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Gut kombiniert: Bluthochdruck im Dialog mit Apothekerin Dr. Miriam Ude

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Bluthochdruck im Dialog: Was muss bei einer unterstützenden Therapie beachtet werden?

Fast jeder vierte Deutsche hat einen zu hohen Blutdruck. Klassische Medikamente bringen oft nicht den gewünschten Erfolg. Eine begleitende Therapie kann unterstützend helfen, die Werte dauerhaft zu senken. Was dabei beachtet werden muss, erklärt Dr. Miriam Ude, Fachapothekerin für Arzneimittelinformation und Mitinhaberin der Stern Apotheke in Darmstadt.  Frau Dr. Ude, wenn der Arzt einen zu hohen Blutdruck feststellt, verschreibt er meist ein Medikament, um ihn zu senken. Was geben Sie einem solchen „Hochdruck-Neuling“ in der Apotheke mit auf den Weg?

Das Wichtigste ist die Therapietreue. Das ist vielen fremd, die bisher kein Dauermedikament bekommen haben. Eine Kopfschmerztablette wirkt sofort. Sind die Schmerzen weg, muss man keine weitere schlucken. Ein Mittel gegen hohen Blutdruck muss jedoch jeden Tag genommen werden, auch wenn der Blutdruck sich nach ein paar Wochen wieder normalisiert oder zumindest sinkt. Das ist für viele schwer zu verstehen.

Viele Neu-Patienten klagen über Nebenwirkungen. Womit müssen sie rechnen?

Wer Betablocker nimmt, fühlt sich häufig müde, abgeschlagen und nicht leistungsfähig, manchmal sogar depressiv. Diese Mittel senken die Herzfrequenz, das Herz wird in eine Art Schongang versetzt. Andere Arzneimittel verursachen starke Kopfschmerzen und einen roten Kopf. Das alles kann unangenehm sein, besonders weil ein Bluthochdruck nicht weh tut und Betroffene sich ohne Therapie meist gut gefühlt haben. In der Regel verschwinden solche Nebenwirkungen in den ersten Behandlungswochen wieder, wenn der Körper sich an das Mittel gewöhnt hat. Da heißt es, durchhalten und abwarten, bis das Medikament seine volle Wirkung entfaltet hat. Problematischer kann etwa ein Reizhusten sein, der bei der Einnahme von ACE-Hemmern auftritt. Der geht unter Umständen nicht wieder weg. Dann sollte der Patient mit seinem Arzt sprechen und das Präparat wechseln. 

Bei welchen Problemen sollten Betroffene zügig noch einmal zu ihrem Arzt?

Schwierigkeiten kann es vor allem geben, wenn Patienten unter weiteren Erkrankungen leiden und von verschiedenen Fachärzten behandelt werden. Ein Diabetiker nimmt unter Umständen bereits Medikamente ein, die sich nicht mit allen Blutdruckmitteln vertragen. Er darf zum Beispiel keine Betablocker bekommen. Das trifft auch auf Asthmatiker zu. Wenn bei uns in der Apotheke Rezepte von Ärzten, die nichts voneinander wissen, zusammenlaufen, schicken wir die Betroffenen noch einmal in die Praxis. Und natürlich kontrollieren wir, welche Wechselwirkungen bei gleichzeitiger Einnahme der verschiedenen Arzneimittel auftreten können.

Wie lange dauert es, bis Blutdruck-Präparate Erfolge zeigen?

Das hängt davon ab, an welcher Stelle im Körper ein Mittel angreift. Einige Blutdrucksenker wirken an den Nieren, andere an den Gefäßen oder an bestimmten Rezeptoren, die den Blutdruck regulieren. Vier Wochen sollte man schon abwarten, um zu schauen, was das Präparat bringt. Neu diagnostizierte Hypertoniker haben normalerweise häufige Wiederholungstermine bei ihrem Arzt. So kann er engmaschig kontrollieren, wie sich der Blutdruck entwickelt und ob Nebenwirkungen auftreten. Wenn sich der gewünschte Erfolg nicht einstellt, verordnet der Arzt meist ein anderes oder ein zusätzliches Medikament. Dann kann auch überlegt werden, die Therapie durch ein naturheilkundliches Mittel zu unterstützen. Das könnte den Organismus möglicherweise ganzheitlich dabei unterstützen, den Blutdruck wieder besser zu regulieren.

