Vitamin C und Schmerzen

Warum ein Vitamin-C-Mangel bei Schmerzen eine Rolle spielen kann
Viele Menschen leiden unter chronischen Schmerzen, zum Beispiel nach Operationen oder bei Fibromyalgie und chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis.
Die große Bedeutung des Themas Schmerz wird zum Beispiel an der Anfragehäufigkeit in Internet-Suchmaschinen deutlich, wenn es um Anfragen wie „Schmerzen unterer Rücken“, „Ischias-Schmerzen“, „Handgelenk-Schmerzen“ oder „Iliosakralgelenk-Schmerzen“ geht.
Trotz moderner Schmerztherapie bleiben die Schmerzen oft bestehen. Eine mögliche, bisher wenig beachtete Ursache für Schmerz könnte sogenannter oxidativer Stress sein und damit verbunden ein möglicher Vitamin-C-Mangel. Niedrige Vitamin-C-Spiegel können daher mit Schmerzen assoziieren, gleichzeitig sind muskuloskelettale Schmerzen ein wichtiger Hinwies auf einen Vitamin-C-Mangel. Kann hier also die Behebung eines Vitamin-C-Mangels eine ergänzende, bisher unterschätzte Behandlungsmöglichkeit von akuten und chronischen Schmerzen sein?
Was bedeutet „oxidativer Stress“?
In unserem Körper entstehen ständig sogenannte freie Radikale. Diese aggressiven Sauerstoffverbindungen werden beispielsweise bei Entzündungen, Infektionen oder seelischem Stress vermehrt gebildet. In biologisch funktioneller Menge sind sie wichtig, etwa zur Abwehr von Krankheitserregern. Erst wenn zu viele freie Radikale entstehen, wird es problematisch, denn der Körper kann sie nicht mehr ausreichend neutralisieren – man spricht von oxidativem Stress.
Die Folgen eines solchen Ungleichgewichts können vielfältig sein:
- Es kann zur Schädigung von Zellen und Gewebe kommen,
- Entzündungsprozesse können verstärkt werden
- und auch die Schmerzempfindlichkeit kann steigen.
Oxidativer Stress wird heute mit verschiedenen Erkrankungen in Verbindung gebracht, insbesondere mit chronischen Entzündungs- und Schmerzprozessen.
Welche Rolle spielt Vitamin C?
Vitamin C ist eines der wichtigsten „Schutzvitamine“ unseres Körpers. Es wirkt als Antioxidans, das heißt, es hilft dabei, freie Radikale unschädlich zu machen und Zellen vor Schäden zu bewahren. Darüber hinaus erfüllt Vitamin C noch weitere wichtige Aufgaben:
- Es wird für die Bildung von Kollagen benötigt, einem Strukturprotein, das für die Stabilität von Sehnen, Bändern, Knorpeln, Knochen, Haut und Blutgefäßen entscheidend ist.
- Außerdem ist Vitamin C an der Produktion verschiedener Botenstoffe beteiligt, darunter Serotonin, Dopamin und Endorphine, die unter anderem auch Einfluss auf das Schmerzempfinden haben.
- Zudem trägt es zur Regulation von Entzündungsprozessen bei.
Wenn im Körper vermehrt oxidativer Stress entsteht, wird Vitamin C in größerer Menge verbraucht. Dadurch können die Vitamin-C-Spiegel im Blut absinken und ein Mangel entsteht.
Kann ein Vitamin-C-Mangel Schmerzen verursachen?
Ein stark ausgeprägter Vitamin-C-Mangel wird heutzutage eher selten festgestellt. Allerdings können auch niedrigere, nicht optimale Vitamin-C-Spiegel mit Beschwerden verbunden sein. Dazu zählen unter anderem Muskelschmerzen und Gelenkschmerzen, eine verzögerte Wundheilung, eine erhöhte Entzündungsneigung sowie ständige Müdigkeit.
Studien zeigen, dass Menschen mit chronischen Schmerzen, beispielsweise bei Fibromyalgie, häufig erhöhte Marker für oxidativen Stress aufweisen. Es wird daher diskutiert, ob ein sogenannter subklinischer Vitamin-C-Mangel zur Verstärkung von Schmerzprozessen beiträgt.
Das vegetative Nervensystem und Schmerzen
Unser vegetatives Nervensystem steuert automatisch viele lebenswichtige Funktionen wie Herzschlag, Atmung, Verdauung und die Stressreaktion des Körpers. Es besteht aus einem aktivierenden Teil, der den Körper in Alarmbereitschaft versetzt, und einem beruhigenden Teil, der für Erholung und Regeneration sorgt.
Bei chronischen Schmerzen kommt es häufig zu einer dauerhaften Aktivierung des Stresssystems. Der Körper befindet sich gewissermaßen in einem anhaltenden Alarmzustand. Dies kann die Schmerzwahrnehmung verstärken, Schlafstörungen fördern und zu Erschöpfung führen. Oxidativer Stress kann dieses empfindliche Gleichgewicht zusätzlich stören und so einen Teufelskreis aus Stress, Entzündung und Schmerz begünstigen.
Warum wird Vitamin C manchmal als Infusion gegeben?
