Von Thomas Kammler

Linus Pauling: Mensch, Nobelpreisträger und Pionier des Vitamin C

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Orthomolekulare Medizin: Welche Rolle Vitamine für die Gesundheit spielen

Reagenzgläser in einem Chemie-Labor

Linus (eigentlich Linus Carl) Pauling kam am 28.2.1901 als Sohn deutscher Einwanderer im US-amerikanischen Portland, Oregon zur Welt. Er studierte Chemie, Physik und Mathematik. Bereits im frühen Alter von 16 Jahren schrieb der junge Linus sich hierfür am Oregon Agricultural College (OAC) ein (heute: Oregon State University).

1925 promovierte Linus Pauling zum Dr. phil. Mit einem Guggenheim-Stipendium in der Tasche setzte der Chemiker seine Studien in Europa fort. Diese anderthalb Jahre verbrachte Linus Pauling größtenteils in München; er studierte aber auch einige Monate in Kopenhagen.

Chemie-Nobelpreis für Linus Pauling

Mit seinen Kenntnissen der Röntgenanalyse, der Elektronenbeugung und der Quantenmechanik gelang es ihm, die chemische Wissenschaft auf ein neues Fundament zu stellen. Seine Arbeit „The Nature of the Chemical Bond“ gilt als Meilenstein in der Geschichte der Naturwissenschaft. Im Jahr 1949 gelang Linus Pauling der Nachweis, dass die Sichelzellenanämie durch einen genetischen Defekt verursacht wird. Für die Aufstellung des Helix-Modells der Proteine erhielt er 1954 den Nobelpreis für Chemie.

Linus Pauling: Einsatz für den Frieden mit Friedensnobelpreis ausgezeichnet

Nach der Verleihung des Nobelpreises begann Pauling sich intensiver mit humanitären Problemen zu beschäftigen und pazifistisch zu engagieren. Der Name Linus Pauling wurde einer breiten Öffentlichkeit außerhalb der Naturwissenschaft erst dann bekannt, als er sich für die Einstellung der Atomwaffentests in unserer Atmosphäre einsetzte. Pauling stellte die physikalischen Vorgänge einer Kernwaffenexplosion so dar, dass sie auch ein Mensch mit wenig Physik-Vorkenntnissen sie verstand. Pauling hasste Krieg, er fand Krieg zu führen inakzeptabel, und er machte keinen Hehl aus dieser Einstellung. Seine pazifistische Überzeugung teilte er mit seinem Freund Albert Einstein. 1958 überreichte Linus Pauling den Vereinten Nationen einen von mehr als 11000 Wissenschaftlern aus 48 Ländern unterzeichneten Appell zur Einstellung der Kernwaffentests. Die öffentliche Kontroverse, die durch Pauling in Gang gesetzt worden war, veranlasste die Supermächte schließlich, auf Atombombentests in der Atmosphäre zu verzichten. 1963 unterzeichneten sie den Vertrag über diesen Verzicht, der am gleichen Tag in Kraft trat, an dem Pauling für sein politisches Engagement mit dem Friedennobelpreis für 1962 ausgezeichnet wurde. Neben Marie Curie ist Linus Pauling damit der einzige Nobelpreisträger, der vom Nobelpreis-Komitee mit Ehrungen in unterschiedlichen Kategorien (Curie: Physik und Chemie, Pauling: Chemie und Friedensnobelpreis).  

"Vitamine! Vitamine!": Linus Paulings Begeisterung für gesunde Mikronährstoffe und Orthomolekulare Medizin

In den letzten Jahren seiner beruflichen Laufbahn konzentrierten sich die Interessen des Chemikers auf medizinische Fragen der Ernährung und die Rolle der Mikronährstoffe und Vitamine. Besonders das Vitamin C hatte es Linus Carl Pauling angetan. Pauling nahm an, dass der Mensch im Laufe der Evolution die Fähigkeit zur körpereigenen Produktion von Vitamin C verloren habe. Dies ist den meisten Lebewesen nach wie vor möglich. Da dem Körper durch die Ernährung nur relativ kleine Mengen des Vitamins zugeführt werden, empfahl er eine zusätzliche Vitamin-C-Gabe in extremer Dosierung. Er meinte, die Dosierung sollte mindestens so hoch sein, wie die Menge, die die meisten Tiere in ihren Körpern selbst produzieren, etwa eine Menge von 10-12 Gramm pro Tag. Linus Pauling praktizierte was er empfahl. In seinen letzten Lebensjahren nahm er hochdosiertes Vitamin C ein: täglich 18 Gramm . 1970 wurde sein Buch „Vitamin C and the Common Cold“ veröffentlicht. Sein Interesse für orthomolekulare Medizin führte ihn schließlich 1973 zur Gründung des Linus Pauling Institute of Science and Medicine in Palo Alto, Kalifornien.

Linus Carl Pauling starb am 19. August 1994 im hohen Alter von 93 Jahren auf seiner kalifornischen Ranch in Big Sur.