Was sollte jemand beachten, der seinen schulmedizinischen Blutdrucksenker mit einem solchen naturheilkundlichen Mittel kombinieren möchte?

Wer ein solches Mittel einnehmen will, darf dafür auf keinen Fall ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt sein verordnetes Arzneimittel absetzen oder die Dosis verringern. Ganz wichtig ist außerdem die Kontrolle des Blutdrucks, auch regelmäßig zu Hause. Hypertoniker haben den Riesenvorteil, dass sie Therapieerfolge sofort messen und sehen können. Am besten achten sie darauf, ein Messgerät zu kaufen, dass ein Prüfsiegel der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL trägt. Wer Probleme hat, damit umzugehen, oder nicht weiß, ob er die Manschette richtig anlegt, kann sich in der Apotheke beraten lassen. Eine falsche Messung verzerrt die Ergebnisse und hat unter Umständen falsche Konsequenzen für die Therapie. Der Arzt ist auf exakte Werte angewiesen. Also die Daten in einem Blutdruckpass notieren, den es ebenfalls in der Apotheke gibt. Die meisten Geräte speichern sie heute aber auch.

Und was muss man bei der Einnahme berücksichtigen?

Ich würde die Einnahme von Medikamenten nicht auf zu viele Zeitpunkte verteilen, sonst vergisst man leicht etwas. Grundsätzlich können schulmedizinische Blutdrucksenker und das homöopathische Komplexmittel gleichzeitig verabreicht werden. Die Schemata für eine Hypertonie-Behandlung sind sehr unterschiedlich. Bei einigen Patienten sinkt der Blutdruck nachts nicht ab, die brauchen ihr Arzneimittel auch abends noch mal. Das ist bei anderen nicht nötig.

Kann man unter Umständen auch das schulmedizinische Präparat reduzieren?

Das kann nur der Arzt entscheiden. Deshalb würde ich ihn immer mit ins Boot holen. In jedem Fall sollte man auch einem naturheilkundlichen Mittel mindestens drei, vier Wochen Zeit geben, seine Wirkung zu entfalten, bevor die schulmedizinische Therapie angepasst wird. Haben sich Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwindel oder Nasenbluten, also Beschwerden, die der hohe Blutdruck verursacht hat, deutlich verbessert, sollte man auf jeden Fall mit dem Arzt sprechen. 

Welche Möglichkeiten haben Betroffene noch, eine Behandlung mit Blutdrucksenkern zu unterstützen?

Durch eine Veränderung des Lebensstils lässt sich, wie Studien gezeigt haben, ein hoher Blutdruck oft günstig beeinflussen. Mehr Bewegung, Reduktion von Übergewicht, eine gesündere Ernährung, weniger Salz und Alkohol, Abbau von Stress – das alles kann Erfolge bringen. Wir können in der Apotheke Tipps dafür geben, aber auch Experten wie Ernährungsberater vermitteln. 

Wann reichen solche Maßnahmen und ein naturheilkundliches Mittel vielleicht sogar allein aus, um den Blutdruck wieder zu normalisieren?

Der Grenzwert für Hypertonie liegt bei 140/90 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule). Bei Werten in diesem Bereich empfehlen die Ärzte, wenn keine zusätzlichen Erkrankungen vorliegen, meist, sechs Monate abzuwarten und zu versuchen, den Blutdruck durch allgemeine Maßnahmen zu senken. Zusätzlich ein naturheilkundliches Mittel zu nehmen, macht da durchaus Sinn. Wichtig ist jedoch, den Hochdruck in dieser Zeit gut zu beobachten. Sonst wird eine notwendige medikamentöse Therapie vielleicht zu lange hinausgeschoben. Das kann die Prognose verschlechtern und das Risiko für gefährliche Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen.