Mit Freunden teilen

Depression: eine weise Dame in schwarz oder ein Bleimantel

1955: 0

Zunächst und ganz wichtig: Es handelt sich um eine ernstzunehmende Krankheit

  • Wie viele Menschen sind davon betroffen?
  •  Gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen?
  • Welche Ursachen hat eine Depression?
  • Was kann man gegen Depressionen tun?

Die meisten Menschen erkennen Kopfschmerzen, eine Grippe oder einem Hexenschuss als Krankheit an, weil sie sich einigermaßen darein versetzen können, wie der Betroffene sich fühlt. Aber kaum jemand, der noch nicht selbst davon betroffen war, kann sich in einen Depressiven versetzen. Dieser kann aber die Krankheit genauso wenig einfach abschütteln wie ein Grippe-Patient. Deshalb ist es wenig hilfreich, Betroffenen zu vermitteln, dass sie sich doch einfach nur zusammenreißen sollten.


Es gibt drei besonders typische Symptome einer Depression. Das sind gedrückte Stimmung, Interessen- und Freudlosigkeit und Antriebsschwäche. Diese Symptome können in unterschiedlicher Ausprägung auftreten und mit weiteren Symptomen verbunden sein. Das Wort Depression leitet sich vom lateinischen „deprimere“ ab, was herunter- oder niederdrücken bedeutet. Das spiegelt sich in den Symptomen gleich doppelt wieder: bei der gedrückten Stimmung aber auch bei dem Niedergedrücktsein, also sich nicht mehr aufraffen können.

Eine Depression hat viele Begleitsymptome, zu den häufigsten gehören Schlafstörungen, an denen 80 % aller Depressiven leiden und Ängste, die sogar 95 % der Depressiven betreffen. Depressive haben häufig ein verändertes Schlafmuster, typisch ist das sogenannte frühmorgendliche Erwachen gegen 4 oder 5 Uhr, das von vielen als sehr belastend empfunden wird. Beim Schlaf setzen auch die sogenannten Wachtherapien an. Man hat nämlich beobachtet, dass man Depressionssymptome durch therapeutischen Schlafentzug mildern kann, da er sich ausgleichend auf die Imbalance der Neurotransmitter (Botenstoffe) im Gehirn auswirkt.

Wie viele Menschen sind davon betroffen?

Depressionen sind wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst. Aber seit Jahren ist diese Krankheit auf dem Vormarsch. Fünf Millionen Menschen in Deutschland sind betroffen – aus allen Altersklassen. Die Statistik sagt, dass jeder fünfte Deutsche einmal in seinem Leben an einer Depression erkrankt. Weltweit sind laut Weltgesundheitsorganisation WHO sogar 350 Millionen Menschen depressiv, die Tendenz ist leider weiterhin steigend. Die Dunkelziffer scheint hoch zu sein, weil die Diagnose manchmal sehr schwierig ist. Zunächst meiden Menschen mit depressiven Beschwerden meist den Arztbesuch und jegliche Hilfestellung. Einerseits empfinden sie ihren Zustand nicht als Krankheit. Das ist auch kein Wunder, denn depressive Phasen kennt jeder und man empfindet sie selbst eher als Schwäche, die es zu verbergen gilt. Hinzu kommt, dass das Thema Depression bei uns noch immer nicht frei von Stigmatisierung ist.

Meist sind es erst die körperlichen Symptome, die die Patienten in die Sprechstunde treibt. Für den Arzt ist es dann oft unmöglich zu erkennen, dass die eigentliche Ursache der Schmerzen in einer depressiven und nicht in einer organischen Erkrankung liegt.

Gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen?

Keine Depression ist wie die andere. Die oben genannten Kardinalsymptome sind besonders charakteristisch, individuell gibt es aber sehr große Unterschiede – deutlich werden die zwischen eher introvertierten und extrovertierten Menschen und auch zwischen Männern und Frauen.

