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Beipackzettel: Bei Anruf barrierefrei

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Um Packungsbeilagen barrierefrei zur Verfügung zu stellen, wollen Pharmaunternehmen zukünftig die Gebrauchsinformationen telefonisch über eine zentrale Hotline anbieten.

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Das Vorhaben, auf das sich der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH), Pro Generika, der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie und der Verband Forschender Arzneimittelhersteller jüngst verständigt haben, wird vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) allerdings als unzureichend kritisiert.

Der geplante Info-Service, demzufolge Blinde und Sehbehinderte ein Callcenter anrufen sollen, welches dann zum Hersteller des jeweiligen Medikaments durchstellt, könne lediglich als Ergänzung funktionieren, so DBSV-Präsidentin Renate Reymann in einer Pressemitteilung. Aber auf keinen Fall als einziges Angebot. «Das sind doch komplexe Informationen, wer kann sich die schon nach einmaligem Anhören merken?» Nebenwirkungen könnten zudem jederzeit auftreten und nicht nur zu den Öffnungszeiten der Unternehmens-Hotline, so die Kritik.

Der DBSV favorisiert eine andere Option: Seit 2009 besteht für Pharmaunternehmen die Möglichkeit, im Internet unter www.patienteninfo-service.de Gebrauchsinformationen barrierefrei zur Verfügung zu stellen – beispielweise als Hörbuch oder als Großdruck. Doch die gemeinsame Plattform von DBSV und Rote Liste nutzen bislang lediglich 21 von 350 in Deutschland ansässigen Unternehmen.

«Keine, der möglichen Optionen ist das Gelbe vom Ei», räumt eine Sprecherin des BAH gegenüber der PZ ein. Der Internetservice nutze nur internetaffinen Menschen. Zudem sei er für die Hersteller immens aufwendig. Grundsätzlich kämen aber alle Unternehmen seit 2005 ihrer gesetzlichen Pflicht nach, Informationen barrierefrei anzubieten. Bei Anfragen blinder oder sehbehinderter Patienten können sie Texte vorlesen oder per Großdruck zur Verfügung stellen. Der geplante Hotline-Service bündle dieses bislang dezentrale Angebot nun unter einer einzigen zentralen Nummer, heißt es seitens des BAH. Auf diese Callcenter-Lösung hätten sich die Pharmaverbände Anfang 2014 mit dem Bundesministerium für Gesundheit verständigt.

Seit 2005 sind Arzneimittelhersteller im Rahmen des Arzneimittelgesetzes (AMG) dazu verpflichtet, «auf Ersuchen von Patientenorganisationen» die Packungsbeilage in Formaten verfügbar zu machen, die für blinde und sehbehinderte Personen geeignet sind (§11 AMG Abs. 3c). Bei den Ausgestaltungsmöglichkeiten lässt der Gesetzgeber den Unternehmen aber freie Hand. Der DBSV fordert nun die obersten Landesbehörden auf, die Verfügbarkeit von Gebrauchsinformationen gemäß AMG zu prüfen.

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