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Der Leberwickel

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Immer mehr Patienten möchten aktiv in ihre Behandlung miteinbezogen werden. Anwendungen in Form von Wickeln können vom Patienten Zuhause durchgeführt werden und stellen neben ihrer medizinischen Wirkung auch eine Form der Ordnungstherapie dar. Der Patient beschäftigt sich zwei Stunden am Tag bewusst mit seinem Körper, lernt Unterschiede wahrzunehmen und ruht sich aus.

 

Leberwickel stehen in der jahrhundertealten Tradition Wasser unterschiedlicher Temperaturen für therapeutische Maßnahmen zu nutzen. Ihren Ursprung haben die Wickelanwendungen Anfang des 18. Jh. und wurden im 19. Jh. von Vinczenz Prießnitz (1799-1851) weiterentwickelt. Bis heute sind diese Anwendungen im Rahmen der Hydrotherapie und der physikalischen Medizin fester Bestandteil in der Rehabilitationsmedizin, in komplementärmedizinischen Kliniken, in Fastenkliniken und in der Physiotherapie. Entsprechend den Head’schen Zonen werden Leber- und Galleschmerzen in den Hautbereich der rechten Regio hypochdriaca projiziert. Dies ist dementsprechend die Auflagefläche für den feucht-heißen Leberwickel.

Anwendung des Leberwickels:
Ein Handtuch wird mehrfachgefaltet, in heißes (nicht kochendes!) Wasser getaucht, gut ausgewrungen und dann unterhalb des rechten Rippenbogens aufgelegt. Die zusätzliche Auflage einer Wärmflasche kann die Wärmewirkung verlängern. Mit einem trockenen Wolltuch wird das Ganze großflächig abgedeckt. Nach 45-60 min. wird der Leberwickel wieder entfernt. Wichtig ist danach eine Phase der Nachruhe von mindestens 30 min.

Im Rahmen einer Fastenkur wird ein Leberwickel täglich in der Mittagszeit nach dem Essen empfohlen, da die Leber in dieser Zeit besonders aktiv ist. Unmittelbar vor dem Schlafengehen kann die psychovegetativ entspannende Wirkung zur Schlafförderung genutzt werden.

Alternativ kann statt heißem Wasser auch ein Sud von Schafgarbe benutzt werden. Dazu lässt man  2 EL Schafgabe (Achillea millefolium L.) in 300 ml Wasser (80°C) 20 min ziehen und seiht in dann ab.

Traditionell wird der feucht-heiße Leberwickel angewendet bei Leber- und Gallen-Beschwerden, sowie Magen-Darm-Beschwerden, Obstipation, Dysmenorrhoe, sowie zur Unterstützung des Fastens und der Ausleitung. Die entspannende und durchblutungsfördernde Wirkung der Wärme lindert darüber hinaus Schlafstörungen, Nervosität und Stress.

Nicht anwenden sollte man den Wickel bei entzündlichen Veränderungen der Haut im Rumpfbereich, Hitzeurtikaria, subjektive Unverträglichkeit, Störungen in der Temperaurwahrnehmung und bei Verdacht auf innere Blutungen.

Quellen:
Beer, A.M. (2005). Stationäre Naturheilkunde. Elsevier GmbH, Urban und Fischer Verlag, München 1. Auflage 2005Weisser, S. (2006). Effekte von Leberwickeln auf die exkretorische Leberfunktion– eine randomisierte Cross-over-Studie bei Gesunden. Dissertation an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau