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Weltlepratag – warum ein Tag für eine Krankheit, die es doch gar nicht mehr gibt, oder?

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Viele glauben, dass Lepra eine Krankheit der Vergangenheit ist. Aber es gibt sie noch und sie betrifft tausende von Menschen überall auf der Welt, vor allem in Asien, Afrika und Südamerika. Man spricht davon, die Krankheit zwar nicht ausgerottet, aber unter Kontrolle zu haben.

Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. (DAHW) schätzt die Zahl der jährlich weltweit vorkommenden Neuinfektionen auf etwa 230.000 bis 270.000 (Stand 2008) – das sind u.U. mehr als 700 Menschen jeden Tag. Lepra kommt in allen armen Ländern vor. Es ist eine Krankheit der „armen Menschen”, während aufgrund der Behandlungsmöglichkeiten mit Antibiotika inzwischen in Ländern mit entwickelter Gesundheitsversorgung nahezu keine Fälle mehr auftreten. Armut, schlechte hygienische Verhältnisse, verschmutztes Wasser und unzureichende Ernährung begünstigen die Ansteckung – weil all diese Faktoren das Immunsystem schwächen.

Lepra, was ist das?
Tatsächlich ist Lepra ist eine der ältesten bekannten Krankheiten, und sie wird schon in den frühesten Schriften erwähnt. Synonyme für die bakterielle Infektionskrankheit sind Aussatz, Hansen-Krankheit, Morbus Hansen und Miselsucht.

Der Verursacher dieser chronischen Erkrankung ist das „Mycobacterium Leprae” (naher Verwandter des Tuberkulose-Bazillus), welches erst 1873 vom Norweger Dr. G.A. Hansen erstmals beschrieben wurde. Bis heute hat man nicht abschließend herausgefunden, auf welchem Weg die Übertragung erfolgt. Menschen mit Lepra setzen große Mengen der eigentlich nicht sehr ansteckenden Erreger aus Mund und Nase frei. Es ist wahrscheinlich, dass diese Erreger durch Einatmen, also per Tröpfcheninfektion, wie etwa bei der Grippe aufgenommen werden.

In der Regel sind die ersten äußeren Anzeichen meist helle bzw. rötliche Hautflecken, ggf. dortiger Haarausfall, verbunden mit Gefühlsverlust an diesen Stellen. Von diesem Frühstadium ausgehend kann die Erkrankung stagnieren, spontan abheilen oder sich zu einer der 3 bzw. 4 eingeteilten Erscheinungsformen weiterentwickeln. Welche Art von Lepra sich bei einem Menschen ausbildet, ist abhängig von seinem individuellen Immunsystem, nicht von Erregern. Es gibt nur einen Erreger, aber verschiedene Arten darauf zu reagieren. Wenn eine Person keinen Immunschutz (Resistenz) hat, kann sich der Erreger frei in der Haut vermehren, in der Nase und sogar in inneren Organen wie der Leber. Das ist lepromatöse Lepra. Charakteristisch sind die hellroten bis braunen Leprome, die das Gesicht und andere Körperteile zersetzen. Besonders im Gesicht verschmelzen diese zu einem „Löwengesicht” (Facies leonina). Im weiteren Verlauf kann ein geschwüriger Zerfall mit Befall von Knochen, Muskeln und Sehnen und einem Befall der inneren Organe erfolgen. Tatsächlich führt aber nicht das auslösende Bakterium dazu, dass Gliedmaßen der Erkrankten verloren gehen – ein Bild welches zumeist mit Lepra assoziiert wird – sondern durch den Befall des Nervensystems bemerken die Infizierten einfache Verletzungen nicht mehr. Folglich unterbleibt die Versorgung dieser Wunden, es kommt zu Entzündungen und schließlich zum Absterben ganzer Körperteile. Auch der Tod tritt nicht unmittelbar durch das Mykobakterium, sondern durch sich aufsetzende (Sekundär-) Infektionen mit anderen Krankheitserregern ein.

Es gibt auch tuberkuloide, grenzhafte (Borderline) und indeterminate Lepra mit jeweils anderen, z.T. deutlich schwächeren Symptomen. Manche Menschen sind sogar resistent und werden nie klinische Symptome von Lepra zeigen.

Grundsätzlich gilt Lepra heutzutage als heilbar, wobei die Heilungsaussichten sowie die geeignete Therapieform von der Erscheinungsform und dem Fortschritt der Erkrankung abhängen. Um also die zuvor beschriebenen Verstümmelungen bis hin zum Tod zu vermeiden,

wird alles daran gesetzt, Leprakranke im Frühstadium zu finden und zu behandeln. Mit einer medikamentösen Kombinationstherapie sind leichte Fälle von Lepra innerhalb von 6 Monaten geheilt, schwere Fälle müssen bis zu 2 Jahre medikamentös behandelt werden.

In günstigen Fällen sieht man der Betroffenen nach der Behandlung ihre alte Krankheit nicht mehr an und sie müssen meistens nicht unter den vielfältigen Diskriminierungen leiden, denen sonst ehemalige Leprakranke ausgesetzt sind. Die Angst vor dieser Krankheit, die soziale Ausgrenzung kann oft mehr Schaden anrichten als die Krankheit selbst.

Im Umfeld größerer Städte entwickelte sich ab dem 11. Jahrhundert mit den Leprosenhäusern eine eigene Hospizform, welche diesem Umstand geschuldet ist. Heute liegt in einem kleinen spanischen Dorf nahe der Costa Blanca das letzte Sanatorium speziell für die Behandlung an Lepra Erkrankter in Europa. Zurzeit werden noch etwa 60 akut Kranke oder von der Krankheit gezeichnete Personen betreut. In Japan wurden Infizierte bis 1996 aufgrund eines Gesetzes von 1931 lebenslang in geschlossenen Anstalten mit Zwangssterilisation und Zwangsarbeit inhaftiert, auch als schon Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung standen.

Glücklicher Weise ist die Anzahl der Neuinfektionen weltweit seit Jahrzehnten deutlich rückläufig und seit einigen Jahren ungefähr konstant. Obwohl es immer noch Versorgungsschwierigkeiten mit den benötigten Medikamenten in Entwicklungs- und Schwellenländern gibt, konnte die Lepra in den 1990er Jahren weiter zurückgedrängt werden. Die WHO ist mit der Ausrottung dieser Seuche beschäftigt. 

Quellen:
- Gross/ Schölmerich/ Gerok, Innere Medizin, Schattauer-Verlag 2000: Mykobakterium Leprae
- Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. (DAHW), http://www.dahw.de/lepra-tuberkulose-buruli/lepra
- Springer Lexikon Medizin: Lemma Lepra. Springer, Berlin 2004
- Journal of Japanese Studies, Vol. 38 (2012), Rethinking 'Leprosy Prevention'
- Lepra-Mission Schweiz, http://www.lepramission.ch/