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Vitamin-C-News für die Ohren

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Unsere Vitamin-C-Expertin Claudia Vollbracht bei Veggie-Radio und Radio Vital.

Mit dem Background von über 20 Jahren Beschäftigung mit der Vitamin-C-Forschung nimmt Claudia Vollbracht Stellung zu Fragen zu den vielen wichtigen Funktionen von Vitamin C in unserem Körper z. B. im Immunsystem und Stoffwechsel, der momentanen Studienlage, zur Bioverfügbarkeit, der Versorgungssituation in Deutschland und was ein Schwamm mit Vitamin C zu tun hat.

Hören Sie rein, denn es lohnt sich: Kurz und knapp in weniger als 15 Minuten erfahren Sie alles Wichtige zum Thema Vitamin C – immer aktuell für Sie!

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https://www.veggieradio.de/tagesthema-vor-viren-schuetzen-mit-vitamin-c/

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Nachfolgend finden Sie das Skript zum Podcast

Interview mit Frau Claudia Vollbracht – Diplom-Humanbiologin, M.Sc. Naturheilkunde und komplementäre Medizin, Fachreferentin Medizinische Wissenschaft bei Pascoe Naturmedizin. Expertin für die Vitamin-C-Infusionstherapie; beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Vitamin-C-Forschung.

Moderator: In Zeiten von Corona und anderen Viren wird immer wieder über Vitamin C gesprochen, wie wichtig ist das für mich und meinen Körper?

Frau Vollbracht: Vitamin C ist extrem wichtig – es ist quasi ein Must-Have für unser Immunsystem. Vitamin C wird unter den Vitaminen häufig als Multitalent bezeichnet. Und zwar, weil es für über 150 unterschiedliche Stoffwechselfunktionen in unserem Körper wichtig ist. Wenn es uns fehlt, ist dies überall im Körper zu spüren. Vor allem unser Immunsystem funktioniert bei einem Mangel nicht mehr optimal. Es braucht viel Vitamin C, damit es angemessen auf Viren und natürlich auch auf andere Krankheitserreger reagieren kann. Deshalb haben Immunzellen normalerweise sehr hohe Vitamin-C-Konzentrationen. Sie saugen Vitamin C förmlich auf.

Wie Vitamin C die Infektabwehr unterstützt, ist sehr vielfältig. Eine ganz wichtige Funktion, die sozusagen auch an oberster Stelle unserer Infektabwehr steht, ist eine effektive Barrierefunktion von Haut und Schleimhäuten. Oberstes Ziel ist es, ungebetene Gäste wie Krankheitserreger gar nicht erst einzulassen. Deshalb ist Vitamin C auch so wichtig für die Vorbeugung.  

Vitamin C ist aber auch für die Bildung von speziellen anti-viralen Stoffen notwendig – beispielsweise für die Bildung von Interferonen. Das sind spezielle Eiweiße, die von Immun- und Bindegewebszellen gebildet werden – also überall im Körper - und eine ganze Kaskade an Viren-abtötenden Prozessen in Gang setzten.  

Vitamin C ist also für die Infektabwehr elementar wichtig. Bemerkenswerterweise wurden im Februar in China bereits erste Studien gestartet, die überprüfen, welche Effekte Vitamin-C-Infusionen in der Prävention bzw. Behandlung der Corona-assoziierten Lungenentzündung haben.

Moderator: Gibt es hierzulande einen Vitamin-C-Mangel?

Frau Vollbracht: Das ist eine ganz wichtige Frage, denn die meisten vermuten angesichts des großen Angebotes an Obst und Gemüse in unseren Geschäften, dass ein Vitamin-C-Mangel heutzutage gar nicht mehr vorkommen kann. Dieser Meinung ist leider auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung.  Wenn man sich allerdings die Studienlage genau ansieht, dann muss die Frage mit einem klaren Ja beantwortet werden. 

Ja, ein Vitamin-C-Mangel ist auch bei uns ein ernstzunehmendes Problem. Die DGE - also die Deutsche Gesellschaft für Ernährung – bezieht sich auf die Ergebnisse der zweiten nationalen Verzehrs-Studie, die wurde 2008 vom Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel veröffentlicht. Schaut man sich nur die Zusammenfassung an, so wird die Versorgung im Durschnitt als ausreichend eingestuft – wohlgemerkt im Durchschnitt. Geht man aber etwas ins Detail, so sieht man schnell, dass jeder dritte Deutsche weniger als die empfohlene Menge aufnimmt.