Vitamin C kann über die Nahrung (Obst und Gemüse) oder in anderer oraler Form, z. B. als Tabletten, aufgenommen werden. In bestimmten Situationen wie bei deutlich erniedrigten Blutspiegeln wird es auch als Infusion verabreicht. Durch die direkte Gabe in den Blutkreislauf können höhere Blutspiegel erreicht werden als über die herkömmliche Aufnahme im Darm.
Eine solche Vitamin-C-Infusion kann in der Schmerztherapie sinnvoll sein, wenn eine schnelle Anhebung der Vitamin-C-Spiegel angestrebt wird, um einen Mangel zu beheben und die damit assoziierten Beschwerden zu lindern.
Wieso könnte die Gabe von Vitamin C Schmerzen beeinflussen?
Chronische Schmerzen entstehen meist durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Oxidativer Stress und ein Vitamin-C-Mangel könnten dabei eine bislang unterschätzte Rolle spielen. Vitamin C schützt Zellen vor oxidativer Schädigung, unterstützt wichtige Stoffwechselprozesse und trägt zur Regulation von Entzündungen bei. Ist ein Mangel entstanden, so sind die vielfältigen wichtigen Funktionen von Vitamin C nicht mehr vollständig gewährleistet – was die zahlreichen Symptome eines Vitamin-C-Mangels erklärt. Die Behebung dieser Mangelsituation z.B. mittels hochdosierter Vitamin-C-Infusionen könnte dazu führen, die entsprechenden Mangelsymptome, wie z.B. Schmerzen, positiv zu beeinflussen. Insofern könnten sie in der Schmerztherapie hilfreich sein.
Mehr zum Thema Vitamin-C-Infusionstherapie finden Sie auf unseren Vitamin-C-Seiten.
Hintergrundwissen Schmerz
Definition Schmerz: Was sind Schmerzen, wie entstehen sie und welche Schmerzarten gibt es?
Schmerz erfüllt eine wichtige Schutzfunktion, da er uns warnt und dazu bringt, schädigende Reize zu vermeiden oder eine Erkrankung behandeln zu lassen. Schmerzen entstehen, wenn spezialisierte Nervenzellen (Schmerzrezeptoren) durch Reize wie Verletzungen, Entzündungen, starken Druck, Hitze oder chemische Veränderungen aktiviert werden. Diese Reize werden als elektrische Signale über Nervenbahnen zum Rückenmark und weiter ins Gehirn geleitet. Erst im Gehirn entsteht das bewusste Schmerzempfinden.
Grundsätzlich unterscheidet man:
Nach der Dauer:
- Akute Schmerzen: treten plötzlich auf, etwa nach Verletzungen oder Operationen, und klingen meist mit der Heilung ab.
- Chronische Schmerzen: bestehen länger als drei Monate und können sich von der ursprünglichen Ursache lösen.
Nach dem Entstehungsmechanismus:
- Nozizeptive Schmerzen: entstehen durch eine tatsächliche Gewebeschädigung, z. B. bei Entzündungen oder Verletzungen.
- Neuropathische Schmerzen: beruhen auf einer Schädigung oder Fehlfunktion von Nerven, etwa bei Diabetes oder nach einer Gürtelrose. Sie werden häufig als brennend, elektrisierend oder stechend beschrieben.
- Neuralgische Schmerzen: eine besondere Form neuropathischer Schmerzen mit anfallsartig einschießenden, sehr starken Schmerzen entlang eines bestimmten Nervs, z. B. bei Trigeminusneuralgie oder postherpetischer Neuralgie.
- Funktionelle oder zentrale Schmerzen: entstehen durch eine veränderte Schmerzverarbeitung im Nervensystem, ohne klar nachweisbare Gewebe- oder Nervenschädigung.
Was ist das Schmerzgedächtnis?
Als Schmerzgedächtnis bezeichnet man die Fähigkeit des Nervensystems, Schmerzen „zu speichern“. Dies ist kein bewusstes „Erinnern“, sondern eine dauerhafte Veränderung in der Schmerzverarbeitung. Wenn Schmerzen über längere Zeit bestehen oder sehr intensiv sind, können sich Nervenbahnen und bestimmte Bereiche im Rückenmark und Gehirn verändern. Sie reagieren dann empfindlicher, selbst auf eigentlich harmlose Reize. Diese Sensibilisierung bzw. Übererregbarkeit hat Folgen:
- Schmerzreize werden stärker wahrgenommen als zuvor.
- Auch leichte Berührungen oder Bewegungen können als schmerzhaft empfunden werden.
- Schmerzen können bestehen bleiben, selbst wenn die ursprüngliche Verletzung längst verheilt ist.
Man spricht dann davon, dass sich der Schmerz „verselbstständigt“ hat. Das Schmerzgedächtnis spielt vor allem bei chronischen Schmerzen eine wichtige Rolle. Es erklärt, warum Schmerzen manchmal ohne erkennbare körperliche Ursache weiterbestehen. Wichtig ist deshalb eine frühzeitige und wirksame Schmerztherapie. Bei einem zusätzlich bestehenden Vitamin-C-Mangel könnte Vitamin C hier eine denkbare Therapieoption sein.
