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Was gibt´s neues? Welthepatitis-Tag 2014

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Chronische Hepatitis C ist eine durch Viren verursachte Entzündung der Leber, die über Jahre zur Zerstörung des Organs führen kann.

Diese Zerstörung stellt sich häufig in der Form einer Zirrhose (eines Umbaus mit Funktionsverlust; "Schrumpfleber") oder eines Karzinoms, also Krebs dar. Aus diesem Grund ist diese Infektionskrankheit auch die häufigste Ursache für die Notwendigkeit einer Lebertransplantation.

Gegen andere Hepatitisviren wie A und B hat die moderne Medizin mittlerweile Impfstoffe entwickeln können, gegen D ist man indirekt geschützt, wenn man eine Impfung gegen Hepatitis B hat (da D nur in Kombination mit B gravierende Krankheitsverläufe verursacht). Weniger bekannt: auch gegen Hepatitis E existieren Impfstoffe. Bis heute gelang es trotz jahrelanger Forschung jedoch nicht, einen Impfschutz gegen Hepatitis C zu erzeugen. Fortschritte gibt es aber dennoch:

Viele Patienten konnten in den letzten Jahren von der Krankheit geheilt werden, jedoch nicht alle. Pharmaforscher haben deshalb weitere Medikamente entwickelt, die die Heilungschancen noch erhöhen und die Behandlung auch verträglicher machen sollen.

Man schätzt, dass Weltweit ca. 170 Millionen Menschen mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert sind. Jährlich sterben etwa 350.000 Erkrankte an den Folgen. Besonders stark betroffene Regionen sind beispielweise China (mehr als ca. 3 % der Bevölkerung) oder Ägypten (bis zu 15 %). Deutschland steht vergleichsweise gut dar mit einem Prozentsatz von nur 0,6 % der Bevölkerung, was aber immer noch 500.000 Betroffene bedeutet.

Da das Virus praktisch ausschließlich über das Blut übertragen wird, war bis Anfang der 90er-Jahre verseuchtes Spenderblut die Hauptursache für Neuinfektionen. Ansteckung durch sexuelle Kontakte oder von der Mutter aufs Kind waren und sind selten. Heute, nach der Identifizierung des Virus und der Entwicklung von Methoden zur Inaktivierung, ist dass Infektionsrisiko fast gleich Null. Problem bleiben "verunreinigte Nadeln", etwa bei Drogenkonsum aber auch bei unsachgemäßen Tätowierungen oder Piercings.

Eine Heilung dieser Infektionskrankheit und damit die Bewahrung vor den katastrophalen Folgen einer Chronifizierung ist möglich: Wenn sechs Monate nach dem Ende der Behandlung keine Viren mehr im Blut nachweisbar sind, spricht man von anhaltendendem virologischen Ansprechen (= sustained virologic response, SVR).

Die Standardtherapie bei Hepatitis-C-Infektion umfasst eine Kombination aus Wirkstoffen. Sogenanntes Peg-Alfa-Interferon regt das körpereigene Immunsystem zum Kampf gegen die Viren an. Die Wirkungsweise des chemisch hergestellten Ribavirins ist noch nicht aufgeklärt. Proteasehemmer blockieren die Bildung neuer Viren in den Leberzellen.

Je nach Genom (Erbgut) des Virus, welcher die Infektion auslöst, können mit diesen Medikamenten bislang rund 75 - 80 % der infizierten Patienten geheilt werden.

Parallel zur Forschung an einem Impfstoff werden auch neue Wirkstoffe für die Verbesserung der Therapie von bereits Erkrankten entwickelt. Diese sind z.T. wirksamer, nebenwirkungsärmer, können niedriger dosiert oder weniger lang gegeben werden. Über ein Dutzend dieser Wirkstoffe sind kürzlich neu für die Therapie zugelassen, befinden sich in eben diesem Prozess oder in der letzten Erprobungsphase.

Nach ihrer Zulassung werden die neuen Medikamente wohl zunächst stets gemeinsam mit der Standardtherapie aus Peg-Alfa-Interferon und Ribavirin eingesetzt. Durch die Kombination von drei verschieden wirkenden Medikamenten kann man zum einen Verhindern, dass die Viren Resistenzen ausbilden (also unempfindlich gegenüber dem Medikament werden), zum anderen gleichzeitig die Wirksamkeit der Behandlung steigern.

Die Ausheilung der Infektion hat nicht nur den Vorteil, tatsächlich vor den Spätfolgen wie Leberinsuffizienz, Leberzirrhose oder gar einem Leberkrebs zu bewahren, sondern auch weitere erhebliche psychologische Effekte. So wird dem Patienten die Sorge genommen, an einer tödlichen, chronischen Krankheit zu leiden sowie die Angst, andere Menschen anzustecken zu können.

"Forschung ist die beste Medizin" - so lautet ein Slogan des Verbandes der forschenden Arzneimittelhersteller (VFA). Und auch wenn man die Pharmaindustrie und mit ihr die Verquickung von wirtschaftlichen Interessen und der Therapie von Kranken nicht uneingeschränkt positiv sehen kann, so ist die Kernaussage doch eine richtige!

Quellen:
Verband der forschenden Arzneimittelhersteller, 22.05.2014
http://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/woran-wir-forschen/hepatitis-c-heilung-neue-medikamente-verbessern-chancen.html
Bundesministerium für Bildung und Forschung, 10.06.2014
http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/2222.php
Mutschler Arzneimittelwirkungen; Mutschler, Geisslinger, Kroemer, Schäfer-Korting
08. Auflage, wiss. Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2008