Mit Freunden teilen

Wenn die Schilddrüse aus dem Takt gerät

114: 0

Eine diffuse oder knotige Vergrößerung der Schilddrüse wird medizinisch als Struma und im Volksmund als Kropf oder Satthals bezeichnet.

istockphoto.com

Eine diffuse Struma kann verschiedene Ursachen haben, in den meisten Fällen wird es durch Jodmangel hervorgerufen. Die Folge ist ein Mangel an den beiden iodhaltigen Schilddrüsen (Thyroid-) Hormonen Thyroxin (T4, Tetraiodthyroin) und Triiodthyronin (T3). Dieser T3/T4-Mangel bewirkt wiederum eine Erhöhung der TSH*-Ausschüttung. Chronisch vermehrtes TSH führt dann zum Kropf, da sich unter TSH die Follikelzellen vermehren (hyperplastischer Kropf).

Als Folge steigt nun die T3/T4-Synthese, was zur Normalisierung der Blutkonzentration dieser Hormone führen kann: euthyreote Struma. Diese Euthyreose (vergrößerte Schilddrüse bei gleichzeitig normaler Hormonproduktion), ist die häufigste Erkrankung des Hormonsystems in Deutschland. Ein solcher Kropf bleibt oft auch dann bestehen, wenn die ursprüngliche Noxe (z.B. Iodmangel) wegfällt.

In den letzten Jahren wurde versucht, die Jodversorgung der Bevölkerung zu verbessern. Immerhin hat sich die Jodaufnahme gegenüber 1975 nahezu verdoppelt.
Es gibt nur noch selten Kröpfe bei Neugeborenen und Schulkinder haben heute weitgehend gesunde Schilddrüsen. Trotz dieser Fortschritte nimmt nach wie vor etwa jeder 3. Erwachsene nicht genügend Jod auf. Die Deutschen nehmen im Durchschnitt 119 µg Jod pro Tag zu sich. Das sind 2 Drittel der Menge, die die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt (180-200 µg Jod pro Tag). Wegen der durch den Jodmangel entstandenen Krankheiten müssen pro Jahr etwa 100.000 Menschen an der Schilddrüse operiert und etwa 35.000 Patienten an der Schilddrüse bestrahlt werden.

Zu einem Mangel an T3/T4 (Hypothyreose) kommt es, wenn auch die vergrößerte Schilddrüse nicht mehr genug T3/T4 liefern kann: hypothyreoter Kropf. Ein solcher entsteht auch bei angeborenen Störungen der T3/T4-Synthese oder bei Schilddrüsenentzündungen.

Bei einer Hyperthyreose produziert ein Schilddrüsentumor ("heißer Knoten") oder eine diffuse Struma (z.B. bei der Basedow-Krankheit) TSH-unabhängig zu viel T3/T4. In letzterem Fall wird ein Autoantikörper gegen den TSH-Rezeptor an diesen gebunden. Dieser Autoantikörper wirkt wie TSH und stimuliert die T3/T4-Produktion und -sekretion. Etwa 33% der Deutschen haben einen Kropf und fast 9% Knoten in der Schilddrüse. Frauen sind etwa 4- bis 5-mal häufiger betroffen als Männer.

*TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) oder Thyreotropin ist ein Glykoprotein, welches die cAMP-getriggerte Iodaufnahme in die Schilddrüse vermittelt. Außerdem setzt TSH die Schilddrüsenhormone T4 und T3 aus der Speicherform Thyreoglobulin durch Proteolyse frei und bewirkt ihre Ausschüttung in die Blutbahn.

Literatur:
Thews, Mutschler, Vaupel (2007): Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie des Menschen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart. 6. Auflage