Was hat der aktuelle Medizin-Nobelpreis mit Vitamin C zu tun?

2377: 0

Der Preis wurde für die Erforschung des Transkriptionsfaktors HIF vergeben, der bei Krebs eine große Rolle spielt. Vitamin C ist aktuellen Studien zufolge ein wichtiger HIF-Modulator.

Nobelpreis für die Erforschung des Transkriptionsfaktors HIF verliehen
Der Nobelpreis ging an drei Grundlagenforscher, die untersuchten, wie sich Zellen vor einem Sauerstoffmangel schützen und wie diese Prozesse u.a. Einfluss auf die Tumorprogression haben. Zentrales Element der Forschung ist der Hypoxie induzierte Faktor (HIF), der Anfang der 1990er-Jahre entdeckte wurde. Dieser Transkriptionsfaktor reguliert die Expression von über 300 Genen in Abhängigkeit von der Sauerstoff-Versorgung. Er ist also ein weitreichender Schalter für zahlreiche Stoffwechselwege. Am bekanntesten ist wohl die vermehrte Synthese von Erythropoietin (EPO) in den Nieren, wodurch die Bildung von roten Blutzellen bei Sauerstoffmangel angekurbelt wird. HIF spielt aber auch eine zentrale Rolle für das Wachstum und die Metastasierung von Krebszellen: Es schaltet Gene für die Glykolyse und Wachstumsfaktoren für die Angiogenese an.

Bei einem Vitamin-C-Mangel kann HIF nicht abgebaut werden – die Folge sind Tumorwachstum und Metastasierung
In der Krebstherapie wird intensiv nach Arzneistoffen geforscht, die den Abbau von HIF fördern. Denn die hohen HIF-Konzentrationen im Tumorgewebe sind verantwortlich für Tumorwachstum, Resistenzen gegenüber Chemotherapie und Bestrahlung, Metastasierung und eine allgemein schlechte Prognose. 

Kontrolliert wird die Stabilität von HIF durch das Enzym HIF-Hydroxylase. Dieses markiert HIF für den Abbau in den Proteasomen, den Müllschluckern der Zelle. Dieses Enzym ist der eigentliche Regulator der Genaktivität. Es benötigt neben Sauerstoff für die Hydroxylierung als Ko-Faktor Vitamin C. Bei einem Vitamin-C-Mangel kann HIF folglich nicht ausreichend abgebaut werden. 

Vitamin C im Tumorgewebe korreliert mit HIF-Abbau und besserer Prognose
Eine aktuelle Untersuchung von Brustkrebs-Biopsien sieht einen Zusammenhang zwischen der Vitamin-C-Konzentration, der Aktivität von HIF und dem tumorfreien und krankheitsspezifischen Überleben (Campbell, Dachs et al. 2019) . Eine erhöhte HIF-1-Aktivität war mit einem fortgeschrittenen Stadium, mit einer erhöhten Gefäßinvasion sowie einer verringerten Überlebenszeit verbunden. Höhere Vitamin-C-Konzentrationen im Tumorgewebe waren mit einer geringeren Aktivität des HIF-1-Weges und mit einem erhöhten krankheitsfreien und krankheitsspezifischen Überleben verbunden. Dies steht im Einklang mit der bekannten Kapazität von Vitamin C, die Aktivität der regulatorischen HIF-Hydroxylasen zu stimulieren. Die Autoren folgern, dass eine Optimierung der Vitamin-C-Konzentration im Tumorgewebe die hypoxische Reaktion modulieren kann und damit von hohem klinischem Nutzen sein könnte.

Hohe Vitamin-C-Dosen induzieren im Tumormodell den Abbau von HIF
Der Abbau von HIF im Tumorgewebe durch hohe intravenöse Vitamin-C-Dosen ist im Tiermodell bereits bestätigt (Wilkes, O'Leary et al. 2018). Hier führte Vitamin C über einen H2O2-vermittelten Prozess zur Reduktion des Gehaltes an HIF-1α Protein und hemmte das Tumorwachstum und die VEGF-Expression. 

 

Campbell, E. J., G. U. Dachs, H. R. Morrin, V. C. Davey, B. A. Robinson and M. C. M. Vissers (2019). "Activation of the hypoxia pathway in breast cancer tissue and patient survival are inversely associated with tumor ascorbate levels." BMC Cancer 19(1): 307.

Wilkes, J. G., B. R. O'Leary, J. Du, A. R. Klinger, Z. A. Sibenaller, C. M. Doskey, K. N. Gibson-Corley, M. S. Alexander, S. Tsai, G. R. Buettner and J. J. Cullen (2018). "Pharmacologic ascorbate (P-AscH(-)) suppresses hypoxia-inducible Factor-1alpha (HIF-1alpha) in pancreatic adenocarcinoma." Clin Exp Metastasis 35(1-2): 37-51.

Unsere Texte und Broschüren werden überwiegend von Pascoe-Mitarbeitern erstellt. Sie werden fachlich und wissenschaftlich von hausinternen Experten - Pharmazeuten, (Human)-Biologen und Ernährungswissenschaftlern - inhaltlich und rechtlich geprüft. Sollten Sie Fragen zu den Textinhalten oder unseren Produkten an unsere wissenschaftlichen Ansprechpartner haben, senden Sie uns gerne eine E-Mail an info@pascoe.de.

Alles Weitere zu unseren Experten finden Sie hier.