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Medizinische Fachbegriffe aus Beipackzetteln leicht verständlich erklärt - heute: Was sind Arzneimittelwechselwirkungen?

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Nahrungsmittel werden zunächst gegessen oder getrunken und dabei ggf. zerkleinert. Die einzelnen Bestandteile der Nahrung werden dann von den Schleimhäuten im Mund oder im Magen-Darmtrakt ins Blut aufgenommen und im Körper verteilt. Die Nahrungsmittelreste und die verbrauchten Bestandteile werden hinterher über die Leber und die Nieren ausgeschieden.

©iStockphoto.com

Manche Substanzen verändern die Abläufe in der Leber oder der Niere. Alkohol beispielsweise sorgt dafür, dass weniger Wasser über die Niere aufgenommen wird und mehr Wasser ausgeschieden wird. Man muss also häufiger zur Toilette, wenn man alkoholhaltige Getränke trinkt.

Arzneimittel werden über die gleichen Wege aufgenommen und wieder abgegeben. Ein Schmerzmittel z.B. wirkt so lange bis es vom Körper wieder abgebaut und ausgeschieden wird. Das heißt, wenn sich der Abbau verzögert, hält die Wirkung länger an.

Sorgt ein zweites Arzneimittel in der Leber dafür, dass das Schmerzmittel nicht so schnell abgebaut wird, ist dies eine Arzneimittelwechselwirkung (Interaktion). Ein Arzneimittel (oder auch ein Nahrungsmittel) kann die Wirkung eines anderen Arzneimittels beeinflussen. Wie am Beispiel der Schmerzmittel gezeigt, kann durch eine Wechselwirkung die Wirkung eines Medikaments verlängert werden. Andere Wechselwirkungen sorgen dafür, dass die Wirkung eines Arzneimittels verkürzt wird, weil der Abbau über Leber oder Niere schneller abläuft. Darüber hinaus kann die Wirkung eines Medikaments verstärkt oder bis zur Unwirksamkeit abgeschwächt werden. Meistens treten solche Interaktionen dann auf, wenn beide Medikamente gleichzeitig oder zeitnah nacheinander eingenommen werden. Bei Arzneimitteln, die lange im Körper verbleiben, können Wechselwirkungen jedoch auch nach dem Absetzen auftreten.

Neben den beschriebenen Wechselwirkungen, durch die die Aufnahme, Verteilung oder Ausscheidung eines Wirkstoffes verändert ist (sog. pharmakokinetische Wechselwirkungen), gibt es auch noch Interaktionen, die die Art der Wirkung oder den Wirkmechanismus verändern (sog. pharmakodynamische Wechselwirkungen).

Was für Arzneimittel gilt, gilt übrigens auch für einige Nahrungs-, Genuss- oder Nahrungsergänzungsmittel. So bindet eine Substanz aus der Grapefruit (Pampelmuse) an bestimmte Darmenzyme (CYP3A) und beschäftigt diese fürs erste. Normalerweise sorgen diese Enzyme dafür, dass nicht zu viele fremde Stoffe (z. B. aus Medikamenten) ins Blut gelangen. Ist das Enzym mit der Substanz aus dem Grapefruitsaft beschäftigt, können größere Mengen der Arzneimittel ins Blut gelangen. Forscher der Universität in Rochester fanden heraus, dass sich mehr als 50 verschiedene chemische Präparate im Körper anreichern können, wenn sie zeitnah mit Grapefruitsaft eingenommen werden. „Vor allem cholesterinsenkende Mittel, aber auch Heilmittel gegen Depressionen und Krebs sowie Antibiotika können auf diese Weise gefährliche Pegel erreichen.“[1] Bei anderen Medikamenten kann Grapefruitsaft die Wirkung um bis zu 70 % verstärken.

Im Beipackzettel finden Sie die Wechselwirkungen unter den folgenden Punkten:

  • Was müssen Sie vor der Einnahme von (Name des Arzneimittels) beachten? 
  • Bei Einnahme von (Name des Arzneimittels) mit anderen Arzneimitteln
  • Bei Einnahme von (Name des Arzneimittels) zusammen mit Nahrungsmitteln und Getränken

Weitere Informationen erhalten Sie bei Ihrem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker. Sollten Sie mehrere Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel nehmen, ist es sinnvoll sich eine Liste zu schreiben und diese beim nächsten Besuch mit dem Therapeuten oder Apotheker abzusprechen. Oft reicht schon eine zeitliche Distanz zwischen den Einnahmen, um die Gefahr von Wechselwirkungen zu verringern.

www.spektrum.de/frage/kann-grapefruitsaft-auch-schaden/846521