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Die Königin der Gewürze, eine goldene „Nuss“ und eine Grabbeigabe des Tutenchamun

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Weihnachtlicher Gewürzzauber Teil II: Vanille, Muskatnuss und Koriander

Vanille (Vanilla planifolia), die Königin der Gewürze

Die Echte Vanille ist eine Kletterpflanze mit meterlangen Sprossen. Wie man anhand der Blüte erkennen kann, handelt es sich um eine gelbblühende Orchidee. Ursprünglich stammt die Pflanze aus Mexiko und wurde von den Spaniern nach Europa gebracht.
Der Handelsname „Bourbon-Vanille“ stammt von einem ehemaligen Hauptlieferanten der Vanille, der Insel La Réunion im Indischen Ozean. Sie war bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts unter dem Namen „Île Bourbon“ bekannt.

Das Gewürz Vanille entsteht aus den fermentierten Samenkapseln („Schoten“) der Vanillepflanze. Der langwierige Prozess der Fermentation, der aus Blanchieren, Trocknen in der Sonne und Reifung besteht, sowie die aufwändige Bestäubung der Vanilleblüten von Hand machen die im Handel erhältlichen Vanille-Schoten vergleichsweise teuer. Die meisten davon stammen aus Madagaskar, die teuersten Qualitäten aus Tahiti.

Als Heilpflanze spielt die Vanille eine untergeordnete Rolle, sie soll allerdings stimmungsaufhellend und beruhigend wirken. Kulinarisch hingegen hat die Vanille weit mehr zu bieten als Gewürz von Vanillekipferl, Vanilleeis oder Pudding: mittlerweile experimentieren Köche in aller Welt mit Vanille zu Fisch oder Fleisch. Auch zu leicht süßlichen Gemüsen soll die Vanille gut passen, etwa zu Karotten oder Spargel – das ist allerdings Geschmackssache.

Die ausgekratzten Vanilleschoten braucht man übrigens nicht wegzuwerfen, denn aus ihnen lässt sich ganz einfach ein sehr aromatischer Vanillezucker herstellen. Hierfür die ausgekratzten Schoten in ein luftdichtes Gefäß (z.B. ein Einmachglas) voller Zucker stecken. Mit der Zeit geben die Schoten das Aroma an den Zucker ab und man erhält selbstgemachten Vanillezucker.

Muskatnuss (Myristica fragrans) - die goldene „Nuss“

Die Samen vom Myristica fragrans, dem Muskatnussbaum, der bis 15 Meter hoch wird, kennen wir in der Küche als Muskatnuss. Die Früchte des Baums sind hellgelb, pfirsichgroß und springen bei Reife auf. So geben sie die wertvollen Samen preis, die über eine antimikrobielle Wirkung verfügen.
Erfahrungsheilkundlich werden sie bei Magenkrämpfen, Durchfall und Blähungen eingesetzt, aber Vorsicht: Ab einer halben Nuss soll es zu Vergiftungserscheinungen kommen. Äußerlich angewendet wird die Muskatnuss bei Nervenschmerzen und Rheuma (auch hier ist Vorsicht geboten, denn es kann zu allergischen Hautreaktionen führen).

Auch in der Küche ist die Muskatnuss, die seit dem 12. Jahrhundert gehandelt wird und früher wegen ihrer Seltenheit mit Gold aufgewogen wurde, eine beliebte Würze für Kartoffelgerichte und Spinat oder beispielsweise die indische Gewürzmischung Garam Masala. Zum Backen wird Muskatnuss ebenfalls gern verwendet, so auch in den "Nervenkeksen" der Hildegard von Bingen.

Koriander (Coriandrum sativum), braune Samenkugeln als Grabbeigabe der Pharaonen

Schon seit Tausenden von Jahren verwenden die Menschen auf der ganzen Welt den Koriander als Heil- und Gewürzpflanze. Im Grab des ägyptischen Pharaos Tutenchamun wurden beispielsweise Koriandersamen entdeckt oder auch die alten Römer nutzen bereits die Pflanze.
Die Gewürzpflanze Koriander ist ein Doldenblütler und eng mit Dill, Fenchel und Anis verwand. Verwendet werden können das Blattgrün der Pflanze (das einigen Menschen aber zu seifig schmeckt, in der asiatischen Küche aber vergleichbar zu Petersilie eingesetzt wird) und die getrockneten Samen, die einen ganz anderen Geschmack haben: herb-süßlich-aromatisch mit einem Hauch Orange. In der Weihnachtsbäckerei kommen die Samen zum Einsatz. Schwarzbrot, Lebkuchen oder Currys, das sind drei der typischen Einsatzmöglichkeiten von Koriandersamen. In der Küche sollte man immer ganze Koriandersamen verwenden, da sich das Aroma nach dem Mörsern schnell verflüchtigt. Noch besser ist es, den Samen in der Pfanne anzurösten, so kann man noch mehr Geschmack herauskitzeln.
Aus Studien weiß man, dass Koriandersamen bzw. die darin enthaltenen ätherischen Öle über antibakterielle Eigenschaften verfügen und daher als eine Art natürliches Antibiotikum wirken. Traditionell verwendet man Koriander bei Magen-Darm-Beschwerden oder auch zur Entgiftung. In der Ayurveda spricht man außerdem von entzündungshemmenden und antirheumatischen Eigenschaften, was mittlerweile ebenfalls wissenschaftlich untersucht wird.