Von Thomas Kammler

Breitwegerich (Plantago major): „Der Herrscher der Wege“

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Spannende Infos zu Heilmitteltradition, Namensfindung und der Familie der Wegeriche

Breitwegerich (Plantago major)

Was bedeutet der Name Breitwegerich? Der Wegerich wächst am Weg. Der Namensbestandteil „-rich“ leitet sich vom althochdeutschen Wort rih für König ab. Man findet den Breitwegerich auf Gras- bzw. Rasenflächen, wenn sie nicht „überpflegt“ sind. Alle Wegerich-Arten sind „hart im Nehmen“: Sie sind relativ unempfindlich gegen äußere Belastungen, wie Tritte oder beispielsweise Staunässe. Auch der wiss. Name „Plantago“ deutet hierbei auf das Vorkommen an den Stellen wie Wanderwegen hin, wo wir Fußabrücke hinterlassen: „planta“ ist die Bezeichnung für die Fußsohle. Evtl. bezieht es sich auch auf die fußähnliche Blattform des Breitwegerich oder einen Hinweis zu bewährten medizinischen Verwendungszwecken.

Wegeriche als Heilpflanzen mit langer Tradition

Wegeriche waren schon in der Antike & im Mittelalter beliebte Heilpflanzen mit vielfältigem Anwendungsbereich. Die Pflanzen sind ein typisches Beispiel für eine Theorie, nach der Heilpflanzen oft genau da wachsen, wo man sie braucht. Wanderer werden gleich am Wegrand fündig, wenn es um typische Beschwerden unterWEGs geht. Wegeriche, die wie eingangs erwähnt, selbst so gut mit den schwierigen Lebensbedingungen verdichteter Böden an Wegrändern klarkommen, schenken ihre Heilkräfte den geschundenen Fußsohlen eines Wanderers. Auflagen von Breitwegerich-Blättern verwendete man früher auch als Wundauflage und zur Stärkung der strapazierten Füße. Man legte sie z.B. beim Laufen unter die Fußsohle.

Eine verwandte Wegerich-Art mit außergewöhnlichen Eigenschaften

Eine weitere Wegerich-Art ist inzwischen zu einer sehr beliebten Heilpflanze geworden: Plantago ovata, der Indische Flohsamen. Aber wofür verwendet man Flohsamenschalen? Flohsamenschalen sind ein pflanzliches Quellmittel und werden deshalb als Darmregulans eingesetzt. So lässt sich z.B. Verstopfung behandeln. Flohsamenschalen enthalten pflanzliche Ballaststoffe. Anders als der Begriff vermuten lässt, sind sie jedoch kein Ballast – ganz im Gegenteil. Mit gesunden Ballaststoffen reguliert der Körper die Verdauung.

Wie funktionieren Flohsamenschalen? Dabei kommt den gemahlenen Schalen eine besondere Eigenschaft zu pass: Flohsamenschalen können mehr als das 50-fache an Wasser binden. Durch die erreichte Volumenzunahme des Stuhls im Darm wird die Darm-Peristaltik anregt: Der Darm kommt in Bewegung. Umso wichtiger ist es, die Flohsamenschalen mit ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen und auch im Nachgang sehr viel zu trinken. Die gemahlenen Samenschalen saugen dann das Wasser auf wie ein Schwamm, wodurch auch der Gang zum stillen Örtchen erleichtert wird. Die Verdauung wird hierbei also physikalisch angeregt und nicht auf chemische Weise.