Männer haben oft einen erschwerten Zugang zu ihren Gefühlen. Zudem gelten sowohl depressive Symptome als auch die Suche nach Hilfe gerade in deren Augen als unmännliche Schwächezeichen. Infolge der gesellschaftlichen Prägung wird das Zeigen also oft unterbewusst, aber mit allen Mitteln vermieden. Das mag der Grund dafür sein, dass bei Männern mit Depressionen häufig eher beispielsweise Aggression, Drogengebrauch oder riskantes Verhalten im Vordergrund stehen.

Welche Ursachen hat eine Depression?

Leider weiß man über die Krankheit Depression immer noch sehr wenig. Man geht heute davon aus, dass es mehrere mögliche Ursachen gibt, die über die Entstehung einer depressiven Erkrankung entscheiden. Da wäre zunächst die erbliche Komponente: Wir wissen heute, dass ein Kind mit einem depressiven Elternteil ein erhöhtes Risiko hat. Körperliche Erkrankungen spielen auch eine wichtige Rolle: Viele Patienten mit schweren Grunderkrankungen haben auch depressive Symptome. Das ist auch einer der Gründe, warum diese Krankheit bei älteren Menschen verhältnismäßig oft auftritt.

Auch die Persönlichkeitsstruktur hat einen Einfluss. Menschen mit einem schwachen Selbstwertgefühl, die unbedingt alles perfekt machen möchten und dabei abhängig von äußerer Bestätigung sind, sind besonders anfällig für Depressionen. Diese Menschen können sich noch so anstrengen, sie sind nie zufrieden mit sich. Irgendwann sind sie dann so ausgelaugt, dass eine Depression entstehen kann.

Nicht zuletzt sind es psychosoziale Belastungen, also alles Negative, was uns in unserem Leben widerfährt. Schicksalsschläge wie Trennungen und Todesfälle spielen hier eine Rolle, aber auch die Qualität unserer engsten Beziehungen. Bin ich getragen von diesen Beziehungen, erfahre ich Unterstützung und Bestätigung oder werde ich missachtet und ausgenutzt? Besonders prägend sind die frühen Beziehungen, also zur Mutter oder zum Vater. Dass sich unsere Ernährung auch auf unser Wohlbefinden auswirkt, ist schon seit langem bekannt. Aktuelle Forschungen untersuchen außerdem den Zusammenhang zwischen unseren Darmbakterien und der Hirnchemie.

Was kann man gegen Depressionen tun?

Studien haben gezeigt, dass bei Depressiven das Botenstoff-System der Signalübertragung zwischen unseren Nervenzellen aus dem Gleichgewicht geraten ist. So produzieren z.B. depressive Menschen zu wenig von dem so genannten „Glückshormon“ Serotonin. Oft besteht gleichzeitig ein Mangel an anderen Botenstoffen wie Noradrenalin oder der gamma-Aminobuttersäure, die auch einfach als GABA bezeichnet wird. Hier setzt die medikamentöse Therapie an. Zur Behandlung kommen chemisch-synthetische Antidepressiva zum Einsatz, bei leichten bis mittelschweren Depressionen aber auch pflanzliche Antidepressiva, wie beispielsweise das gelb blühende Johanniskraut.

Daneben ist es aber auch wichtig, an sich und seiner Persönlichkeitsstruktur zu arbeiten – am besten im Rahmen einer Psychotherapie. Ziel der Therapie ist meist die Stärkung der seelischen Widerstandskraft. Psychotherapie bringt aber keine Erfolge, wenn es ein passiver Prozess ist. Die Betroffenen müssen hart an sich arbeiten. Liebe und Verständnis sich selbst gegenüber spielen dabei eine zentrale Rolle. Eine Psychotherapie kann sowohl ambulant erfolgen als auch stationär. Oft profitieren die Betroffenen sehr von einem Rehabilitation-Aufenthalt, der sie für ein paar Wochen aus dem normalen Lebensumfeld nimmt.

Der Begründer der analytischen Psychologie C.G. Jung sagte: „Die Depression gleicht einer schwarzen Dame. Wenn sie dich besucht, biete ihr einen Tee an und höre, was sie dir zu sagen hat.“ Ein interessanter Ansatz: Im Rahmen der Psychotherapie wird oft besprochen, dass die Erkrankung auch Chancen für die Persönlichkeitsentwicklung bietet.