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„Mein Kind hat ständig Bauchschmerzen und will nicht mehr in die Schule!”

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Diese und ähnlich Aussagen kommen in manchen Praxen regelmäßig vor. Bestehen keine körperlichen Ursachen, lautet die Diagnose häufig „Schulangst”.

©iStockphoto.com

Fast jedes fünfte Kind unter 18 Jahren zeigt häufig deutliche Symptome von Schulstress und Schulangst wie Bauchschmerzen oder Angst vor Prüfungen. Dies ergab 2005 eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Angestellten Krankenkasse bei 1.000 Mütter und Väter von Schulkindern zum Thema „Schulstress”. Fünf Jahre später ging Forsa erneut dieser Frage nach, diesmal im Auftrag der Techniker Krankenkasse. Wieder wurden 1.000 Eltern befragt. Das Ergebnis: Jedes zweite Kind war von der Schule gestresst, jedes neunte stand sogar schon stark unter Druck. Was die Studien auch offenlegen: Schulstress nimmt Platz 1 bei den möglichen Stressauslösern ein. Der Übergang vom Schulstress zur Angst vor der Schule ist fließend. Und die möglichen Symptome sind ebenso vielfältig, wie die Ursachen.

Junge Kinder zeigen ihre Angst vermehrt mit körperlichen Beschwerden. Typisch sind Bauchschmerzen und Kopfschmerzen, die häufig abends auftreten und keine körperliche Ursache haben. Manche Kinder schlafen unruhig, wachen nachts auf oder nässen ein. Je älter Kinder werden, desto häufiger zeigen sich Ängste in ihrem Verhalten. Gesprächige Kinder werden plötzlich ruhig, ziehen sich zurück oder weichen aus, wenn sie gefragt werden, wie es in der Schule gelaufen ist.  Andere Kinder können sich nicht konzentrieren. Man merkt ihnen an, dass ihre Gedanken um ein Problem kreisen ohne, dass sie zu einer Lösung kommen. Weitere Anzeichen sind Hilflosigkeit und Aggressionen. 

Die Ursachen für Stress in der Schule oder Schulangst können sowohl im Bereich der Leistungen, als auch im Bereich des sozialen Miteinanders liegen.

Hat das Kind das Gefühl die Erwartungen der Eltern oder die Ansprüche an sich selber nicht erfüllen zu können, werden die eigenen Fehler oder Misserfolge häufig überbewertet und als Versagen empfunden. Auf Kindern mit leistungsbezogenen Ängsten lastet häufig ein großer Erfolgsdruck und Erwartungen werden übermäßig deutlich gemacht. Dies gilt insbesondere dann, wenn Kinder emotional erpresst werden: „Wenn du so viele Fehler machst, …dann ist Mama/Papa ganz traurig…, dann haben wir dich nicht mehr lieb.” Da sich die Eltern für ihre Kinder nur das Beste wünschen ist ihnen der Druck, den sie auf ihre Kinder ausüben oft nicht bewusst.

Soziale Ursachen für Schulangst können ebenfalls im Elternhaus liegen. Dann handelt es sich meist um Trennungsängste. Kinder müssen im Laufe ihrer Entwicklung erst lernen, dass Dinge oder Menschen weiter existieren, wenn sie sie nicht mehr sehen. Fehlt dieser Entwicklungsschritt, können insbesondere junge Kinder Angst haben sich von ihrer Bezugsperson zu trennen. Die Angst vor Trennungen kann jedoch auch entstehen, wenn ein Kind in Abwesenheit wichtiger Bezugspersonen häufig schlechte Erfahrungen gemacht hat. Weitere zwischenmenschliche Ursachen für Schulangst können die Schule oder den Schulweg betreffen, z.B. weil das Kind dort ausgelacht, geärgert oder von der Gemeinschaft ausgeschlossen wird. Manche Kinder finden sich in der (neuen) Umgebung nicht zurecht, entwickeln eine Angst vor bestimmten Situationen oder Lehrern.

Was können Eltern tun?
Wichtig ist zunächst, dass das Kind sich akzeptiert und geliebt fühlt. Seine Sorgen und Ängste sollten ernstgenommen werden, ohne die Situation zu dramatisieren. Das gemeinsame Gespräch über die Angst ist oft ein erster Schritt und ermöglicht das Finden der Ursache. Im Folgenden sollte das Kind im Kopf verschiedene Ausgänge einer brenzligen Situation durchspielen und zu eigenen Lösungsvorschlägen angeregt werden. Manchmal reicht schon das Gespräch an sich, um den Kindern zu helfen. Auch kleine Rituale, viel Bewegung an der frischen Luft und ein frühzeitiger Lernbeginn vor einer Prüfung können helfen die Situation zu entspannen.

Als Arzt oder Heilpraktiker sollten Sie im Gespräch mit den Eltern herausfinden, ob und inwieweit sie (unbewusst) zu viel Druck auf ihr Kind ausüben. Gegebenenfalls können sie Eltern den Besuch einer Erziehungsberatung empfehlen.

Mögliche Anlaufstellen für Eltern finden Sie auf der Homepage der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung, dem Fachverband für Erziehungs-, Familien- und Jugendberatung unter 

Quellen:
Studienkreis (2013) „Guter Stress–schlechter Stress > So lernen Eltern und Kinder mit Belastungen umzugehen.” 1. Auflage. www.studienkreis.de
http://www.elternwissen.com/schule-und-eltern/schulprobleme/art/tipp/schulangst-wie-sie-ihrem-kind-helfen-koennen.html#comment-form
DAK (2006) Pressemeldung „Deutschlands Schüler sind gestresst”