Von Thomas Kammler

Vitamin D nicht ohne Vitamin K?

2911: 0

Müssen beide Vitamine zwingend zusammen genommen werden?

Vitamin D Kapseln

Oft liest man, man dürfe Vitamin D auf keinen Fall ohne Vitamin K zu sich nehmen – aber stimmt das überhaupt? Als generelle Aussage betrachtet: Nein! Denn es kommt auf die Dosis des Vitamin D an. Bei Vitamin D als Nahrungsergänzung in den erlaubten Mengen von maximal 800 I.E. pro Tag ist ein Vitamin-K-Mangel nicht wahrscheinlich und keine zusätzliche Einnahme von Vitamin K (K1, K2) notwendig. Im Folgenden erklären wir die Hintergründe dazu.

Wofür ist Vitamin D gut? Eine aktuelle Einschätzung

Das Wissen über die wesentliche Rolle von Vitamin D in unserem Körper konnte in den letzten Jahren deutlich erweitert werden. Lange Zeit war der Stoff nur als Knochen-Vitamin* bekannt. Die Forschung konnte aber zeigen, dass Vitamin D in unserem Körper für viele weitere Funktionen gebraucht wird. Besonders viel Vitamin D wird für ein intaktes Immunsystem* benötigt, denn dort wird mehr Vitamin D verbraucht als bei anderen Körperfunktionen. 

Den größten Teil des Vitamin-D-Bedarfs deckt der Körper über die Eigensynthese: Der menschliche Organismus ist in der Lage, selbst Vitamin D über die Haut zu bilden, sofern ausreichend Sonnenbestrahlung vorhanden ist. Ein kleinerer Teil kann auch über die Ernährung (bspw. Fetter Seefisch) gedeckt werden – die meisten natürlichen Lebensmittel enthalten hingegen kaum nennenswerte Mengen Vitamin D. Immer beliebter werden daher Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D. 

Vitamin D niemals ohne Vitamin K?

Häufig liest man allerdings, dass eine Gabe von Vitamin D niemals ohne begleitende Vitamin-K-Einnahme erfolgen sollte, da das erhöhte Angebot an Vitamin D Stoffwechselwege anregt, die Vitamin K verbrauchen. Grundsätzlich sind Vitamin D und Vitamin K nämlich biochemisch sehr eng vergesellschaftet, vor allem zur Erhaltung normaler Knochen. Was bewirkt K2 bei Vitamin D? Beide benötigen sich gegenseitig: Wenn Vitamin D oder Vitamin K im Mangel ist, kann das jeweils andere nicht richtig wirken. 

Aber: Keine Studie hat einen durch Vitamin D ausgelösten Vitamin-K-Mangel nachgewiesen

Schaut man sich die wissenschaftliche Literatur zu dieser Fragestellung an, stellt man fest: Es gibt keine klinische Studie, also eine Studie am Menschen, die die These belegt, dass eine zusätzliche Vitamin-D-Gabe Vitamin K verbraucht und damit zu einem Vitamin-K-Mangel führen kann.  
Allerdings sind die theoretischen Überlegungen, die zu dieser These führen, biochemisch schlüssig, und die Wahrscheinlichkeit für den Vitamin-K-Verbrauch steigt, je höher die Vitamin-D-Supplementation dosiert ist, da durch die Vitamin-D-Supplementation Stoffwechselwege angekurbelt werden, die auch Vitamin K verbrauchen. Bei den empfohlenen Dosierungen kann man davon ausgehen, dass so viel Vitamin K verbraucht wird, dass es zu einem Vitamin-K-Mangel kommen könnte. 

Zusätzlich Vitamin K? Auf die Dosis des Vitamin D kommt es an

In Deutschland gelten Nahrungsergänzungsmittel mit 800 bis 1000 internationalen Einheiten („I.E.“) Vitamin D pro Tag als verkehrsfähig. Sie folgen damit der Zufuhrempfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, die 800 I.E. pro Tag als Referenzwert ausgibt. Da Vitamin D fettlöslich ist und vom Körper gespeichert werden kann, sind Wochendepots eine bequeme Alternative dazu, nicht jeden Tag eine Kapsel oder Tablette einnehmen zu müssen. Hier wird beispielsweise die Menge von 800 I.E. für 7 Tage auf einmal eingenommen, also 5.600 I.E. einmal pro Woche. 

Werden solche Dosierungen als Nahrungsergänzung gegeben, ist ein Vitamin-K-Mangel nicht wahrscheinlich – und eine zusätzliche Gabe von Vitamin K nicht notwendig. Vitamin K ist eine Sammelbezeichnung für Vitamin K1 (Phyllochinon), welches vorwiegend in pflanzlichen Lebensmitteln vorkommt, und das vorwiegend aus tierischen Quellen stammende Vitamin K2 (Menachinon). 

Vitamin K in Lebensmitteln: Sichert eine ausgewogene Ernährung die Vitamin-K-Versorgung?

Vitamin K kommt in Lebensmitteln häufig vor und wird daher in aller Regel ausreichend über die Ernährung aufgenommen (z.B. über grünes Blattgemüse wie Spinat, Wirsing oder Grünkohl, anderem Gemüse wie Brokkoli, aber auch in nennenswerten Mengen in weiteren häufig verzehrten Lebensmitteln wie Getreide, Obst sowie tierischen Produkten wie Milch und Milchprodukten, Fleisch und Eiern). Bei einer ausgewogenen Ernährung kann man also davon ausgehen, ausreichend mit Vitamin K versorgt zu sein.

Sind hochdosierte Vitamin-D-Gaben gefährlich?

Bei der längerfristigen Einnahme von wesentlich höheren Dosen Vitamin D besteht allerdings die Möglichkeit eines erhöhten Vitamin-K-Verbrauchs und damit durchaus der Entstehung eines Mangels. Ob tatsächlich ein Mangel an Vitamin K besteht, kann aber nur durch eine Laboruntersuchung des Blutes bestimmt werden. Diese ist bei sehr hohen Dosierungen von Vitamin D unbedingt anzuraten, denn auch der Calciumspiegel muss regelmäßig kontrolliert werden. 

Vitamin D sinnvoll dosieren

Hier gerät die eigene, sichere Selbstversorgung also an ihre Grenzen: Hochdosierte Vitamin-D-Gaben sind ein Eingriff in die Biochemie des Körpers – und daher mit Blick auf eine mögliche Überdosierung keineswegs ungefährlich! Sie sollten deshalb über längere Zeit nur unter fachkundiger therapeutischer Begleitung eingenommen werden und sind daher in der Regel auch als Arzneimittel zugelassen. Um seinem Körper nicht zu schaden und auf der sicheren Seite zu sein, folgt man den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und nutzt Nahrungsergänzungsmittel mit 800 I.E. pro Tag bzw. ein Wochendepot mit 5.600 I.E. wie Vitapas D. Hier ist die Menge an Vitamin D so gewählt, dass eine Vitamin-K-Versorgung über die Ernährung absolut ausreichend ist und kein zusätzliches Vitamin K benötigt wird.

* Vitamin D trägt bei zu…

  • einer normalen Aufnahme und Verwertung von Calcium und Phosphor
  • einem normalen Calciumspiegel im Blut
  • der Erhaltung normaler Knochen
  • der Erhaltung einer normalen Muskelfunktion
  • der Erhaltung normaler Zähne
  • einer normalen Funktion des Immunsystems
  • einer normalen Zellteilung