puren Zustand verwenden. In arzneilicher Aufbereitung und homöopathischer Potenzierung ist sie hingegen ein erstrangiges Heilmittel, z. B. bei Symptomen wie häufigem Harndrang, schwachem Harnstrahl, dunklem Harn, Eiweiß im Urin und Nierenkopfschmerz.

Helleborus niger ist in vielen Traditionspräparaten der Naturmedizin für die Behandlung von Nierenleiden enthalten.

Bleiben Sie gesund!
Ihr PASCOE-Team

Literatur:
1. Adamus Lonicerus: Kreuterbuch. Gedruckt und verlegt bei Matthäus Wagner, 1582
2. Gerhard Madaus: Lehrbuch der Biologischen Heilmittel. Band 7. Mediamed Verlag, Ravensburg 1989
3. Friedemann Garvelmann: Pflanzenheilkunde in der Humoralpathologie. Pflaum Verlag, München 2000
4. Der Neue Clarke – Eine Enzyklopädie für den homöopathischen Praktiker. Band 2
5. Dr. Grohmann Verlag für homöopathische Literatur. Bielefeld 2001