In dieser Verzehrsstudie wurde – wie der Name schon sagt – geschaut, wieviel Vitamin C wir mit unserer Nahrung oder Supplementen aufnehmen. Wir haben hier in Deutschland bisher keine Studie, in der die Vitamin-C-Konzentration der Bevölkerung direkt im Blut bestimmt wurde. In den USA gibt es solche großangelegten Untersuchungen, die letzte wurde vor 10 Jahren publiziert. In dieser Studie wurde die Vitamin-C-Blutkonzentration bei 10.000 Menschen direkt im Blut untersucht. Die Ergebnisse waren ernüchternd: Jeder Fünfte hatte zu wenig Vitamin C im Blut. Besonders auffällig war, dass Raucher für einen Vitamin-C-Mangel gefährdet sind, denn ihr Blut enthält tatsächlich durchschnittlich 30% weniger Vitamin C. 

Viel wichtiger aber – gerade im Hinblick auf Epidemien wie Corona – ist es zu informieren, dass es bestimmte Patientengruppen gibt, die ein hohes Risiko für einen Vitamin-C-Mangel haben. Dies sind insbesondere Menschen mit chronisch entzündlichen Grunderkrankungen, beispielsweise des Bewegungsapparates (z. B. Arthritis-Patienten), oder chronisch-entzündliche Atemwegs- oder Haut-Erkrankungen Und ganz besonders Patienten mit Entzündungen der Verdauungsorgane (z.B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa). Alle Entzündungen produzieren sogenannte freie Radikale und damit oxidativen Stress für den Körper. Neutralisiert werden diese durch sogenannte Radikalfänger – auch als Antioxidanzien bezeichnet. Und Vitamin C gehört zu den effektivsten Radikalfängern bzw. Antioxidantien und wird deshalb bei Entzündungen schnell verbraucht.

Was aber bei unserem Thema – virale Infekte – noch viel wichtiger ist: Zu Beginn eines Infekts wird tatsächlich viel Vitamin C bei der Infektabwehr verbraucht:  Die Vitamin-C-Konzentrationen in den Immunzellen sinken innerhalb von Stunden um die Hälfte. Wird es nicht in ausreichender Menge wieder zugeführt, droht ein (akuter) Vitamin-C-Mangel. Und das ist besonders schlecht für unsere Infektabwehr. 

Moderator: Wo ist Vitamin C überall enthalten?

Frau Vollbracht: Pauschal kann man sagen in Obst und Gemüse. Es gibt natürlich Spitzenreiter mit einem besonders hohem Vitamin-C-Gehalt. Sanddorn hat viel Vitamin C und auch schwarze Johannisbeeren.  Gerade jetzt finden wir überall Bärlauch, der ist auch besonders reich an Vitamin C. 

Aber wenn wir uns anschauen, wie viel wir von einem bestimmten Nahrungsmittel zu uns nehmen, dann sind für unsere Vitamin-C-Versorgung Zitrusfrüchte, Kartoffeln, Kohl, Spinat und Tomaten von großer Bedeutung. Aber man sollte immer daran denken, dass der Vitamin-C-Gehalt bei langer Lagerung abnimmt und natürlich auch durch langes Kochen.  

Moderator: Reicht das aus, um mich zu schützen?

Frau Vollbracht: Gute Frage! – nicht einfach zu beantworten. Wenn Sie gesund sind, also keine chronisch-entzündliche Grunderkrankung haben –, kein Heuschnupfen o.ä., keine Magen-Darm-Erkrankung, keine chronische Gelenkentzündung und so weiter und sich obst- und gemüsereich ernähren, sollte es reichen. Aber bereits Stress – und damit meine ich physischen und psychischen Stress – verbraucht viel Vitamin C. Und Stress lässt uns häufig auch eine gesunde Ernährung vergessen… plus: Stress schadet unserem Immunsystem und macht uns Infekt-anfälliger. Studien zeigen, dass eine extra Portion Vitamin C beispielsweise das Risiko für Erkältungskrankheiten unter Stressbelastung halbieren kann.

Denn – und das ist ein ganz spannendes Forschungsgebiet – Vitamin C kann die überschießende Antwort unserer Stressachse regulieren. Unreguliert und überschießend beeinträchtigt Stress unsere Infektabwehr stark. 

Die meisten Tiere haben es übrigens einfacher. Sie stellen Vitamin C selbst her und produzieren bei Stress einfach sehr viel davon. Ihre Vitamin-C-Produktion kann so auf bis zu 100 bis 200 mg pro Kilogramm Körpergewicht ansteigen. Dies entspricht – auf das Gewicht eines 75-kg schweren Menschen umgerechnet - einer Menge von 7,5 bis 15 g Vitamin C. Zur Erinnerung – ich hatte vorhin die DGE angesprochen und diese empfiehlt uns nur ein Hundertstel dieser Menge. Um genau zu sein: Frauen 95 mg und Männern 110 mg.

