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Von Bärbel Tschech

Was passiert, wenn intravenöse Lösungen zu konzentriert infundiert werden?

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Vorgaben zur Osmolarität

Die Osmolarität gibt die Anzahl der osmotisch aktiven Teilchen pro Liter Lösung an. Werden Lösungen intravenös infundiert, so ist deren Osmolarität im Verhältnis zu der des Blutes ausschlaggebend für die Verträglichkeit.

Das Blut hat eine Osmolarität von etwa 300 mosmol/Liter. Eine Vitamin-C-Lösung mit einer Konzentration von beispielsweise 10 g auf 50 ml weist aber eine Osmolarität von über 2000 mosmol/Liter auf. Werden größere Mengen dieser stark hyperosmolaren Lösung unverdünnt infundiert, entstehen vermeidbare Anwendungsrisiken. 

Laut Lehrbuch müssen hyperosmolare Lösungen zur peripher-venösen Infusion deshalb auf eine Osmolarität von unter 800 mosmol pro Liter verdünnt werden. Einer Lösung mit über 2000 mosmol muss zur Erreichung dieses Wertes mehr als die doppelte Menge einer isotonischen Lösung zugefügt werden.

Insbesondere um Thrombophlebitiden in Folge von Venenreizungen zu vermeiden, aber auch zum Schutz der Nieren, ist eine Verdünnung tatsächlich unbedingt anzuraten und die Gabe stark hyperosmolarer Lösungen kann sogar einen Kunstfehler darstellen. Die Osmolarität der reinen Pascorbin-Lösung beträgt 1500-1700 mosmol/l.

Das ist der Grund dafür, dass wir zum Schutz der Patientinnen und Patienten eine Verdünnung im folgenden Mischungsverhältnis nachdrücklich empfehlen: 

  • 50 ml Pascorbin 7,5 g + 100 ml NaCl-Lösung 0,9%-ig: ca. 700-750 mosmol/l
  • 50 ml Pascorbin 7,5 g + 100 ml Ringer-Lactat: ca. 690 mosmol/l

Natürlich ist es möglich, auch ein größeres Volumen einer physiologischen Trägerlösung zu verwenden, wenn das aus Ihrer Sicht sinnvoll ist, aber die 100 ml pro 50 ml Pascorbin müssen es mindestens sein.

Soll das Infusionsvolumen 100 ml nicht überschreiten, wie z.B. bei Leistungssportlern, wäre die Verwendung von Aqua ad injektabilia (Ampuwa) eine Option: hier würden 50 ml als Trägerlösung ausreichen:

  • 50 ml Pascorbin 7,5 g + 50 ml Aqua ad iniektabilia: ca. 750-800 mosmol/l

Welche Trägerlösungen eignen sich (nicht)?

Standard ist die 0,9%-ige Kochsalzlösung als Trägerlösung. Zunehmend mehr Anwenderinnen und Anwender bevorzugen jedoch physiologische Lösungen, die den Patientinnen und Patienten weniger Natriumchlorid zuführen. Deshalb kommen auch Lösungen wie z.B. Ringer-Lactat zum Einsatz. 
Nicht geeignet ist Glucose als Trägerlösung, weil Glucose und Vitamin C strukturell so ähnlich sind, dass sie bei der Aufnahme in die Zelle um die gleichen Carrier konkurrieren.

[1] Thiel, Holger et al.: 2014: Anästhesiologische Pharmakotherapie DOI: 10.1055/b-0034-94881


Pascorbin® 7,5 g
Wirkstoff: Ascorbinsäure 150 mg/ml Injektionslösung. 1 Injektionsflasche (50 ml) enthält: Ascorbinsäure 7,5 g. Sonst. Bestandteile: Natriumhydrogencarbonat, Wasser für Injektionszwecke. Zur Therapie von klinischen Vitamin-C-Mangelzuständen, die ernährungsmäßig nicht behoben oder oral substituiert werden können. Methämoglobinämie im Kindesalter. Gegenanzeigen: Oxalat-Urolithiasis u. Eisenspeichererkrankungen (Thalassämie, Hämochromatose, sideroblastische Anämie). Kindern unter 12 J.: nicht mehr als 5-7 mg Ascorbinsäure/kg KG tgl. i.v. Bei Methämoglobinämie im Kindesalter: nicht mehr als 100 mg Ascorbinsäure/kg KG tgl. Besondere Vorsicht: Bei Pat. mit eingeschränkter Nierenfunktion. In Schwangerschaft u. Stillzeit u. beim Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel nicht mehr als 100 - 500 mg Ascorbinsäure tgl. Konservierungsmittelfrei, nur zur einmaligen Entnahme u. sofortigen Anwendung! Nicht verbrauchte Reste verwerfen. Besonderer Hinweis für Diabetiker: Nach parenteraler Gabe von Ascorbinsäure wird die Nachweisreaktion von Glucose im Blut gestört. Nebenwirkungen: Sehr selten: Überempfindlichkeitsreaktionen (z.B. Atembeschwerden, allergische Hautreaktionen), gastrointestinale Störungen (z.B. Übelkeit, Erbrechen, Durchfall), Schüttelfrost und Temperaturanstieg bei akuten Infekten; in Einzelfällen kurzfristige Kreislaufstörungen (z.B. Schwindel, Übelkeit, Sehstörungen). Bitte beachten Sie bei allen invasiven Eingriffen die Hygienerichtlinien des Robert Koch-Institutes. Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH, D-35383 Gießen
 

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