COVID-19: Schnellere Genesung mit supportivem Vitamin C

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Neue Studien zeigen eine schnellere Heilungsrate bei COVID-19 – bei leichteren Verläufen wurde orales, bei schweren intravenöses Vitamin C untersucht

Die Ergebnisse von zwei randomisiert-kontrollierten Studien wurden kürzlich publiziert und zeigen bei intravenösem Vitamin C im Krankenhaus eine signifikant schnellere Heilungsrate. Die Betroffenen konnten im Mittel 2,5 Tage früher entlassen werden [1]. Leider liest und hört man von der kürzeren Verweildauer im Krankenhaus in den Medien kaum etwas. Obwohl gerade dies ein sehr tragfähiges Argument ist. Zielt doch der ganze Lockdown mit all seinen zum Teil sehr schweren Begleiterscheinungen daraufhin, genug Krankenhauskapazitäten zu haben.

In der Studie zu oralem Vitamin C wurde auch Zink untersucht [2]. In den Medien war zu lesen, dass beide Supplemente keine Wirkung haben und die Studie vorzeitig abgebrochen wurde. Ein Skandal. Zeigt die Studie doch, dass die Heilungsrate unter Vitamin C um 71 % verbessert war [3]. Man muss nur genau hinsehen.


Vitamin C i.v. beschleunigt Heilung bei stationären COVID-19-Erkrankten
In der randomisierten, kontrollierten Studie erhielten 75 der 150 rekrutierten Erkrankten zusätzlich zur Standardtherapie intravenöses Vitamin C in einer Dosierung von 50 mg/kg Körpergewicht pro Tag. COVID-19-Erkrankte, die intravenöses Vitamin C erhielten, waren 2,5 Tage früher symptomfrei und konnten 2,6 Tage früher aus dem Krankenhaus entlassen werden (p <0,0001). Obwohl ein guter Trend zu weniger Todesfällen in der Vitamin-C-Gruppe zu sehen war (9,3 % versus 14,6 %), waren die Unterschiede nicht signifikant [1]. Es ist möglich, dass die verwendete Vitamin-C-Dosis zu gering gewesen ist – sie entspricht bei einem 75 kg schweren Menschen 3,75 g pro Tag. Zumal bei kritisch Kranken mit Sepsis, Pneumonien oder COVID-19 häufig klinische Vitamin-C-Mangelzustände im Skorbutbereich vorliegen [4-8].

Studie zu Vitamin C und Zink übersieht Benefit von Vitamin C
In der Zwischenauswertung der multizentrischen, randomisierten Studie bei ambulanten COVID-19-Erkrankten wurden die Effekte einer 10-tägigen oralen Supplementierung mit Vitamin C (8 g/d) und/oder Zinkglukonat (50 mg/d) bei 214 Patient*innen auf die Symptomdauer veröffentlicht [2]. 

Hauptzielparameter war die durchschnittliche Zeit bis zu einer 50%igen Reduktion der Symptome. Im Methodenteil geben die Autoren an, dass eine Verkürzung um einen Tag klinisch relevant ist. Auf dieser Basis wurde die zu rekrutierende Patientenzahl von 420 Patient*innen berechnet. Die Zwischenauswertung nach 214 Patienten ergab in der Vitamin-C-Gruppe eine schnellere Genesung von 1,2 Tagen (5,5 Tage versus 6,7 Tage). Die Autor*innen schreiben, dass dieser Effekt nicht signifikant ist und die Studie aufgrund fehlender Wirksamkeit vorzeitig abgebrochen wurde. Verwunderlich. Liegen doch die Ergebnisse 20% über den erwarteten. Harri Hemila, Professor für Öffentliches Gesundheitswesen an der Universität Helsinki, und andere namhafte Wissenschaftler haben den Abbruch der Studie und die Darstellung der Ergebnisse stark kritisiert [3]. Professor Hemila berechnete auf Basis der publizierten Studiendaten die Statistik neu: Vitamin C verbessert im Vergleich zur Standardtherapie die Heilungsrate um 71 % (95% CI 3,4 % bis 182 %, P = 0,036) [3]. Dieser direkte Vergleich der Genesungsrate zwischen der Vitamin-C- und der Standardbehandlungsgruppe wurde von den Studienautor*innen gar nicht publiziert. 

Professor Hemila erklärt, wie gut die tatsächlichen Ergebnisse der Studie zu den Ergebnissen aus Meta-Analysen passen, insbesondere wenn die Dosis berücksichtigt wird. Vitamin-C-Dosen von 6-8 g/Tag können bei viralen Infektionen der oberen Atemwege die Krankheitsdauer um etwa 20 % verkürzen. 

Natürlich ist auch die Pharmakokinetik von Vitamin C ein wichtiger Punkt. Nur durch Infusion lassen sich hohe Wirkspiegel im Blut und damit eine schnelle und effiziente Versorgung des Gewebes erreichen. Dies scheint bei COVID-19 Erkrankten besonders wichtig zu sein, denn hier sieht man erste Hinweise auf genetisch bedingten Resorptionsunterschieden [9].

1. Kumari, P., et al., The Role of Vitamin C as Adjuvant Therapy in COVID-19. Cureus, 2020. 12(11): p. e11779.
2. Thomas, S., et al., Effect of High-Dose Zinc and Ascorbic Acid Supplementation vs Usual Care on Symptom Length and Reduction Among Ambulatory Patients With SARS-CoV-2 Infection: The COVID A to Z Randomized Clinical Trial. JAMA Netw Open, 2021. 4(2): p. e210369.
3. Hemila, H. Therapeutic 8 g/day of vitamin C increases recovery rate from SARS-CoV-2 infection by 71% (P = 0.036) based on the randomized trial by Thomas et al. (2021). Comment on Thomas et al. 2021 Effect of High-Dose Zinc and Ascorbic Acid Supplementation vs Usual Care on Symptom Length and Reduction Among Ambulatory Patients With SARS-CoV-2 InfectionThe COVID A to Z Randomized Clinical Trial. 2021; Available from: https://pubpeer.com/publications/6DFC3BD2E1DAA79A9BBD1DAF5D9BB4#1.
4. Chiscano-Camon, L., et al., Vitamin C levels in patients with SARS-CoV-2-associated acute respiratory distress syndrome. Crit Care, 2020. 24(1): p. 522.
5. Carr, A.C., et al., Patients with Community Acquired Pneumonia Exhibit Depleted Vitamin C Status and Elevated Oxidative Stress. Nutrients, 2020. 12(5).
6. Xing, Y., et al., Vitamin C supplementation is necessary for patients with coronavirus disease: An ultra-high-performance liquid chromatography-tandem mass spectrometry finding. J Pharm Biomed Anal, 2021. 196: p. 113927.
7. Pincemail, J., et al., Oxidative Stress Status in COVID-19 Patients Hospitalized in Intensive Care Unit for Severe Pneumonia. A Pilot Study. Antioxidants (Basel), 2021. 10(2).
8. Arvinte, C., M. Singh, and P.E. Marik, Serum Levels of Vitamin C and Vitamin D in a Cohort of Critically Ill COVID-19 Patients of a North American Community Hospital Intensive Care Unit in May 2020: A Pilot Study. Med Drug Discov, 2020. 8: p. 100064.
9. Patterson, T., C.M. Isales, and S. Fulzele, Low level of Vitamin C and dysregulation of Vitamin C transporter might be involved in the severity of COVID-19 Infection. Aging Dis, 2021. 12(1): p. 14-26.

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