Moderator: Kann zu viel Vitamin C schaden?

Frau Vollbracht: Das wird immer noch ab und zu behauptet und weil ich ja gerade nur auf der Tonspur bin, können Sie leider nicht sehen, wie ich meine Augen verdrehe. Ich hatte ja gerade eben gesagt, dass die meisten Tiere Vitamin C selbst bilden und zwar in wesentlich größeren Mengen, als uns von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlen wird. 

Und deshalb haben Tiere auch viel höhere Vitamin-C-Konzentrationen im Gewebe. Wäre Vitamin C schädlich, wäre das, was die Tiere machen, ja einfach paradox. Tiere, die wie wir kein Vitamin C bilden können – Primaten und das Meerschweinchen – fressen natürlicherweise sehr viel Vitamin-C-haltiges Obst bzw. Gemüse. 

Wenn wir allerdings – vor allem über einen längeren Zeitraum – hochdosiert Vitamine einnehmen wollen, sollten wir das auf jeden Fall mit einem Arzt oder Heilpraktiker besprechen. Denn auch für Vitamine – und das gilt nicht nur für Vitamin C – gibt es sogenannte Gegenanzeigen. Bei Vitamin C sind dies vor allem manche Nierenerkrankungen, Nierensteine und Eisenspeichererkrankungen. Das sollte im Vorfeld abgeklärt werden.

Moderator: Das Vitamin gibt es ja auch als Infusion – Wo ist der Unterschied zur Tablette?

Frau Vollbracht: Der große Unterschied ist die Bioverfügbarkeit, d.h.: Wieviel kommt tatsächlich im Blut und im Gewebe an? Wenn wir Vitamin C mit der Nahrung oder in Form von Tabletten oder Pulver zu uns nehmen, muss es erst im Darm aufgenommen werden. Und das ist eine große Barriere! Über den Zufuhrweg Mund-Darm können einfach keine hohen Blutspiegel erreicht werden. Wird dagegen Vitamin C per Infusion gegeben, gelangt es ja zu 100 % in den Blutkreislauf. Die damit erreichten Blutspiegel sind je nach Dosierung 10 bis 100-fach höher als dies per Tabletten überhaupt möglich ist. Diese hohen Blutspiegel können das Gewebe schnell mit Vitamin C versorgen. 

Man kann sich das vielleicht wie bei einem Schwamm vorstellen. Wenn ich putzen möchte, brauche ich Wasser. Also angenommen, der Schwamm ist unser Körpergewebe und das Wasser ist Vitamin C. Ich kann den Schwamm unter einen tropfenden Wasserhahn legen – nach einigen Stunden hat er genug Wasser aufgesogen und ich kann mit meiner Arbeit beginnen. Oder ich stecke den Schwann in einen Putzeimer mit Wasser – und kann gleich loslegen. Problematisch wird die Version mit dem tropfenden Wasserhahn besonders, wenn der Schwamm in der Sonne liegt. Soviel Wasser, wie durch den Hahn kommt, verdunstet in der Sonne und der Schwamm bleibt trocken. Die Sonne ist in diesem Beispiel wie eine chronisch-entzündliche Erkrankung oder ständige Infektionen, die Vitamin C so schnell verbrauchen wie es nachgeliefert wird. Die Infusion ist gerade zu Beginn eines klinischen Mangels sinnvoll, um die Gewebespiegel schnell aufzufüllen. Dann kann Vitamin C seine vielen Aufgaben überall im Körper wieder erfüllen.

Moderator: Wo kann ich eine Infusion machen lassen, gerade auch, wenn vielleicht mein Hausarzt skeptisch ist?

Frau Vollbracht: Es gibt mittlerweile viele Ärzte und Heilpraktiker, die Vitamin-C-Infusionen durchführen. Man kann einen Therapeuten in seiner Nähe über Internetportale finden, beispielsweise über die Internetseite www.naturheilkunde.de.

Moderator: Für wen ist Vitamin C geeignet? - wer sollte es zu sich nehmen?

Frau Vollbracht: Sie meinen wer einen erhöhten Bedarf hat? … das sind sicherlich Menschen mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen und Menschen mit häufig wiederkehrenden Infekten, denn bei diesen Personen liegt häufig ein Vitamin-C-Mangel vor. Und natürlich ist Vitamin C besonders wichtig, für all die, die viel Stress haben. 

Denken Sie an die Tiere: Wir brauchen alle Vitamin C. Tiere können einfach ihre Produktion verstärken – wir müssen daran denken, die Zufuhr zu erhöhen, wenn der Bedarf steigt!