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Der Fliegenpilz (Amanita muscaria) in der Medizin

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Über Namensfindung, Giftigkeit und Heilwirkung einer ganz besonderen Pilz-Art

Fliegenpilze im Wald

Im Oktober endet die Zeit, in der die Fliegenpilze mit ihren feuerroten Fruchtkörpern mit weißen Tupfen im Wald für farbliche Akzente sorgen. Aber woher hat der Fliegenpilz eigentlich seinen Namen? Er verweist auf seine Fliegen anlockende Wirkung: Kleingeschnitten und in gezuckerte Milch einlegt wurde der Fliegenpilz früher als Fliegenfalle verwendet. Das drückt sich auch in dem lateinischen Namensteil „muscaria“ aus, der Fliege bedeutet.

Fliegenpilz ist nicht gleich Fliegenpilz

Gerade in herbstlicher Dekoration macht der Fliegenpilz mit seinem roten Hut immer eine gute Figur. Was viele nicht wissen: Es gibt neben dem typischen Fliegenpilz (Amanita muscaria), rot mit weißen Tupfen, auch noch weitere Varietäten: var. aureola: ebenfalls rot, aber oftmals ohne Flocken auf dem Hut, var. formosa: orange mit wenigen gelblichen Tupfen. Außerdem gibt es Amanita regalis mit braunem Hut, der dem Pantherpilz fast ähnlicher ist, als dem Fliegenpilz und deshalb – im Gegensatz zu den oben genannten Varietäten – von manchen als eigene Art angesehen wird.

Die halluzinogene Wirkung des Fliegenpilzes

In einigen Kulturen wird der giftige Fliegenpilz zu Rauschzwecken verwendet: beim sogenannten „Pantherina-Syndrom“ stellen sich nach einer halben Stunde bis 3 Stunden nach Verzehr des Giftpilzes unter anderem Unruhe, Veränderung der Stimmung, Störungen des Gefühls von Zeit und Ort, Persönlichkeitsveränderungen und verschiedenartige halluzinogene Effekte bis hin zu handfesten Halluzinationen ein. Einen traditionellen schamanistischen Gebrauch des Fliegenpilzes als Halluzinogen kennt man beispielsweise von sibirischen Völkern.

Fliegenpilze als Glücksbringer

Weshalb gerade ein giftiger Pilz als Symbol für Glück gilt und das Symbol des sprichwörtlichen „Glückspilzes“ geworden ist, weiß man nicht. Möglicherweise kann es mit dem rauschhaften Glücksgefühl beim Verzehr des Pilzes zusammenhängen oder beispielsweise dem Umstand, dass in der Nähe von Fliegenpilzen oftmals auch andere Pilze wachsen, wie etwa der Steinpilz. Oder einfach, weil der Anblick dieses roten Farbflecks im Wald mit seinen weißen Pünktchen einen wirklich erfreut – genau wie der Anblick eines roten Marienkäfers mit seinen schwarzen Pünktchen, der ja das Symbol für einen Glückskäfer ist.

Der Rote Fliegenpilz: Wie bei vielen Heilpflanzen auch macht die Dosis das Gift

Die Giftwirkung des Fliegenpilzes beim Menschen ist auf den Hauptwirkstoff Ibotensäure zurückzuführen. Besonders hohe Konzentrationen finden sich insbesondere unterhalb der roten Haut des Huts, in den Lamellen und im Fleisch des Pilzes. Für die psychotrope Wirkung ist Muscimol verantwortlich, welches sich im natürlichen Zustand des Pilzes nicht finden lässt, aber beispielsweise, wenn der Pilz getrocknet wird. Zudem wird die Ibotensäure im Körper zu Muscimol umgewandelt.

Auch wenn der Fliegenpilz nicht ganz so giftig ist wie seine nahen Verwandten, der Knollenblätter- und Pantherpilz, darf er dennoch nur in sorgfältig aufgearbeiteter und verdünnter Form in Arzneimitteln angewendet werden.

Vergiftung: Keine Selbstversuche mit dem Fliegenpilz!

Nicht nur weil die enthaltenen Pilzgifte Leber und Nerven schädigen können: Auf gar keinen Fall Selbstversuche mit Fliegenpilzen machen (auch nicht kleine Mengen essen), um eine im schlimmsten Fall tödliche Vergiftung zu vermeiden! Besser ist es, den Pilz im Wald stehen zu lassen und sich an seinem herbstlichen Aussehen zu erfreuen.

 

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